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Auch Bundesamt für Strahlenschutz und Landrat Butte empfehlen Überprüfung

AKW-Gegner „entsetzt“ über Katastrophenschutzplan

Weserbergland. Reicht der Katastrophenschutzplan für einen Fall der Fälle im Atomkraftwerk Grohnde aus? „Entsetzt“ zeigen sich Atomkraftgegner von diesem Katastrophenschutzplan des Landkreises Hameln-Pyrmont zum AKW Grohnde, der erst seit Kurzem öffentlich zugänglich ist. Erfahrungen durch Vorfälle wie in Fukushima seien nicht eingearbeitet, so die AKW-Gegner. Eine grundsätzliche Überprüfung der Pläne empfiehlt unterdessen auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), wie Pressereferentin Monika Hotopp auf Anfrage der Dewezet bestätigt.

veröffentlicht am 08.08.2012 um 18:33 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Kerstin Hasewinkel

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Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite
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Die Atomkraftgegner halten eine Evakuierung der Bevölkerung im Umkreis von zehn Kilometern um ein Atomkraftwerk im Katastrophenfall für völlig unzureichend. „Es hat dem Plan nicht gut getan, dass er offenbar jahrzehntelang nur im Giftschrank lag“, erklärte Bernd Schlinkmann vom Anti-Atom-Plenum Weserbergland bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tobias Darge von der Regionalkonferenz „Grohnde abschalten“. Hervorgehoben wird in diesem Zusammenhang aber auch, dass sich der Hameln-Pyrmonter Landrat Rüdiger Butte dafür eingesetzt hatte, dass der Katastrophenschutzplan nun auf der Internetseite des Landkreises steht und die Einwendungsfrist bis zum 7. September verlängert wurde. Inhaltlich hätten die Behörden aus Fukushima aber keine Konsequenzen gezogen, kritisieren die Atomkraftgegner. Lediglich das Bundesamt für Strahlenschutz habe eine „interessante Studie“ vorgelegt: „Nach der BfS-Studie wären Evakuierungen selbst bei einem mittelschweren Unfall wie in Fukushima in bis zu 170 Kilometer Entfernung nötig.“

Diese Interpretation hält allerdings BfS-Sprecherin Hotopp für verfrüht: „Das müssen zunächst die Experten eingehender untersuchen.“ Grundsätzlich heißt es im BfS, dass sich „basierend auf den Erfahrungen aus dem Unfall in Fukushima“ tatsächlich ein Überprüfungsbedarf der Katastrophenschutzpläne ergebe. Die Atomkraftgegner appellieren, neue Berechnungen sollten auch für das AKW Grohnde angestellt und die regionale Verteilung der Windrichtungen eingerechnet werden. „Es sind Szenarien denkbar, in denen eher Hannover von einer Evakuierung betroffen sein kann als das in der Nähe von Grohnde liegende Dorf Börry“, sagt Schlinkmann.

Auch Landrat Butte sieht grundsätzlich die Notwendigkeit einer Erweiterung der Evakuierungszone. Wie groß dieser Bereich genau sein soll, könne aber erst nach abschließender Bewertung durch die Fachleute gesagt werden, hieß es auf Anfrage. Weiterhin macht sich Butte stark für eine zentrale Entscheidung auf Landes- oder Bundesebene zu Maßnahmen von überregionaler Bedeutung.

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Atomkraftgegner fordern eine Ausweitung der 10-Kilometer-Evakuierungszone auf bis zu 170 Kilometer. Die regionale Verteilung der Windrichtungen müsse in neue Berechnungen einbezogen werden.

Grafik: Dana

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