weather-image
22°
Meyer plädiert für gemeinsame Wirtschaftsförderung – und gegen Geschenke für Neuansiedlungen

AdU-Chef: Nabelschau der Kommunen beenden

Bad Pyrmont (fh). Die Zufriedenheit ist längst zurück im Weserbergland. Und das sogar offenbar so sehr, dass Ulrich Meyer, 1. Vorsitzender des AdU, gleich an den Beginn seiner Rede im Pyrmonter Hotel Steigenberger einen kleinen Dämpfer setzte. Die meisten Mitgliedsunternehmen des weserbergländischen Arbeitgeberverbandes hätten mit ihren Zahlen 2011 an die Jahre vor der Wirtschaftskrise angeknüpft, blickte Meyer zurück. Nun sei die Stimmung so gut, „dass man darüber fast vergisst, welche Herausforderungen gleichwohl unserem südniedersächsischen Standort bevorstehen“. Herausforderungen unterschiedlicher Art sollten auf dieser Jahreshauptversammlung nicht nur in Meyers Rede eine Rolle spielen.

veröffentlicht am 22.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:21 Uhr

270_008_5342464_wb109_2203.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Meyer hatte ganz konkrete Anliegen auf dem Zettel: Da wäre zum einen die Frage, ob die Kommunen Neuansiedlungen von Unternehmen mit niedrigen Steuern und Grundstückspreisen belohnen sollten. Meyers Antwort ist eindeutig: „Das ist aus meiner Sicht rausgeschmissenes Geld.“ Mitnahmeeffekte würden begünstigt, ein wirklicher Entscheidungsfaktor für Unternehmen seien die kommunalen Geschenke nicht.

Zudem forderte Meyer Veränderungen bei der Wirtschaftsförderung. Diese sollte Kommunen übergreifend im Rahmen der Weserbergland AG betrieben werden. Gleichwohl – soweit lenkte Meyer gegenüber den Kommunen ein, sollte – „ja muss vielleicht sogar“ – der bisherige „Kümmerer“ vor Ort aktiv bleiben. Bisher allerdings hätten „jede Stadt und jeder Kreis noch viel zu viel Angst, ein Investor könnte von einer Wirtschaftsförderung Weserbergland in die falsche Kommune geschickt werden“. Doch die Wirtschaft halte sich nicht an kommunalen Grenzen, eine „Nabelschau“ dreier Landkreise macht für den AdU-Vorsitzenden da wenig Sinn: „Wann kommen die Beteiligten hier endlich zur Vernunft?“

Meyer wünscht sich zudem, dass sein Verband von der Politik gehört wird. Für die Mitglieder bedeute das: Mitarbeit in den finanz- und wirtschaftspolitischen Ausschüssen der Kommunen – „nicht nur, wenn es ein unternehmensbezogenes Problem ist“.

270_008_5342449_wb102_2203.jpg

Mitsprechen will der AdU auch beim Thema Energiewende: „Der Verband wird Stellungnahmen zu infrastrukturellen Maßnahmen abgeben“, kündigte Geschäftsführer Dieter Mefus an. Dabei werde es unter den Mitgliedsunternehmen „Gewinner und Verlierer geben“, räumte Mefus ein – doch letztlich gehe es eben um die Gesamtinteressen der Wirtschaftsregion.

Nach einem Galopp durch die Regularien ohne Überraschungen und einer Kaffeepause wurde es noch einmal konkret mit den „Herausforderungen“ nicht nur für die heimische Wirtschaftsregion. Gastreferent Prof. Dr. Ulrich Reinhardt von der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen warf einen Blick ins Deutschland der Zukunft. Seine Zahlen waren dann auch aus wirtschaftlicher Sicht brisant: „2035 lebt in Deutschland die älteste Bevölkerung der Welt“, war da beispielsweise zu hören. Acht Millionen Menschen würden zu diesem Zeitpunkt über 80 Jahre alt sein, die Hälfte von ihnen pflegebedürftig, ein Drittel werde an Demenz leiden. Und leben werden die Mitglieder dieser dann noch kinderärmeren Gesellschaft nicht unbedingt in einer ländlichen Region wie dem Weserbergland, führte der Referent später im Gespräch aus: „Man muss davon ausgehen, dass die Metropolen weiter boomen werden und eine Landflucht sich verstärkt.“ Letztlich gelte: „Die Menschen ziehen dorthin, wo die Arbeit ist.“

Eine andere Zukunftsperspektive sorgte hingegen bei den Gästen in Bad Pyrmont für keine Sorgenfalten: Der AdU-Herbstempfang findet am 19. November statt. Gast ist diesmal: Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Der AdU-Vorsitzende Ulrich Meyer (li.) stellte konkrete Forderungen an die Vertreter aus der Politik.Fotos: Dana



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare