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Im Bereich Osterwald gibt es 55 alte Stollen und Schächte

„Abdecken mit Stämmen ist kein adäquates Mittel“

Osterwald. In Niedersachsen ist das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie unter anderem zuständig für die Gefahrenabwehr beim Altbergbau. Die Dewezet sprach mit Referatsleiter Rochus Rieche über das Unglück im Osterwald, alte Schächte und Gefahren im Untergrund.

veröffentlicht am 11.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:41 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Herr Rieche, im Osterwald wurde bis in die 1950er Jahre Steinkohle abgebaut. Wie viele alte Schächte gibt es dort, wie tief sind sie – und wie müssen sie gesichert werden?

Nach unseren Unterlagen gibt es im Bereich Osterwald 55 Schächte und Stollen. Diese können bis zu 100 Meter tief sein. Wenn heute ein Bergwerk stillgelegt wird, werden Schächte mit Eisenbahnschotter verfüllt oder oberflächlich mit Beton ausgegossen. Das heißt: Es wird eine Art Pfropf gesetzt, der 30 bis 40 Meter dick ist. Dafür benötigt man schon mehrere 100 Kubikmeter Beton. Die alten Schächte sind so verschlossen worden, wie es zu der damaligen Zeit üblich war. Man hat häufig mit Nebengestein oder Bauschutt verfüllt, mit Eisenbahnschienen und Boden abgedeckt. Wir wissen in vielen Fällen allerdings nichts über Qualität und Art der Verfüllung. Deshalb durchforsten wir alte Akten und erkunden vor Ort.

Bei Osterwald wurden Baumstämme auf die Schachtöffnung gelegt. Ist das die richtige Methode, ein Loch zu sichern?

Natürlich nicht. Das ist keine vernünftige Sicherung. Wenn man großzügig ist, könnte man sagen: Das ist eine Maßnahme, mit der man eine akute Gefahr abwenden kann – aber auch das hat ja nicht funktioniert. Das Abdecken mit Baumstämmen ist kein adäquates Sicherungsmittel, allenfalls ein Provisorium.

Was muss jetzt geschehen, damit es nicht zu weiteren Unglücken kommt?

Im Osterwald werden wir uns gemeinsam mit der Forstverwaltung zeitnah alle Schachtöffnungen anschauen. Es wird darum gehen, alle Tagesöffnungen gut zu sichern. Wir wollen Gefahren erkennen und veranlassen, dass Schächte gegen Betreten gesichert und langfristig verfüllt werden. Nach dem Gefahrenabwehrgesetz ist das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie zuständig. Wie die Polizei treffen wir in unserem Zuständigkeitsbereich Anordnungen. Das Verfüllen kann eine sehr teure Angelegenheit werden. Üblicherweise muss dafür derjenige aufkommen, der das Bergwerk zuletzt betrieben hat. Ist das nicht möglich, wäre im Fall Osterwald das Land in der Pflicht.

Wären Schilder, die auf die Gefahrenstellen im Osterwald hinweisen, wichtig?

Wir sind bestrebt, keine offenen Schächte zu haben. Deshalb sind Warnschilder nicht vorgesehen. Es ist neu für uns, dass es solche offenen Schächte wie den im Osterwald gibt. So einen Fall hatten wir noch nicht.

Heute hat sich ein Bergbau-Ingenieur Ihrer Behörde den Unglücksort angeschaut. Was hat der Experte festgestellt?

Die aktuellen Erkenntnisse liegen mir derzeit noch nicht vor.

Im Nachbar-Landkreis Schaumburg gab – und gibt es zum Teil auch noch heute – Bergbau. Wie viele Schächte, Stollen und andere mögliche Gefahrenstellen hat Ihre Behörde dort registriert?

Nach unseren Kenntnissen befinden sich im Landkreis Schaumburg mehr als 700 Tagesöffnungen. Im Gebiet zwischen Barsinghausen und Stadthagen gibt es also weit mehr Tagesöffnungen als im Landkreis Hameln-Pyrmont.

Wie hoch schätzten Sie die Gefahr ein, dass sich im Weserbergland die Erde auftut, weil in der Tiefe alte Stollen einstürzen?

Man kann so etwas nicht völlig ausschließen. Im Bereich Osterwald schätzen wir die Gefahr als eher gering ein. Solche Tagesbrüche würden überwiegend im Waldgebiet passieren. Bei Barsinghausen hatten wir allerdings bereits Tagesbrüche.

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