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Prozess vor dem Landgericht: Krankenpfleger gibt zu, die Bad Nenndorferin (29) erwürgt zu haben

42-Jähriger gesteht Mord

BAD NENNDORF/HANNOVER. Der 42-jährige Christian I. hat gestanden, am frühen Morgen des 2. April die 29-jährige Jana W. aus Bad Nenndorf erwürgt zu haben. Zum Auftakt des Schwurgerichtsprozesses am Landgericht in Hannover verlas Verteidiger Holger Nitz eine längere Erklärung zur Vita seines Mandanten und zum Tathergang, wie er sich laut I. abgespielt hat.

veröffentlicht am 08.08.2017 um 19:43 Uhr

Prozessauftakt gegen den Angeklagten Christian I.: Er muss sich wegen Mordes an seiner Freundin vor Gericht verantworten. Foto: dpa

Autor:

Michael Zgoll

Demnach brachte der gelernte Krankenpfleger die junge Frau in seiner Wohnung in der Fridastraße (Oststadt) um, weil sie sich seinen sexuellen Annäherungsversuchen widersetzte. „Es ist ihm unbegreiflich, dass er sie umgebracht hat“, erklärte Nitz. I. sei zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen.

Angeklagt ist der in Hilden geborene Mann wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Seit 2010 lebt I. in Hannover, arbeitete sechs Jahre am Nordstadtkrankenhaus und war zum Schluss über eine Zeitarbeitsfirma im Vinzenzkrankenhaus beschäftigt. Möglicherweise war er bei der Tat vermindert schuldfähig.

Wie der Verteidiger sagte, kannten sich Täter und Opfer seit Februar 2015. Es sei seither zu rund einem Dutzend Treffen gekommen, bei denen das Paar jedes Mal miteinander geschlafen habe. Jana W. habe sich eine feste Beziehung gewünscht, was der 42-Jährige jedoch abgelehnt habe.

Am Vorabend des Verbrechens besuchte Christian I. mit Freunden das Fußballspiel Hannover 96 gegen Union Berlin, anschließend trank man etliche Biere. Irgendwann in der Nacht suchte Jana W. den Krankenpfleger in seiner Wohnung auf.

Die beiden tranken Wein sowie Tee mit Rum. Irgendwann kurz vor dem Morgengrauen kam es zwischen dem nackten Paar zu Intimitäten, die der Frau aber keinen Spaß machten. Auf ihre Ablehnung, so Verteidiger Nitz, habe sein Mandant mit einem „unerklärlichen Gewaltausbruch“ reagiert, habe W. nach eigenem Bekunden mehrfach ins Gesicht geschlagen und dann nur noch „gedrückt, gedrückt, gedrückt“. Mit sexueller Lust sei das Erwürgen der Frau in keiner Weise verbunden gewesen.

Laut dem Verteidiger fuhr I. nach einer mehrstündigen „Schockstarre“ mit dem Zug nach Bad Nenndorf. Er setzte sich in den gelben Seat der 29-Jährigen, den sie am Bahnhof abgestellt hatte, fuhr in ihre Wohnung und nahm dort ihre Kreditkarte nebst PIN an sich. Er hob 500 Euro von ihrem Konto ab und fuhr zurück nach Hannover. In seiner Wohnung zog er die Tote an, wickelte sie in ein Bettlaken und schleppte sie in das Auto. Auf der Suche nach einem Platz, wo er die Leiche ablegen konnte, landete er schließlich im Seelzer Ortsteil Dedensen. Dort legte er sein Opfer an einem Feldweg nahe dem Mittellandkanal ab, nur notdürftig mit einem Zweig bedeckt.

Das Auto stellte der Mörder nahe der Ludwigstraße am Raschplatz ab. Er fuhr mit dem Zug nach Frankfurt/Main, anschließend mit Zug und Fähre nach England. Laut Anwalt Nitz kaufte er sich ein Zelt und übernachtete an verschiedenen Stellen in Südengland.

Am 14. April sei I. bei einer Polizeidienststelle in London vorstellig geworden und habe sich stellen wollen. Allerdings sei er fortgeschickt worden, da er gar nicht gesucht werde. Erst nachdem sich sein Mandant am Folgetag telefonisch bei der hannoverschen Polizei gemeldet hatte, hätten ihn die englischen Beamten nach dem erneuten Aufsuchen einer Dienststelle festgenommen. Seit dem 25. April sitzt Christian I. in Deutschland in Untersuchungshaft.

Wie der Verteidiger sagte, hatte I. eine schwere Kindheit. Seine Mutter war bei seiner Geburt 16 Jahre alt, die ersten Lebensjahre verbrachte der Junge in einem Heim. Im Kleinkindalter wurde er adoptiert, doch seine neuen Eltern wurden nach ein paar Jahren geschieden. Anschließend lebte I. in einer anderen Pflegefamilie.

Nach dem Abitur in Bad Wildungen absolvierte er seinen Zivildienst und eine Ausbildung zum Krankenpfleger. „Bei Schwierigkeiten neigte mein Mandant schon immer zur Flucht“, begründete Nitz einige Auszeiten von I., bei denen dieser oft monatelang an seinem Arbeitsplatz fehlte, sowie seine Reise nach England im April. Den Mord an Jana W. können diese Verhaltensweisen aber sicher nicht erklären.

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