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Die Toten Hosen zeigten sich am Samstag in Minden in Bestform – heute Konzert gegen Rechts in Chemnitz

40 000 Fans feiern die Punk-Veteranen

MINDEN. Spiel‘s noch einmal, Campino: Auf den Tag genau fünf Jahre nach ihrem letzten Mindener Open Air haben die Toten Hosen erneut auf Kanzlers Weide Station gemacht und sich dabei trotz ihres unzweifelhaft nicht mehr ganz taufrischen Alters in Höchstform präsentiert. 36 Jahre Bandgeschichte standen auf der Bühne.

veröffentlicht am 02.09.2018 um 15:10 Uhr

Ein Wiedersehen in Minden: Campino & Co. bedienen (mindestens) drei Fangenerationen. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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Andreas „Campino“ Frege, Andreas „Kuddel“ von Holst, Michael „Breiti“ Breitkopf, Andreas „Andi“ Meurer und Stephen George Ritchie zeigten gleich zum Auftakt mit den Hosen-Klassikern „Opel-Gang“ (1983), „Auswärtsspiel“ (2002) und „Niemals einer Meinung“ (1993) aufzeigten, wohin die Reise an diesem Abend musikalisch gehen würde: Tief hinein in die fast vier Jahrzehnte überspannende Historie der irgendwie ewigjungen Punk-Koryphäen aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

Zuvor hatten mit Attaque 77 aus Argentinien, The Undertones aus Nordirland und den Indepenent-Rockern Wanda aus Wien gleich drei Vorbands den Stimmungspegel bereits auf Anschlag gebracht. Und dann bewiesen die Toten Hosen, dass sie ein Händchen dafür besitzen, eine rund 40 000-köpfige Menschenmenge zu dirigieren. Campino & Co. bedienen (mindestens) drei Fangenerationen, wenn sie Klassiker wie „Bonnie und Clyde“ vom 1996er Album „Opium fürs Volk“ anstimmen, „Alles aus Liebe“ vom 1993er Werk „Kauf mich!“ oder „Pushed again“ vom 1999er „Crash-Landing“. Die Fans kennen jeden Ton und jede Liedzeile, und zumeist kann Campino schon nach wenigen Tönen das Mikrofon ins Publikum recken, wo Tausende Kehlen jeden Refrain mitsingen, mitschreien oder mitgrölen.

Auf keinem Toten-Hosen-Konzert fehlen darf „Hier kommt Alex!“. Ebenso viele Jahre hat „1000 gute Gründe“ auf dem Buckel – und ist doch nach Meinung von Leadsänger Campino heute genauso aktuell wie bei seinem Erscheinen vor drei Jahrzehnten: „Es gibt tausend gute Gründe, auf dieses Land stolz zu sein. Warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?“

Stimmung vom Auftakt an: Die Fans erleben die besten Songs der Toten Hosen live. Foto: jp
  • Stimmung vom Auftakt an: Die Fans erleben die besten Songs der Toten Hosen live. Foto: jp
In Bestform: Campino überzeugt die Fans. Foto: jp
  • In Bestform: Campino überzeugt die Fans. Foto: jp
Bewährtes Konzept: Michael „Breiti“ Breitkopf und Andreas „Kuddel“ von Holst. F: jp
  • Bewährtes Konzept: Michael „Breiti“ Breitkopf und Andreas „Kuddel“ von Holst. F: jp

Musikalisch setzen die Düsseldorfer auf Bewährtes: Zwei fett donnernde Gitarren, ein rollender Bass und das fulminant vom Briten Stephen George Ritchie alias „Vom Ritchie“ bediente Schlagwerk geben das harte, volle Punk-Brett, während die stets hymnisch gehaltenen Refrains mit Mitsingen förmlich zwingen. Nur selten leisten sich die Hosen Ausflüge in fremde musikalische Gefilde wie beim für sie wirklich ungewohnt klingenden Party-Reggae „Wannsee“, einem der wenigen Stücke vom aktuellen Album „Laune der Natur“.

Seine musikalisch interessantesten Momente erlebt das Mindener Open Air daher auch bei den Cover-Versionen: Hannes Waders Gitarrenballade „Heute hier morgen dort“ funktionieren die Toten Hosen zum krachledernen Speed-Punk um, während sich die Düsseldorfer mit „Should I stay or should I go“ tief vor ihren britischen Vorbildern The Clash verbeugen. Und dann als Hymne gegen Rechts natürlich „Schrei nach Liebe“, jener legendäre Comeback-Song ihrer ewigen Konkurrenten Die Ärzte aus Berlin, mit denen die Toten Hosen nicht sonderlich viel verbindet außer ihrem klaren Bekenntnis gegen Nazis und Rechtsradikalismus.

Ansonsten kommt Politisches diesmal nur sehr kurz zum Zuge. Er wolle diesen Abend nicht für große politische Reden missbrauchen, erklärt Campino. Nur so viel zum Thema Chemnitz: Dort werde „ein abscheulicher Mord“ dazu missbraucht, auf alles Jagd zu machen, was irgendwie nicht deutsch aussehe. „Und das kann niemand, der sich noch einen Funken Anstand bewahrt hat, akzeptieren.“ Heute Abend werden die Toten Hosen zusammen mit den Bands Marteria, Casper, K.I.Z., Feine Sahne Fischfilet und Kraftklub in der sächsischen Stadt ein Gratiskonzert gegen Rechts spielen.



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