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Ein Thinktank mit Leidenschaft

30 Jahre Institut für Solarforschung in Ohr

OHR. Sie waren schon einmal Weltmeister in der Produktion von Solarstrom und stehen mit einem Tandem-Modul derzeit weltweit an zweiter Stelle mit einem im Labor erzeugten Wirkungsgrad von 35,4 Prozent. Heute feiern die Forscher und Wissenschaftler des Instituts für Solarforschung Hameln/Emmerthal (ISFH) mit vielen Gästen das 30-jährige Bestehen der Einrichtung.

veröffentlicht am 30.08.2017 um 15:37 Uhr
aktualisiert am 30.08.2017 um 18:45 Uhr

Helga Schuchardt, damals niedersächsische Wissenschaftsministerin, setzte 1991 den ersten Spatenstich für das ISFH in Ohr. Foto: ISFH
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Ursprünglich an die Leibniz-Universität in Hannover angegliedert, schaffte es der Landkreis Hameln-Pyrmont im Jahr 1991, die Ausschreibung für eine Verlegung des auf Initiative von Prof. Hellmut Glubrecht gegründeten Instituts an seinen neuen Standort für sich zu gewinnen. Seither forschen dort vor allem Physiker, aber auch Bauingenieure, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Chemiker und Informatiker an der Optimierung der Nutzung solarer Energie.

„Es war eine sehr weitsichtige Entscheidung von Professor Glubrecht, der damals stellvertretender Präsident der Atomenergiekommission war, der Solarenergie als Alternative zum Atomstrom eine Chance zu geben“, blickt Prof. Rolf Brendel, seit 2004 Leiter des Instituts, auf diese Zeit zurück. „Solarthermie war damals nicht der Mainstream und keine Disziplin, mit der man Karriere machen konnte.“ Doch es sollte anders kommen. Heute ist die Solarenergie nicht mehr aus dem deutschen Energiemix wegzudenken, und die Wachstumsraten liegen jedes Jahr deutlich über den Prognosen. Niedersachsen hat sich als Land der Windenergie sogar zum Ziel gesetzt, im Jahr 2050 nur noch Strom aus regenerativen Energien zu produzieren – und daran soll die Solarenergie einen starken Anteil haben.

Aber beim ISFH beschäftigen sich die Forscher nicht nur mit Solarthermie oder Photovoltaik. Es geht dem Institut nach Darstellung von Brendel vor allem um drei Dinge: Das Gewinnen und Veröffentlichen von Erkenntnissen, um sie international nutzbar zu machen – soweit Drittmittel aus der Industrie nicht eine Geheimhaltung bedingen –, die Wirtschaftsförderung durch anwendungsorientierte Forschung und die Ausbildung von Wissenschaftlern mit befristeten Verträgen. Auf 500 bis 600 Doktoranden, Bachelor- und Masterabsolventen schätzt Brendel die Zahl der Wissenschaftler, die sich am ISFH im Lauf der 30 Jahre qualifiziert haben. Und Dr. Raphael Niepelt, der Referent für Strategieplanung am ISFH, betont ihre Zukunftschancen: „Alle sind sehr begehrt in der Industrie.“

Im Blick haben die Forscher nicht nur die Solarthermie. Inzwischen geht es im Bereich der Systemtechnik vor allem darum, Synergien bei der Nutzung dieser Energieform zu heben – sei es durch Speichertechniken im geothermischen Bereich oder durch die Optimierung von Solarhäusern, die aufs Jahr gesehen nicht mehr als acht Kilowattstunden (kWh) extern erzeugter Energie pro Quadratmeter verbrauchen. Zum Vergleich: ein herkömmliches Solarhaus verbraucht im Jahr derzeit noch 15 kWh pro Quadratmeter. Dass dies keine Hirngespinste sind, beweist das ISFH derzeit mit einem von ganz realen Menschen bewohnten Haus in Hannover. Es wird zu 50 Prozent mit Solarenergie versorgt, speichert solarthermisch erzeugte Wärme in der Betonplatte des Baus und nutzt mittels Wärmepumpe auch die Geothermie, wobei aufgrund der systemtechnischen Kombination die geothermische Fläche im Vergleich zu einem KfW-Haus 55 um 50 Prozent verringert werden konnte.

Ein neues, bereits serienreif entwickeltes Projekt und Highlight der Arbeit der vergangenen fünf Jahre sind doppelverglaste Solarkollektoren, die nach Angabe von Dr. Rolf Reineke-Koch 50 Prozent mehr Energie erzeugen als herkömmliche Kollektoren. Den Markt für die Produktion von Prozesswärme und die Fernwärmenetze haben sie zwar noch nicht erobert, aber zumindest soll demnächst eine Pilotanlage entstehen.

Im Gespräch mit den Wissenschaftlern fallen noch viele Begriffe, die alle mit der ISFH-Forschung zu tun haben; zum Beispiel Lasertechnologie, Fassadengestaltung, thermochrome Kollektoren, Halbleiterprozesse oder Bauteilaktivierung. Das ISFH, so scheint es, ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Und mit dem Ideenreichtum und der Leidenschaft, mit denen die Forscher an der Arbeit sind, darf das ISFH durchaus als ein „Thinktank mit Leidenschaft“ bezeichnet werden.



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