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11,7 Prozent laut Gewerkschaftsbund direkt von Armut betroffen

2000 Jugendliche im Landkreis sind auf Hartz IV angewiesen

Hameln-Pyrmont (fd). Im September 2012 waren im Landkreis Hameln-Pyrmont 1956 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren auf Hartz-IV-Gelder angewiesen. Jugendarmut im Weserbergland ist demnach keine gesellschaftliche Randerscheinung. 11,7 Prozent aller im Landkreis lebenden Jugendlichen sind direkt von Armut betroffen. „Diese jungen Menschen erfahren die gesellschaftliche Spaltung bereits in jungen Jahren, indem sie in Verzicht aufwachsen und ein höheres Risiko für eine mehrfache Benachteiligung haben“, stellt Volker Eggers fest, Hamelner Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

veröffentlicht am 01.02.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:21 Uhr

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Die Hartz-IV-Regelsätze seien in den letzten Jahren deutlich hinter der Preissteigerungsrate zurückgeblieben und könnten auch für Jugendliche das gesellschaftliche Existenzminimum nicht sicherstellen. „Neben materieller Entbehrung erleben diese Jugendlichen Arbeitslosigkeit und niedriges Erwerbseinkommen im Familienkontext sowie oftmals schlechtere Wohnverhältnisse und schlechtere Chancen im Ausbildungssystem und in der Arbeitswelt. Hinzu kommt, dass sich Einkommensarmut auch verstärkt negativ auf die Gesundheit auswirken kann“, so Volker Eggers weiter.

Jeder fünfte (20,1 Prozent, 386 Jugendliche) der auf Hartz IV angewiesenen Jugendlichen ist arbeitslos gemeldet. Weitere 184 nahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil. Die überwiegende Mehrzahl der hilfebedürftigen jungen Leute besuchte noch die Schule, war in Ausbildung, erwerbstätig oder betreute eigene Kinder unter drei Jahren.

Hilfebedürftigkeit bei jungen Menschen habe viele Ursachen. Besonders auffallend sei, dass dabei meist nicht die eigene Arbeitslosigkeit zur Bedürftigkeit führt, sondern die Gründe vielmehr in den begleitenden familiären Lebensumständen liegen. Die Mehrzahl der als nicht arbeitslos registrierten jungen Menschen dürfte noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen.

Da die Jugendlichen oft noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil leben, ist entweder mindestens ein Elternteil arbeitslos oder trotz Erwerbstätigkeit kann das gesellschaftliche Existenzminimum der Haushaltsgemeinschaft nicht gesichert werden. Die Armut von Jugendlichen sei weitgehend auf das Fehlen existenzsichernder Arbeitsplätze der Eltern zurückzuführen.

Eggers fordert: „Um diesen Jugendlichen einen dauerhaften Ausstieg aus den prekären Lebensverhältnissen zu ermöglichen, hilft weder ein schlichtes Parken in beruflichen Warteschleifen noch die Zuweisung in Ein-Euro-Jobs.“ Um die Spirale von Armut und Perspektivlosigkeit zu durchbrechen, macht der DGB folgende Vorschläge:

Die Investitionen in die soziale und bildungspolitische Infrastruktur müssen ausgebaut werden, insbesondere leistungsschwächere Schüler benötigen eine frühere und intensivere Unterstützung und zusätzliche Förderangebote.

Beratungs- und Betreuungsangebote sollten unter einem Dach gebündelt werden. Dringend verbessert werden sollte die Verständigung zwischen Unternehmen und zuständigen Behörden, wenn eine Ausbildung abgebrochen wird, damit Jugendlichen geeignete Alternativen und schnell Anschlüsse eröffnet werden.

Jugendliche, die die Voraussetzungen für eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung mitbringen, dürfen nicht länger mit berufsvorbereitenden Maßnahmen abgespeist werden. Das Jobcenter sollte die Initiative ergreifen, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine „zweite Chance“ auf Berufsausbildung zu eröffnen.

Darüber hinaus braucht es existenzsichernde Löhne, um Jugendliche selbst beziehungsweise deren Eltern längerfristig eine Überwindung der Hartz-IV-Bedürftigkeit zu ermöglichen.



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