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Johanniter geben Tipps für Angehörige

Wenn die Eltern Hilfe brauchen

veröffentlicht am 19.09.2017 um 14:57 Uhr

Wie spreche ich mit den Eltern darüber? Angehörige spielen eine zentrale Rolle bei der sicheren Versorgung älterer Menschen – hier: Gaby Nordahl von den Johannitern im Beratungsgespräch mit einer Angehörigen. Foto: Johanniter

Autor:

Gabriele Müller

LIPPE/HÖXTER. Bis ins hohe Alter selbstständig in der gewohnten häuslichen Umgebung leben und sich dabei sicher fühlen – das wünschen sich viele Menschen. Zahlreiche technische Hilfsmittel können heute Senioren darin unterstützen, länger eigenständig in der eigenen Wohnung zu leben: Rollatoren helfen, Stürze zu verhindern und erweitern den Bewegungsradius, Greifhilfen können häufiges Bücken im Haushalt vermeiden, mit Hilfe einer geeigneten Lupe lässt sich auch Kleingedrucktes entziffern. Auch der Hausnotruf ist ein solches Hilfsmittel. Wenn doch einmal etwas passiert, ermöglicht er es, schnell professionelle Hilfe zu rufen – eine große Entlastung nicht nur für die älteren Menschen selbst, sondern auch für ihre Angehörigen.

Doch wann ist der Punkt erreicht, an dem Hilfe notwendig wird? Vielen älteren Menschen fällt es schwer, sich und ihren Angehörigen einzugestehen, dass sie Unterstützung im Alltag benötigen. Kinder und Enkel erkennen dies oft früher als die Betroffenen selbst. „Aber wie spreche ich meine älteren Angehörigen darauf an, ohne sie zu verletzen? Vielen fällt es schwer, dieses heikle Thema in der Familie anzugehen“, weiß Gaby Nordahl, Leiterin des Johanniter-Hausnotrufs im Regionalverband Lippe-Höxter. Und dann müssen sich die Betroffenen auch noch mit den Pflegekassen und Anträgen auseinandersetzen. Für Angehörige in dieser Situation hat Nordahl vier einfache Tipps parat.


Das soziale Umfeld aktivieren: Ältere Menschen davon zu überzeugen, dass sie Unterstützung für ein eigenständiges Leben zu Hause brauchen, kann durchaus schwierig sein. Es hilft, andere Familienangehörige, Freunde und Bekannte mit einzubeziehen und sich die Aufgabe zu teilen.


Gemeinsam beraten lassen: Wer alleine vor einer neuen Herausforderung steht, fühlt sich schnell überfordert. Angehörige sollten daher bei der Wahl der passenden Hilfsmittel helfen. Sanitätshäuser und Pflegestützpunkte bieten umfassende Beratungsmöglichkeiten an. Auch Haus- und Fachärzte geben Tipps. Wichtig dabei: „Konzentrieren Sie sich nicht auf das Negative und auf Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt“, rät Gaby Nordahl. Vielmehr sollte anhand von positiven Beispielen aufgezeigt werden, welche praktischen Vorteile solche Hilfsmittel bieten, um weiter selbstständig den Alltag zu meistern.

Angst vor der Handhabung nehmen: Viele Anbieter von Hilfsmitteln bieten Probewochen an. Physiotherapeuten oder Mitarbeiter von Sanitätshäusern können beim Umgang schulen. Auch Hausnotrufdienste können unverbindlich getestet werden. „Üben Sie mit Ihren Angehörigen ein paarmal gemeinsam, wie man beispielsweise den Hausnotruf richtig benutzt. Damit nehmen Sie den älteren Menschen die Scheu vor der noch unbekannten Technik“, empfiehlt die Johanniter-Mitarbeiterin. Auch diese Aufgabe lässt sich gut mit anderen Familienangehörigen teilen, zum Beispiel mit den oft technisch versierteren Enkeln.

Kosten klären und Kostenübernahme durch die Pflegekasse prüfen: Praktische Alltagshelfer für ältere Menschen müssen nicht teuer sein: Hilfsmittel wie Rollatoren oder der Hausnotruf beispielsweise werden von der Pflegekasse bezuschusst. „Die wichtigste Unterstützung für ältere Menschen ist nach unserer Erfahrung ein Hausnotruf“, sagt Gaby Nor-dahl. „Er bietet die Möglichkeit, sich sicher in der gewohnten häuslichen Umgebung zu fühlen – besonders, wenn man alleine lebt und die Angehörigen nicht in unmittelbarer Nähe wohnen“, so Nordahl weiter. „Die Gewissheit, dass immer jemand zur Stelle ist, wenn Hilfe nötig sein sollte, ist für alle Beteiligten wichtig – für die älteren Menschen wie für ihre Angehörigen.“ Eine Gelegenheit, den Johanniter-Hausnotruf auszuprobieren, besteht im Rahmen der Johanniter-Aktionswochen, die bis zum 31. Oktober laufen. In diesem Zeitraum kann der Hausnotruf vier Wochen lang kostenlos getestet werden. Herzstück des Johanniter-Hausnotrufs ist ein kleiner Sender, der als Armband, Halskette oder Clip getragen werden kann. Wenn Hilfe benötigt wird, genügt ein Knopfdruck, um die Hausnotrufzentrale der Johanniter zu erreichen. Mitarbeiter nehmen rund um die Uhr den Notruf entgegen und veranlassen die notwendige Hilfe. Auf Wunsch werden automatisch die Angehörigen informiert. Der Hausnotruf wird von den Pflegekassen als Hilfsmittel anerkannt. Wenn ein Pflegegrad vorhanden ist, übernimmt die Pflegekasse die monatlichen Kosten. Auch können die Ausgaben für den Hausnotruf von der Steuer abgesetzt werden, denn er gilt als haushaltsnahe Dienstleistung.

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