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Photovoltaik auf jedem 10. Dach

Viel Sonne scheint in Lügde noch ungenutzt

LÜGDE. Klar, der Strom kommt aus der Steckdose. Und davor? Zur Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie sind auf Dächern in Lügde und seinen zehn Ortsteilen inzwischen fast 300 Photovoltaikanlagen installiert. Aber es könnten mehr sein, finden die Energiefachleute im lippischen kreishaus.

veröffentlicht am 24.10.2017 um 22:14 Uhr

In Lippes Solardachkataster im Internet kann sich jeder ansehen, wie gut sein Dach sich für eine Photovoltaikanlage eignet. Rot markierte Dächer signalisieren eine sehr gute Eignung und Gelb ist noch gut. Bei Blau sollte fachkundiger Rat bei den Expe
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Für Mitte 2016 wies das Solardachkataster des Kreises Lippe 294 Anlagen auf dem Gemeindegebiet der Osterräderstadt aus. Ein paar dürften seitdem noch dazugekommen sein. Die vorhandenen PV-Anlagen sind zwar nur 10 Prozent der Anlagen, die zumindest theoretisch noch auf Lügdes Dächern installierbar wären – abgesehen von dem in der Altstadt hinderlichen Denkmalschutz und möglichen Problemen mit der Statik, die das Aufsatteln ebenfalls verhindern können.

Die bereits installierten 10 Prozent bedeuten im Umkehrschluss allerdings: Da geht noch was: 90 Prozent. Damit steht Lügde im Vergleich zu anderen Kommunen aber gar nicht mal schlecht da – auch, wenn die 18-reihige private Riesenanlage auf dem Feld hinterm Elbrinxer Postweg dazu beiträgt. Geplante städtische Anlagen auf den Grundschul-Dächern in Lügde und Rischenau aus Kostengründen bisher zurückgestellt.

Gemessen an den verfügbaren Potenzialen wird im Kreis Lippe nur in Dörentrup mehr Sonnenenergie erzeugt: nämlich 11 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit lag der Solarstrom-Anteil am Nettostromverbrauch vor zwei Jahren bei etwa 7,5 Prozent.

Weil der Kreis seit August 2016 zu den bundesweit 22 Modellkommunen des „Masterplans 100 Prozent Klimaschutz“ gehört, soll er Chancen ausloten und nutzen, um den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent zu reduzieren.

Die Stromerzeugung ist ein Arbeitfeld. Und die Privathaushalte sind eine Baustelle. Denn, klar: Je mehr Menschen ihren Strombedarf zu Hause per Photovoltaik selber decken, desto weniger „schmutzige“ Braunkohle braucht es zur Verstromung.

Weil Hauseigentümer, die sich heute eine Anlage aufs Dach setzen, für den damit erzeugten Strom aber nur noch einen Bruchteil der früheren Erlöse aus Einspeisevergütungen erzielen, ist die Photovoltaik kein Geschäftsmodell mehr. Der Zubau schwächelt.

Weil der Strompreis den Experten zufolge aber weiter steigen wird, lohnt sich inzwischen der Eigenverbrauch. Wer dann noch einen Speicher dazuinstalliert, kann seinen Strom auch dann nutzen, wenn die Sonne nicht mehr scheint. In die Anlagen integrierte Wetterprognose-Tools kennen schon vorher den idealen Zeitraum zum Aufladen.

Um den Hauseigentümern das Thema „Solarstrom und Batteriespeicher“ schmackhaft zu machen, geht der Kreis Lippe jetzt auf Werbetour. Die begann nun in Lügde. Der Infoabend lockte zwar nur rund ein Dutzend Neugierige sowie einen Teil der Rathaus-Crew in die Mensa der Johannes-Gigas-Schule. Aber die Inhalte waren spannend. Das lag vor allem an Matthias Ansbach. Denn der Energieberater der Verbraucherzentrale machte seinen Vortrag nicht zur Dauerwerbesendung, sondern gab den Interessierten Tipps zum Gelingen ihrer privaten PV-Projekte. Er warnte aber auch vor möglichen Fallstricken und Fehlern bei der Anschaffung.

So müssen Anlagen zum Eigenverbrauch nicht so groß ausgelegt sein wie die früher allen zum Geldverdienen installierten Platten. Und beim Speicher kommt des allein auf die Nettokapazität an. Blei-Batterien kosten zwar weniger als Lithium-Ionen-Batterien, sind allerdings auch schneller hin. Beim Kauf der teureren Version sollten Hauseigentümer darauf achten, dass sie den „Sicherheitsleitfaden Li-Ionen- Hausspeicher“ erfüllen. Er ist die bisher einzig verlässliche Qualitätsnorm.

Allerdings kosten solche Speicher derzeit noch immer zwischen 6000 und etwa 15 000 Euro. Laut Matthias Ansbach rechnen Experten hier für die nächsten Jahre mit einem Preisverfall um etwa 60 Prozent. Parallel dazu sinkt der Zuschuss, den Hauseigentümer (im Vorfeld ihres Projekts!) bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen können. Bis Jahresende beträgt er noch 16 Prozent, danach bis Ende 2018 nur noch 10 Prozent. In jedem Fall empfiehlt der Energieberater der Verbraucherzentrale, vor dem Kauf drei unabhängige Angebote zum Vergleich, einzuholen, keine zu große Batterie zu kaufen und auf eine lange Garantiezeit für den gesamten Speicher zu achten.

Die finanzielle Komponente beleuchtete anschließend Christopher Kohsiek von der Sparkasse Paderborn-Detmold.

Wer Fragen an Mathias Ansbach hat: Telefon 05231 / 7015905, E-Mail: detmold.energie@verbraucherzentrale. nrw.

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