weather-image
21°
Stromausfall legt Produktion lahm

Saft weg, Licht aus, Maschinen heiß: Feuerwehr-Großeinsatz

LÜGDE. Ein Stromausfall hat am Dienstag um 7.17 Uhr die Produktion bei Schwering & Hasse lahmgelegt. Da half auch kein Notstromaggregat: Das Licht ging aus, alle Maschinen stoppten und diverse Alarmmelder piepten los.
Mit gravierenden Folgen für die energieintensive Kupferlackdraht-Produktion:

veröffentlicht am 11.04.2017 um 20:52 Uhr

Noch am Mittag war die Feuerwehr auf dem Betriebsgelände des Lügder Kupferlackdrahtherstellers Schwering & Hasse im Einsatz. Foto: jl
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zwei der 57 SH-Anlagen drohten nach Auskunft der Unternehmensleitung zu überhitzen. „Deshalb haben wir sofort die Feuerwehr alarmiert“, sagte SH-Geschäftsführer Constantin Hasse. Noch am Morgen informierte er auch Lügdes Bürgermeister. Heinz Reker fuhr daraufhin gleich zum Betrieb und informierte sich mittags erneut vor Ort. „Da hatte die Feuerwehr alles im Griff“, schildert er seinen Eindruck.

Dem Einsatzbericht der Wehr zufolge stellte sich bei der Erkundung der Fabrik heraus, dass durch den Stromausfall mehrere Maschinen überhitzt waren. Übrigens: Die normale Betriebstemperatur liegt laut Constantin Hasse bei 500 bis 600 Grad Celsius.

Hatte die Leitstelle zunächst nur eine Rauchentwicklung an die Wehr gemeldet, so hieß das Einsatzstichwort später „Maschinen überhitzt“. Zusätzlich riskant: Unweit des Produktionsturms steht das Lacklager des Unternehmens.

Über die Drehleiter steuern die Feuerwehrleute die verschiedenen Stockwerke des überhitzten Produktionsturms an. Alle Türen sind geöffnet. Aber es ist mehr Kühlung nötig. Foto: jl
  • Über die Drehleiter steuern die Feuerwehrleute die verschiedenen Stockwerke des überhitzten Produktionsturms an. Alle Türen sind geöffnet. Aber es ist mehr Kühlung nötig. Foto: jl

Die Freiwilligen waren stundenlang im Einsatz. Sie mussten die in einem Produktionsturm untergebrachten Maschinen mit dem Inhalt diverser tragbarer Kohlenstoffdioxid-Feuerlöscher kühlen. Dabei kamen 40 Atemschutzgeräteträger aus der ganzen Großgemeinde zum Einsatz. Über die Drehleiter kühlten sie den Turm-Inhalt auf gleich mehreren Etagen. Der kreiseigene Atemschutz-Container stand ebenfalls auf dem Gelände.

Zudem rückten am Morgen mehrere Rettungswagen in Lügde an. Aber sie konnten unverrichteter Dinge wieder fahren. „Es gab keinen Personenschaden“, sagte Hasse. Zum Zeitpunkt des Stromausfalls hätten rund zwei Dutzend Menschen auf dem Gelände gearbeitet. Nachdem – bis auf die Stromzufuhr – alle Vorbereitungen zum Wiederanfahren der Produktion getroffen waren, durften jene das Werksgelände verlassen, die nicht mehr gebraucht wurden.

Noch am Vormittag fahndeten Techniker des Versorgers Westfalen-Weser-Netz nach der Ursache des Stromausfalls. Sie dürfte in einem Fehler der unternehmenseigenen Mittelspannungsleitung zu suchen sein. Die hatte SH vor Jahren vom Umspannwerk Harzberg verlegen lassen, um die Folgen möglicher Stromausfälle für die Produktion in Grenzen zu halten. „Kleinere Schwankungen“ kämen schonmal vor, sagte Hasse. „Aber so etwas wie heute ist ein anderes Kaliber.“

Bei der Lackdraht-Herstellung ist absolute Präzision gefragt. Fahren die High-Tech-Maschinen plötzlich herunter, dann ist alles aktuell Produzierte von diesem Moment an Ausschuss. Teile der hochempfindlichen Apparaturen können ebenfalls Schaden nehmen. Eine Prognose zum Ausmaß der Folgen wagte der SH-Chef am Dienstag nicht. Er nannte sie einfach nur „ärgerlich“. Auch wegen des enormen Aufwands zum Wiederanfahren der Produktion. Das geschah dem Stromversorger zufolge am Nachmittag.

Die exakte Dauer des Feuerwehreinsatzes wurde nicht bekannt. Im Bericht der Wehr steht: „Nachdem die Maschinen auf ,Normaltemperatur’ heruntergekühlt wurden, konnte die Einsatzstelle an den Betreiber übergeben werden.“ Die Wehr war am Dienstag nicht mehr zu erreichen.

Zum Schritt an die Öffentlichkeit hatte sich Constantin Hasse übrigens entschieden, nachdem in einer Lügder Facebook-Gruppe schnell wilde Gerüchte über ein Großfeuer im Unternehmen aufflackerten. „Dort war von giftigem Qualm die Rede“, so Hasse, der von einem Mitarbeiter darüber informiert wurde. Die Diskussion war allerdings schon am Mittag aus dem Netz gelöscht.

Glimpflicher als Schwering & Hasse kamen die Stromkunden in den Lügder Ortsteilen Falkenhagen, Hummersen und Köterberg davon. Denn bei ihnen fiel der Strom zeitgleich aus, konnte aber schnell auf eine andere Leitung verlegt werden. „Nach 50 Minuten waren sie wieder versorgt“, so WWN-Sprecher Edgar Schroeren auf Anfrage.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare