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Lügdes Baupolitiker in Rischenau

Ortstermin bei den Rebellen aus dem Teichweg

LÜGDE / RISCHENAU. Am Teichweg in Rischenau passiert, was landauf, landab immer häufiger vorkommt: Die betroffenen Bürger rebellieren gegen den Straßenausbau. Sie sehen nicht ein, dass sie einen Großteil der auf etwa 160 000 Euro veranschlagten Kosten für den Ausbau ihrer Straße bezahlen sollen, den keiner will.

veröffentlicht am 06.10.2017 um 22:37 Uhr

In der letzten Bauausschusssitzung konnten Friedrich Brand (81, li.) und die anderen Teichweg-Anlieger ihre Sicht nicht so schildern wie erhofft. Hinterher konnte Brand seinen Brief dem WG-Vorsitzenden Klaus Meier übergeben. Am Montag werden die Bau-
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Dabei hätte es in Rischenau hätte es so laufen können wie anderswo: Die Stadt plant den Straßenausbau, informiert die zahlungspflichtigen Anwohner, holt sich das Okay der Politiker, lässt bauen, rechnet ab, kassiert die Anliegerbeiträge (hier 90 Prozent der Kosten) – und fertig. Aber am Teichweg sind die meisten der etwa zehn Betroffenen Rentner. Der aus dem Straßenausbau resultierende höhere Nutzwert der Straße sowie der steigende Wiederverkaufswert ihrer Immobilien sind ihnen egal. Sie wollen in ihnen noch wohnen, so lange es geht. Jetzt einen Kredit zu hohen Rentner-Zinsen aufnehmen für eine Leistung, um die sie nicht gebeten haben – so hatten sie sich ihre alten Tage nicht vorgestellt.

Sicher, angeben können die Anlieger mit der Optik der Fahrbahn nicht unbedingt. Aber die Flickstellen im Asphalt kümmern sie wenig. Sie befahren die Straße ein-, zweimal am Tag und wollen weder einen Bürgersteig noch neue Laternen. Ihre Straße ist für sie das, was im Stadtplaner-Sprech „Shared Space“ heißt. Ein Raum, den sich Fußgänger. Radfahrer und Fußgänger teilen. Den Regenwasserkanal haben die Anlieger vor Jahrzehnten im Boden vor ihren Grundstücken verlegt.

Im Rathaus hingegen steht der Teichweg seit Jahren für den Endausbau auf dem Plan. Doch nicht zuletzt der fehlende Leidensdruck hat das Projekt schon mehrfach verzögert. Andere Straßen schienen dringender. Bis vor gut vier Wochen. Da sollten Lügdes Bau-Politiker das Rischenauer Bauprojekt eigentlich beschließen (wir berichteten). Der Unmut der Betroffenen nach einem Ortstermin mit der Stadtverwaltung hatte jedoch zumindest vorläufig aufschiebende Wirkung: Am Montag um 18 Uhr werden die Entscheider ihre nächste öffentliche Sitzung mit einer Ortsbesichtigung in Rischenau beginnen.

Dabei werden sicherlich auch die teils hochbetagten Anwohner versuchen, ihre Sicht auf das Thema zu schildern. Denn Anfang September im Ratssaal war dazu kaum Gelegenheit. Denn Bürgerbeteiligung hat ihre Grenzen: In öffentlichen Sitzungen dürfen sich zwar auch Bürger zu Wort melden. Erlaubt sind laut Ratsordnung aber nur eine Frage und maximal zwei Zusatzfragen. Und: Länger als drei Minuten reden dürfen die Besucher auch nicht. Außerdem legt das Regelwerk fest: „Eine Aussprache findet nicht statt.“ Überdies sollen sich die Fragen im Regelfall nicht auf Tagesordnungspunkte der betreffenden Sitzung beziehen.

Man darf also gespannt sein, wie die Stadtverwaltung und die Politiker mit den rebellischen Rentnern vom Rischenauer Teichweg umgehen.

Das Recht hat die Stadt in der Sache offenbar auf ihrer Seite. Doch die wenigen Anlieger haben die Hoffnung auf ein Einlenken noch nicht aufgegeben. „Wir können nur an die Vernunft appellieren“, sagt Willi Eggert, der mit seinen 69 Jahren zu den jüngsten Rentnern in der Straße gehört. „Die fürs Alter angesparte Reserve ist für andere Sachen gedacht: Brille, Hörgerät, Beerdigungskosten“, zählt er auf. „Aber nicht für Erschließungskosten im fünfstelligen Bereich.“ Der Anlieger findet: Wer Betroffene nur vor vollendete Tatsachen stelle, dürfe sich über Politikverdrossenheit nicht wundern.

Der 81 Jahre alte Friedrich Brand, der ebenfalls ein Haus am Teichweg besitzt, das er nach eigener Auskunft nach einem nicht selbstverschuldeten Wasserschaden nicht vermieten kann, wird deutlicher: In Briefen an den Bürgermeister, den Bauamtsleiter und den Ausschussvorsitzenden warnt er vor „katastrophalen Folgen“, falls die Stadt die Straße ausbauen lässt und die Rentner zur Kasse bittet. Für diesen Fall schlägt er galgenhumorig die Umbenennung des Teichwegs in „Rentner-Altersarmuts-Weg“ vor.

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