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Deutlich weniger Äpfel als 2016 wurden diesmal im Mostmobil in Falkenhagen entsaftet

Lippische Aktion: Saft als Trost für schlechtes Obstjahr

LÜGDE. 2017 fällt die Ernte aller Obstarten, wie Kirsche, Pflaume, Mirabelle, Reneklode, Birne, Apfel und Walnuss schlecht bis sehr schlecht, in manchen Regionen der Republik sogar total aus. Nur ein Viertel der Menge von 2016 wurde diesmal zur Entsaftung beim Mostmobil im lippischen Falkenhagen angemeldet.

veröffentlicht am 18.10.2017 um 17:18 Uhr

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Achim Krause Reporter
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„Die besonders frühe Blüte und die bereits früh angesetzten Früchte wurden durch Fröste vernichtet. Die danach lang anhaltende Trockenheit in vielen Gegenden führte dann auch noch zu starkem Fruchtfall“, kennt Wolfgang Diekmann, der in diesen Wochen mit seiner mobilen Mosterei von Ort zu Ort in Lippe zieht, die Gründe. In Falkenhagen aber wurde die geforderte Mindestmenge von 500 Kilogramm für das Mosterei-Gastspiel übertroffen, wenn auch mit knapp 800 Kilogramm das Vorjahresergebnis von drei Tonen nicht annähernd erreicht wurde.

2017 fällt die Ernte aller Obstarten, wie Kirsche, Pflaume mit Mirabelle und Reneklode, Birne, Apfel und Walnuss schlecht bis sehr schlecht, in manchen Regionen der Republik sogar total aus. Das bekommen nicht nur die privaten und professionellen Obstbauern, sondern in der Folge unter anderem auch die Mostereien zu spüren. „In diesem Jahr wurden deshalb viele Termine wegen geringer Mengen abgesagt“, erzählt Diekmann achselzuckend. In Falkenhagen hatte der Heimat- und Verkehrsverein Falkenhagen frühzeitig die Einladung zum Pressen ausgesprochen und erhielt aus der Bevölkerung genügend Rückmeldungen.

Die Organisation vor Ort nahm der Vorstand in die Hand und stellte einen Stundenplan auf, um Kunden längere Wartezeiten zu ersparen. Dabei geht dann am Mostmobil alles sehr schnell, denn die Anlage kann stündlich 750 Kilo Steinobst verarbeiten, die etwa 550 Liter Saft ergeben. Schüttet der Kunde seine Äpfel in die Schüttvorrichtung dauert es gerade 15 Minuten, in denen die Früchte mehrfach gereinigt, zerkleinert und mit 4 bar Druck ausgepresst werden. Dann kann der Kunde bereits den Saft, vakuumverpackt in einem PE-Beutel mit Zapfhahn, entgegennehmen. „Da keine Luft eintreten kann, ist ein Schlechtwerden des Saftes durch Nachvergärung oder Schimmelbildung ausgeschlossen“, verspricht Diekmann. Bis zu 18 Monate hält er sich und lässt sich in den umweltfreundlichen Pappboxen leicht, platzsparend und gut stapelbar lagern.

Die nicht zu versaftenden Bestandteile, der so genannte Trester, wird in Falkenhagen Jägern zur Wildfütterung zur Verfügung gestellt. Aber auch die 45 Jungen und Mädchen der Kita Falkenhagen probierten davon und natürlich auch vom frischen Saft. „Lecker“, freute sich Frederik und leckte sich die letzten Reste mit der Zunge von der Lippe. „Das schmeckt wie Zuckerwatte.“ Mitgebracht hatte die Kita auch drei Körbe voll mit gesammelten Äpfeln. Die Kinder verfolgten aufmerksam, wie daraus der schmackhafte Natursaft wurde.

Der traditionelle Streuobstanbau, die Baum- und Streuobstwiesenpflege sowie die Verwertung des Obstes in der Erntezeit ist die Grundlage für das Mosten in unserer Region. Dieser Einsatz mit einer mobilen Anlage hat vor allem einen ökologischen Aspekt, wie Diekmann erläutert: „Ohne attraktive und wirtschaftliche Verwertungsmöglichkeiten für die anfallenden Früchte werden wertvolle, alte Streuobstbestände nicht mehr gepflegt und Neuanlagen können nicht mehr entstehen. Deshalb bieten wir den Bürgern, Vereinen, Verbänden, Kirchengemeinden, Schulen, Kindergärten und Obsthöfen der Region an, zu ihnen zu kommen und individuell auch vor Ort zu pressen. Jeder, der seine Früchte bringt, darf sicher sein und kann das auch an der Anlage nachvollziehen, dass er am Ende auch den Saft ausschließlich von seinen Früchten erhält.“

Auch wenn die Menge in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurückblieb, soll das Mostmobil auch 2018 wieder nach Falkenhagen rollen, haben Vorsitzender Jörg Schrader und Wolfgang Diekmann schon jetzt verabredet, denn sie sind sicher: Im nächsten Jahr wird wieder deutlich mehr Obst in den heimischen Gärten wachsen.

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