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Sie geben ihre Smartphones ab

Fünftklässler trauen sich was: Handy-Fasten

LÜGDE. Die Fastenzeit ist längst vorbei. Und dennoch ist der Verzicht auf einen schon für Kinder ganz existenziellen Luxus gerade ein großes Thema auf dem Lügder Ramberg – zumindest für eine 5. Klasse: Die knappe Hälfte der 26 Mädchen und Jungen hat sich zu einem mutigen Projekt durchgerungen: „Handy-Fasten“.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 22:54 Uhr

Abschied vom Smartphone: Schnell nochmal rausholen und wieder reinlegen. Die Kiste wird bis nächste Woche sicher weggeschlossen. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Mit Zustimmung ihrer Eltern haben sich die coolen Kids entschlossen, ihre Smartphones für eine Woche abzugeben. Die Idee dazu hatte Klassenlehrer Thomas Discher. Und er ist mit gutem Beispiel vorangegangen: Nachdem er sein Mobiltelefon in einen Pappkarton gelegt hatte, taten die Kinder es ihm nach – obwohl das der einen oder dem anderen nicht leichtviel. Denn schon vorher hatten die Kinder im Unterricht über ihre Erwartungen an die Chancen und Risiken des Schritts nachgedacht. Auf großen gelben Zetteln notierten sie die möglichen Folgen. So etwa, dass „die Handysucht weggeht“. Oder, dass sie bleibt. Andere sahen Traurigkeit auf sich zukommen. Aber auch „Stolz auf die Handy-Verzichtung“.

Diejenigen, die ihre Handys behielten, machten sich ihre eigenen Gedanken über die anderen: „Die lernen dann mehr, passen im Unterricht besser auf, hocken in der Pause nicht nur in der Ecke, haben mehr Freizeit und können sich öfter mit ihren Freunden treffen.“

Was nach starken Gründen für den Verzicht klingt, überzeugte dennoch nicht alle. „Ich hätte auch mitgemacht“, sagt ein Junge. „Aber meine Eltern wollen das nicht.“ Sie möchten immer wissen, was ihr Nachwuchs gerade so treibt. Derweil sehen die berufstätigen Eltern eines Mädchens das Handy als einzige Möglichkeit zum Austausch während ihrer Arbeitszeit. Und, wer weiß: Vielleicht sind manche Eltern selbst schon so abhängig von ihrem Mobiltelefon, dass sie sich einen Verzicht für ihr Kind nicht vorstellen können. Oder sie fürchten, dass der Nachwuchs nervt, wenn das digitale Spielzeug ihn nicht ruhigstellt.

Thomas Discher und die knappe Hältfe seiner Fünftklässler haben sich zum Handy-Fasten durchgerungen. Foto: jl
  • Thomas Discher und die knappe Hältfe seiner Fünftklässler haben sich zum Handy-Fasten durchgerungen. Foto: jl
Ihre Abhängigkeit vom Handy leugnen schon manche Fünftklässler nicht.
  • Ihre Abhängigkeit vom Handy leugnen schon manche Fünftklässler nicht.

Die Zeit, die Thomas Dischers Fünftklässler am Handy verbringen, variiert: „Ich darf einmal am Tag den Akku verbrauchen“, erzählt ein Mädchen. Nach zwei Stunden sei dann Schluss. Einer anderen reichen 20 Minuten am Tag, um ihre Nachrichten zu checken. Ein Extremnutzer kommt indes auf bis zu sieben Stunden pro Tag. „Aber er fährt auch manchmal Fahrrad“, sagt eine Mitschülerin, um das Bild geradezurücken. Der Fünftklässler selbst käme aber wohl nicht aufs Abgeben. „Ich würde das nicht schaffen“, ist er sicher.

Ein anderer gibt mit Blick auf die mit Kurznachrichten regelrecht vollgespamte Whatsapp-Gruppe der Klasse zu: „Manchmal schreiben wir da echt nur Quatsch.“ Ein Teil der Kinder hat die Gruppe deshalb verlassen. „Es nervt, wenn ständig das Handy klingelt“, sagt einer. Aber draufgucken tut er dann doch. Könnte ja was Wichtiges sein. Ist es aber so gut wie nie. „Wen interessiert es denn, wenn einer postet, was er gerade isst?“, fragt einer. „Mich jedenfalls nicht.“

Klassenlehrer Discher ist schon jetzt äußerst gespannt auf die Erfahrungen der Kinder (und natürlich auch seine eigenen) nach der Handy-losen Woche. Ältere Schüler hat er übrigens auch gefragt, ob sie nicht Lust zur Teilnahme an dem Projekt hätten. „Aber schon von Sechstklässlern wird man da fast ausgelacht“, sagt er. „Mit den Jüngsten geht es gerade soeben nochmal.“

Die Idee zur der Aktion kam Thomas Discher übrigens, als er erfuhr, wieviele Kurznachrichten an starken Tagen innerhalb der Klassen-Gruppe die Runde machen: bis zu 2500, von morgens um 5 bis in den späten Abend hinein. „Das hat mich nachdenklich gemacht.“ Seine Beobachtung: Kinder, die ihre Freizeit fast nur am Handy verbringen, seien nicht mehr auf das Wesentliche fokussiert. „Lernpsychologisch ist da nicht mehr viel los. Deshalb habe ich das Fastenprojekt vorgeschlagen.“

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