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Digitale Lösung für Probleme?

Elbrinxen als „Smart Country Side“

ELBRINXEN. Das Golddorf gilt im Allgemeinen als ein ziemlich ausgeschlafener Lügder Ortsteil. Und doch scheint es manchem an Austausch zu fehlen. Diesen Eindruck erwecken jedenfalls die Stichworte auf den bunten Zetteln, die bei einer vom Kreis Lippe organisierten „Dorfkonferenz“,auf der Pinnwand landen.

veröffentlicht am 19.10.2017 um 18:56 Uhr

Boris Ortmeier und Sandra Wilms vom Projektteam der Kreisverwaltung versuchen herauszufinden, wo die Elbrinxer der Schuh drückt – um die Probleme mit digitalen Lösungen anzugehen. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Hier leben Menschen, die eine ganze Menge auf die Beine stellen – und zwar ehrenamtlich. Einige betreuen die überregional beliebte Storchenstation, andere sind als Freibad-Förderer aktiv, im Theaterensemble der Dorfbühne in der Marktscheune, beim Martinimarkt, im Sportverein oder in mehr als einem halben Dutzend anderer Vereine.

Und doch scheint es manchem an dorfinternem Austausch zu fehlen. Diesen Eindruck erwecken jedenfalls die Stichworte auf den diversen bunten Zetteln, die am Mittwochabend, im Laufe einer vom Kreis Lippe organisierten „Dorfkonferenz“, in der Marktscheune an zwei Stellwände gepinnt werden.

Den Anlass bietet die Wahl Elbrinxens zu einem von 16 Modellorten in Lippe und Höxter für das kreisübergreifende Projekt „Smart Country Side“. Es soll Maßstäbe setzen im Vorantreiben und der Umsetzung der digitalen Transformation in OWL – und letztlich die Zukunftsfähigkeit der Region sichern.

Die Besucher bekommen kleine gelbe Klebepunkte. Mit denen können sie ihre persönlichen Prioritäten markieren. Foto: jl
  • Die Besucher bekommen kleine gelbe Klebepunkte. Mit denen können sie ihre persönlichen Prioritäten markieren. Foto: jl

„Ob das alles zum Segen der Menschheit ist, sei dahingestellt“, merkt Lügdes Bürgermeister Heinz Reker (parteilos) mit Blick auf die Digitalisierung zur Begrüßung an. Und doch sei er überzeugt, dass die neuen technischen Möglichkeiten die Lebensqualität insbesondere im ländlichen Bereich steigern und seine Zukunft sichern könnten.

Die Konferenz ist öffentlich; es gibt sogar frisches Laugengebäck, Wurst- und Käsewürfel. Doch die Resonanz bleibt überschaubar. Ein gutes Dutzend Menschen – fast ausnahmslos Männer und die Mehrzahl von ihnen nicht mehr ganz jung – sitzen im Saal, als zum Aufwärmen ein plakatives Zeichentrickfilmchen abgespielt wird. Das erzählt schlagwortartig von den immensen Chancen der Digitalisierung, die das Leben auf allen Ebenen prägt und erleichtert. Die technischen Voraussetzungen dafür oder ganz reale Datenschutzprobleme kommen darin nicht vor.

Im Gespräch mit dem Moderatorenteam aus der Kreisverwaltung kristallisieren sich dann vor allem Defizite in der dorfinternen Informationsübermittlung heraus. Nach und nach werden die Stellwände mit Zetteln gefüllt. Darauf stehen Worte wie „Digitaler Aushangkasten“, „Terminkalender“ und „Informationsbündel für das Dorf“. Aber auch Fragen: „Wie bekommt man die Leute wieder zum Mitmachen?“, ist eine davon.

In der Spalte mit den Problemen, die hier „Herausforderungen“ heißen, steht außerdem: „Kommunikation wird weniger“, „Gemeinschaft bleibt auf der Strecke (die Alten)“, „Neuzugänge wissen nicht, was im Dorf los ist“, „Kinderbetreuung außerhalb der Öffnungszeiten“, „Medizinische Versorgung“ sowie „Schlechtes Internet“ und die Forderung nach „Breitband!“.

Dass im Modelldorf Elbrinxen schon im kommenden Jahr ein ganz praktisches Digital-Projekt zum Nutzen der Bürger angeschoben werden soll, haben die „Smart Country Side“-Macher ganz fest vor. Einen Zahn muss Boris Ortmeier vom „Living Lab“ der LAG Nordlippe e.V. den Zuhörern allerdings gleich ziehen: „Die Illusion, dass wir die Internetversorgung in Elbrinxen verbessern, werden wir nicht vermitteln.“

Für die Menschen heißt das ganz praktisch: Ihr Dorf muss auch ohne Glasfaserkabel „smart“ werden. Denn zumindest ein Teil von Elbrinxen gilt offiziell nicht mehr als „weißer Fleck“ auf der Landkarte, seit ein Provider Internet via Richtfunk anbietet.

Damit die Digital-Projektierer im Kreishaus wissen, welche Stichworte und Ideen den anwesenden Besuchern am wichtigsten scheinen, bekommen die zum Schluss der Runde gelbe Klebepunkte in die Hand gedrückt. Mit denen können sie ihre Favoriten an der Stellwand markieren. Die meisten Punkte sammelt nach zwei Stunden das Kärtchen mit der Aufschrift „Informationen vom Ort sollten automatisch geliefert werden – Push-Dienst“. Aber auch ein Web-basiertes „Dorfforum“ und ein „Digitaler Aushangkasten“ sammeln Punkte.

Welche Konsequenzen die Projektierer aus der Elbrinxer Dorfkonferenz ziehen, soll sich im Frühjahr 2018 zeigen. Wer weiß, vielleicht kommt sogar eine Dorf-App hintenraus.

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