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Photovoltaik-Module gestohlen / Versicherung will Familie Fröhlingsdorf den Schaden nicht zahlen

„Eine Scheune ist kein Hochsicherheitstrakt“

Elbrinxen (jhe). Eigentlich wollten Sandra und Holger Fröhlingsdorf „einen Beitrag für die Umwelt leisten“ und auf den Dächern ihres kleinen Hofes eine Photovoltaikanlage anbringen. Doch nun haben sie einen Schaden von 9475 Euro und „fühlen sich verraten und verkauft“.

veröffentlicht am 09.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:41 Uhr

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Insgesamt 750 Hochleistungs-Photovoltaik-Module hatte die Familie bestellt. Auf 15 Paletten gestapelt, wurden die Elemente Anfang September auf dem kleinen Gehöft, das die Fröhlingsdorfs hobbymäßig betreiben, abgeliefert und in einer Scheune untergestellt. Schon etliche Module waren Ende September auf dem Dach befestigt, als die Monteure feststellten, dass eine Palette mit insgesamt 50 Hochleistungsmodulen fehlt. Die Fröhlingsdorfs „fielen aus allen Wolken. Wir dachten, das sei ein schlechter Scherz“, sagt Sandra Fröhlingsdorf, denn „eine Palette wiegt 800 Kilogramm, die packt man sich nicht einfach mal ins Auto“.

Doch vorsorglich hatte die Familie bei ihrer seit Jahrzehnten vertrauten Lippischen Landesbrandversicherung eine Photovoltaik-Versicherung abgeschlossen. Denn bevor die besonders leistungsfähigen Module geliefert wurden, hatten sich die Ehepartner im Internet schlaugemacht und dort erfahren, dass manchmal Module vom Dach geklaut werden. Ihr Versicherungsvertreter war auf den Hof der Familie gekommen, um den Vertrag abzuschließen, der eine Woche vor Lieferung der Module begann.

„Als wir am 29. September erfuhren, dass eine Palette fehlt, haben wir sofort die Polizei und unseren Versicherungsvertreter informiert“, sagt Sandra Fröhlingsdorf. Doch eine Schadensregulierung gab es nicht. Stattdessen seien sie von ihrer Versicherung zunächst einmal hingehalten worden. „Denen fiel immer wieder etwas anderes ein“, so Fröhlingsdorf. Erst verwies die Versicherung darauf, dass nicht klar sei, ob die fehlenden Module den Fröhlingsdorfs oder Sandra Fröhlingsdorfs Mutter Helma Bolte gehöre. „Das lief aber alles über die Rechnung meines Mannes“, sagt Sandra Fröhlingsdorf, weshalb dieses Thema schnell vom Tisch gewesen sei. „Dann meinten sie, es sei nicht klar, ob überhaupt alle Paletten da waren.“ Doch auch diese Zweifel konnte Sandra Fröhlingsdorf anhand von Fotos aus dem Weg räumen: „Zufällig hat der 40-Tonner, der uns die Module lieferte, die Mauer unserer Nachbarn kaputtgefahren. Das habe ich fotografiert und auf den Bildern sind alle 15 Paletten zu sehen.“ Sandra Fröhlingsdorf meint: „Die Versicherung suchte förmlich nach Dingen, die nicht passten.“ Zum Schluss fehlten der Lippischen Landesbrandversicherung eindeutige Einbruchs-Spuren, die die Polizei nicht entdecken konnte. „Die Polizei hat uns gesagt, dass die Täter heute viel raffinierter vergehen und dass es kaum noch eingeschlagene Scheiben gibt“, sagt Sandra Fröhlingsdorf. Aufgrund von fehlenden Ansatzpunkten für einen möglichen Dieb oder Einbrecher stellte die Staatsanwaltschaft dann die Ermittlungen ein.

Dazu sagt Bernd Putens, der Bereichsleiter für Schaden der Lippischen Landesbrandversicherung: „Wir sind der Auffassung, dass es sich um einen einfachen Diebstahl handelt, der nicht versichert ist.“ Nur ein Einbruch sei die Voraussetzung dafür, dass die Versicherung für den Schaden aufkomme. Auf die Frage, ob der Versicherungsmakler die Familie nicht darauf hätte hinweisen müssen, dass die Scheune keinen ausreichenden Schutz im Versicherungsfall darstelle, meint er: „Es ist sehr hypothetisch, auf solch eine Frage einzugehen – ich bin bei dem Gespräch nicht dabei gewesen.“ Außerdem könne kein Vertreter bei Vertragsabschluss an alle Schadensfälle denken. Denn schließlich sei Einbruch-Diebstahl nur einer von verschiedenen Schäden, der durch die Versicherung gedeckt werde. Die Fröhlingsdorfs werden inzwischen von einem Rechtsanwalt vertreten. Dr. Christian Hagemann ist zuversichtlich: „Die Familie hat ihre Sorgfaltspflicht eingehalten. Ich gehe fest davon aus, dass es zu einer Schadenersatzleistung kommt.“ Außerdem könne die Versicherung von einer Scheune „keinen Hochsicherheitstrakt erwarten“ – vor allem nicht, da der Makler vorher alles angeschaut habe.

Mit einem Haken war das Scheunentor von innen verriegelt, als die Photovoltaik-Module gestohlen wurden. Sandra Fröhlingsdorf „fiel aus allen Wolken“, als sie von dem Diebstahl erfuhr.

Foto: jhe

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