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Von Sternenkindern und Frühchen

Ein fröhliches Fest hilft ein Tabu zu brechen

LÜGDE. 67 Prozent aller Schwangerschaften enden tatsächlich mit der Geburt eines voll entwickelten Kindes. Rund 30 000 Kinder jährlich „ziehen zu den Sternen“, weil sie während der Schwangerschaft, der Geburt oder kurze Zeit später versterben. Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche mit einem Geburtsgewicht von 500 Gramm das Licht der Welt erblicken sind die so genannten „Frühchen“. „Das ist noch nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu-Thema, obwohl es gar nicht so selten auftritt.

veröffentlicht am 26.09.2017 um 15:05 Uhr

Alexander Hauge erläutert die Funktionsweise dieses lebensrettenden Brutschranks. Foto: afk

Autor:

Joachim Krause
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Aber für ist es eine Frage der Würde, und deshalb haben wir uns zur Aufgabe gemacht, jedem kleinen Menschen – und sei er noch so winzig – passende Kleidung kostenlos zur Verfügung zu stellen“, sagt Tatjana Jäger, Vorstandsmitglied im 1200 Mitglieder zählenden Verein „Sternenzauber und Frühchenwunder“, der seinen ersten „Tag der offenen Tür“ überhaupt als fröhliches Familienfest im Dorfgemeinschaftshaus Rischenau organisierte. Rund 400 Besucher kamen aus allen Teilen der Bundesrepublik zu diesem Familienfest.

Bisher kannten sich die Frauen und Männer nur über eine facebook-Gruppe. Was sie aber alle eint ist die Erfahrung mit Schicksalsschlägen im Zusammenhang mit Schwangerschaften und Geburten. „Einen Anlaufpunkt zu haben, zu wissen, dass man nicht allein mit dem Problem steht, ist für viele Mütter wichtig. Denn egal wie groß das Baby ist oder wie lange es ausgetragen wurde, es ist und bleibt ein Wunder, das zum Familienleben dazu gehört“, weiß Vorstandsmitglied Carola Gruber. „Wenn die Schwangerschaft nicht 40 Wochen dauert, sondern sich das kleine Wunder zu früh auf die Reise ins Leben begibt, beginnt unsere ehrenamtliche Arbeit.“

Innerhalb der Gruppe gebe es viele Sternenkinder- und Frühchenschicksale, die gemeinsam verarbeitet und betrauert werden. Gruber: „Sich nicht allein zu fühlen und zu wissen, dass es in diesem Moment jemanden gibt, der an einen denkt – auch dieses Gefühl soll unsere Initiative bewirken.“

Seit Mai 2013 gelten auch Kinder, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm geboren werden, als Menschen. Das bedeutet, dass auch diese Kinder beim Standesamt mit eine offiziellen Vornamen und einem Geburtstag erfasst werden können. So können Eltern „ihre Sterne“ dann auf Wunsch auch beerdigen. Sternenkinder werden häufig deutlich vor dem errechneten Termin geboren. In den Krankenhäusern fehlt es aber an Bekleidung für diese Winzlinge. „Sie haben aber einen würdevollen Empfang auf der Welt verdient“, sagt Jäger. „Dazu gehören für uns Einschlagecken, winzige Mützchen und Erinnerungsstücke. Eines wird dem Stern mit auf die Reise gegeben, das andere bleibt bei den Eltern als greifbare Erinnerung.“ In mehreren Workshops saßen die Frauen am letzten Samstagnachmittag im Rischenauer Dorfgemeinschaftshaus zusammen und nähten an Nähmaschinen oder per Hand mit Jersey-, Baumwoll- oder Sweatstoff Bodys, Pullover, Hosen, Mützen im Miniformat. Rund 300 Krankenhäuser, Hebammen und Bestatter in den vier Ländern werden mittlerweile von dieser Initiative beliefert

Der Medizingerätehersteller Draeger war mit einem Inkubator vertreten: Alexander Hauge führt ich immer wieder vor und erläutert die Funktionsweise dieses lebensrettenden Brutschranks.

Und während vor der Tür die Kinder fröhlich spielen nutzen die Frauen die Zeit, um sich untereinander näher kennenzulernen, denn sie alle sind noch nie zusammengetroffen. Rischenaus Dorfgemeinschaftshaus erlebt dank der hier lebenden Nadine Boger die Veranstaltungspremiere für diesen erst vor wenigen Monaten gegründeten Verein. „Wir verstehen uns blendend. Alles ist unkompliziert und jeder bringt sich mit seinen Mitteln ein“, freut sich die Vorsitzende Mandy Kremer auch über das Engagement zahlreicher überregionaler Sponsoren, die letztlich diese Veranstaltung finanzieren helfen.Jedermann kann „Sternenzauber & Frühchenwunder e.V.“ unterstützen, z.B. mit Stoffspenden, abgelegten Abend- oder Brautkleidern, Schnittmustern, Wolle, Bastelmaterial jeglicher Art oder aber auch durch organisatorische Hilfen oder Geldspenden.
Ansprechpartner für unsere Region ist Nadine Bogner, 05283/948084, email: .

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