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Timon Köbeles Freiwilliges Soziales Jahr in KwaZulu-Natal, eine Provinz, in der 40 Prozent der Menschen HIV haben

Zwölf Monate Afrika – Einsatz am anderen Ende der Welt

Hessisch Oldendorf/Em-pangeni. Nein, mit dem Airbus A 380, der die Nationalelf zur WM gebracht hat, ist er nicht geflogen. Obwohl Simon Köbele das gleiche Reiseziel hatte wie Jogis Jungs – Südafrika. Die DFB-Kicker haben bekanntlich mit der Halbfinalniederlage ihr Ziel verfehlt, der Hessisch Oldendorfer hat dagegen zwölf Monate Zeit, sein Vorhaben umsetzen. Er will helfen, Not und Elend in Afrika zu lindern, in einem „Freiwilligen Sozialen Jahr“ kurz FSJ.

veröffentlicht am 14.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:08 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Seit fast drei Wochen ist er nun knapp 10 000 Kilometer weit entfernt von Hessisch Oldendorf. Palmen vor dem einfachen Haus statt Obstbäume im elterlichen Garten, ockerfarbene Hügel statt des satten Grüns des Wesergebirges und vier schwarzafrikanische Kinder statt der eigenen Geschwister. Timon arbeitet im Waisenhaus „iKhaya LikaBaba“ (Haus des Vaters) in Empangeni. Die 30 000-Einwohner-Stadt nahe der Pazifikküste liegt 160 Kilometer nördlich von Durban. Auf den gelernten Industriekaufmann warten vor Ort Kinderpflege, Fahrdienste, Gartenarbeit oder Bautätigkeiten. Das Umfeld, in dem Simon sich bewegt, ist kein einfaches. 40 Prozent der Bevölkerung in der Provinz „KwaZulu-Natal“ sind HIV-infiziert. Grund genug für den Deutschen anzunehmen, dass im dortigen Heim viele Aids-Waisen wohnen. Doch vieles ist anders, als Timon es sich zu Hause vorgestellt hat. „Die vier momentan im Heim untergebrachten Kinder sind keine Waisen, ihre Eltern können sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern“, berichtet der 21-Jährige. Alles sei gut organisiert, sagt er, „und so unpünktlich, wie ich es mir zeitweise erhofft habe, ist leider auch keiner“.

Zusammen mit dem Hessisch Oldendorfer hat ein zweiter FSJ-ler seinen Dienst in Empangeni begonnen, und der heißt auch Timon. Die Kinder haben die Neulinge gleich ins Herz geschlossen. „Am ersten Tag haben wir mit ihnen gespielt, mit Bauklötzen gebaut und Bücher vorgelesen“, erzählt Köbele.

„Es liegt bei uns in der Familie, dass wir alle sozial engagiert sind. Neben Nachhilfe haben meine Eltern Menschen betreut, die in Deutschland Asyl suchten“, begründet Köbele seinen Wunsch, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Dem sozialen Engagement seiner Eltern Susanne und Wolfgang verdankte er als 5-Jähriger auch seinen ersten Kontakt zu Schwarzafrikanern. „In Fischbeck habe es ein Gospelkonzert mit Sängern aus Uganda gegeben. „Meine Eltern entschlossen sich kurzfristig, sie zu beherbergen. Da hatten wir 16 Afrikaner im Haus. Sie lagen überall, am liebsten auf dem Fußboden“, erinnert sich Timon gern zurück.

Der große Alukoffer wurde Timon von seinem ehemaligen Chef Edmund E. Besecke für die Reise gesponsert. Foto: fn

Ganz billig wird das Jahr nicht für den freiwilligen Helfer, er rechnet mit fast 6000 Euro Kosten für seinen Einsatz. „Seit April 2010 gibt es vom Staat keine Förderung mehr“, bedauert Timon Köbele. Finanzielle Unterstützung bekommt er allenfalls von Mitgliedern der Freien Evangelischen Gemeinde Hessisch Oldendorf und von seinem ehemaligen Chef Edmund E. Besecke, der ihm auch den großen Alukoffer für die Reise sponserte.

Ob er das deutsche Graubrot vermissen wird, konnte Timon noch nicht beantworten. Gespannt ist er aber auf Biltong, einen südafrikanischen Snack aus getrocknetem und gewürztem Rind-, Straußen- und Kudufleisch. Deutsches Brot kann er bei Bedarf nächstes Jahr zu Ostern bekommen. Dann will ihn seine Freundin Anna Carina Jonen besuchen, eventuell auch Vater Wolfgang Köbele. Mutter Susanne ist schon etwas stolz darauf, dass das mittlere ihrer fünf Kinder „das so durchzieht“. „Etwas mulmig ist mir wegen der Kriminalität da unten“, sorgt sie sich.

Gespannt ist Timon auf seinen 22. Geburtstag an Heiligabend. Es wird das erste Mal sein, dass er sein Wiegenfest bei Temperaturen um die 40 Grad feiert. Übers Internet hält er Kontakt zur Heimat. Unter www.timon-in-suedafrika.blogspot.com berichtet er von seinen Erlebnissen. Vielleicht auch vom Haitauchen, das will er in seiner Freizeit unbedingt einmal machen.

Jabu (3) und Lulu (4) aus dem Waisenhaus „iKhaya LikaBaba“ (Haus des Vaters) in Empangeni haben Timon Köbele bereits in ihr Herz geschlossen.

Foto: privat



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