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Waldfachmann Christian Weigel führt durchs Naturreservat Hohenstein im Süntel

Zur Blutbachquelle und durchs Totental

Hessisch Oldendorf (ww). Wirtschaftsfaktor, Klimaregulator, Erholungsgebiet: Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist von dichtem Wald bedeckt, dieser ist zugleich Rohstofflieferant und Sportplatz, leistungsorientierte Mountainbiker zieht er genauso an wie naturverbundene Wanderer. Aber wann bekommt man schon einmal die Möglichkeit, sich das Ökosystem Wald von einem Fachmann erklären zu lassen?

veröffentlicht am 11.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:41 Uhr

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25 große und kleine Sommerabenteurer, begleitet von Cira, einer Islandspitz-Dame, brechen gemeinsam mit Christian Weigel, dem Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Oldendorf, zu einer Wanderung durch das Naturschutzgebiet Hohenstein auf. Mehr als 8000 Hektar Landeswald betreut der „Forstknecht“, wie er sich selbst bezeichnet, in den Landkreisen Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden. Von Rinteln im Norden bis Polle im Süden erstreckt sich Weigels Einsatzgebiet, im Westen ist es durch die Grenze zu Nordrhein-Westfalen begrenzt. Das knapp 1000 Hektar große Naturreservat Hohenstein liegt nordöstlich von Hessisch Oldendorf und ist als europäisches Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet (FFH) ausgewiesen, also „europäisch geadelt“, wie Christian Weigel es nennt.

Von Langenfeld aus führt der Forstamtsleiter zur Blutbachquelle und ins Totental, deren Ortsbezeichnungen noch heute an die Schlacht auf dem nördlich vom Hohenstein gelegenen Süntel-Hochplateau Dachtelfeld erinnern, auf dem im Jahr 782 die Sachsen ein Heer Karls des Großen niedermetzelten. Ein gutes Stück weiter genießen die Sommerabenteurer bei Sonnenschein den einmaligen Ausblick von „Münchhausens Pferdestall“, einem Felsmassiv mit „tödlichen“ Abhängen.

„Vor der Kontinentalverschiebung lag dieser Wald dort, wo heute Sizilien ist“, erklärt Weigel, „der Hohenstein war ein Juramassiv, hier sind einst die Dinosaurier rumgetrampelt“. Heute befindet sich hier ein großer und reicher Buchenwald, bis zu 40 Meter wachsen die ältesten Exemplare in die Höhe. „Diese Baumart liebt das atlantische Klima, die verregneten Sommer und die trockenen Winter im Weserbergland sind perfekt“, erklärt der Forstdirektor. Hier ist eine wahre Rarität beheimatet, die schlangenförmig wachsende Süntelbuche, die es außerhalb des Wesergebirges nur noch in Frankreich gibt. Und eine weitere Besonderheit birgt „Weigels Wald“: „Eigentlich gibt es in Mitteleuropa keine Urwälder mehr“, erzählt der Forstamtsleiter. Doch seit 1972 wurden in Niedersachsen 3200 Hektar Wald als Naturwald ausgewiesen, ein 58,9 Hektar großes Naturwaldreservat im Hohenstein gehört dazu. „Hier kann man das natürliche Werden und Vergehen des Waldes ohne menschlichen Einfluss beobachten.“

Mit enormem Fachwissen und großer Begeisterung beschreibt Christian Weigel auf der gut zweieinhalbstündigen Wanderung die Eigenheiten des Hohensteins, dabei fallen schon mal Vokabeln wie Frauenfarn, Eschentrieb-Sterben oder „Waldbau-Erotik“ („da hat der Förster Spaß dran“). Und natürlich lüftet der Förster auch das eine oder andere Waldgeheimnis: Haben Sie beispielsweise gewusst, dass aus Buchenholz aus dem Weserbergland in Saudi-Arabien Eisenbahnschwellen gemacht werden? Oder dass der eigentlich perfekte Kalk- und Lössboden durch menschlichen Einfluss zusehends „versauert“, was man an Nutznießern dieses Prozesses wie dem Waldschwingel deutlich erkennen kann? Und dass es zwischen den unterschiedlichen Hölzern einen harten Konkurrenzkampf um Licht und Nährstoffe gibt, den die Buche zumeist zu ihren Gunsten entscheidet?

Der siebenjährige Elias, der seine Patentante Susanne Lötzer aus Bückeburg in den Wald begleitet, ist fasziniert: „Mein Vater stammt aus Israel, da gibt es gar nicht so viele Bäume wie hier.“ Und auch für die Hamelnerin Ute Baumgart hat sich die Wanderung gelohnt: „Mein Mann und ich machen hier seit Jahren Langlauf, aber an der Blutbachquelle waren wir noch nie. Da lernt man den Wald ganz neu kennen.“

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