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Betreiberpaar Ulrike und Marcus Paulig verlässt das Baxmann-Zentrum

Zum Abschied lassen sie es krachen

Hessisch Oldendorf. Vor wenigen Tagen haben sie im Baxmann-Zentrum einen Geburtstag ausgerichtet, jetzt decken sie die Tische für den Silvesterball ein – ihre letzte große eigene Veranstaltung. „Mit einem Silvesterball haben hier vor vier Jahren begonnen – und so läuten wir auch unseren Abschied ein“, erklären Ulrike und Marcus Paulig.

veröffentlicht am 23.12.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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Am 1. August 2010 übernahmen sie voller Elan die Pacht der Stadthalle, die sie in „Baxmann-Zentrum“ umbenannten – als „Veranstaltungszentrum in der Baxmann-Stadt“. Nach „kräftezehrenden Renovierungs- und Reinigungswochen“ eröffneten sie im September, kurbelten den Spielbetrieb auf Kegel- und Bowlingbahnen wieder an, ernteten für Ideen wie ihre bayerischen Abende großen Zuspruch.

Warum verlängern sie ihren Fünfjahrespachtvertrag nicht? „Unterm Strich ist in dem 35 Jahre alten Gebäude alles zu alt, kaum etwas entspricht mehr den heutigen Anforderungen“, sagt Marcus Paulig und erzählt: „Die Lichtanlage muss komplett erneuert werden, denn es gibt keine Ersatzteile mehr – etwa ein Drittel ist nicht mehr funktionsfähig.“ Da das Licht zu schlecht sei und die Tische quietschten, habe die Halle in diesem Jahr die IHK-Prüfungen verloren. „An der Technik scheiterte auch der Parteitag der Piraten, denn hier gibt es weder WLAN noch einen Beamer“, fährt er fort und betont, angesprochen auf die Heizsituation: „In den 1980er Jahren spielte Energie keine Rolle, heute dafür umso mehr – ich heize mehr für draußen als für drinnen.“

„Unser Highlight

hier war das VW-Veteranen-Treffen.“

Die Gasheizung befinde sich im Keller, die Lüftungsheizung im Dach, die Dämmung lasse zu wünschen übrig. „Wenn ich das Foyer für eine Ratssitzung voll einheizen soll, kostet mich das 200 Euro – da mach ich einfach Verluste“, erklärt er in Erinnerung an die Kritik nach einer „frösteligen Sitzung“. Dann erzählt er von einer Heizkosten-Nachzahlung für die Jahre 2011 und 2012 in Höhe von 64 000 Euro, die das Ehepaar nicht nur Nerven kostete, sondern sogar die Existenz ihres Hotels Pappmühle in Zersen gefährdete.

„Nach einer Umstellung hatte der Energiekonzern anderthalb Jahre lang den Abschlag nicht abgebucht – das wären 18 000 Euro gewesen, die wir auch sofort zu zahlen bereit waren. Aber wir sollten die restliche Summe wegen angeblichen Verbrauchs ebenfalls überweisen, dabei hatten wir in jenem Zeitraum gerade mal 30 Veranstaltungen.“ Pauligs zogen bis vors Landgericht, mussten dank Vergleich nur noch 13 000 Euro draufzahlen.

„Wir haben das Objekt mal gepachtet, um Geld zu verdienen, jetzt zahlen wir jeden Monat bares Geld drauf“, geben sie offen zu und ergänzen: „Mit dem Kultourismusforum hat sich die Stadt, der das Gebäude ja gehört, eigene Konkurrenz geschaffen – das verzerrt den Wettbewerb, denn so bleiben Einnahmen aus dem Baxmann-Zentrum aus.“ Für sie als Pächter sei solch eine Politik „absolut nicht nachvollziehbar und wirtschaftlich schädigend“. Die beiden fahren fort: „Insgesamt hatten wir auch zu wenig private Buchungen, nur neun Hochzeiten und einige Geburtstage, das mit der Tanzschule, die hier Kurse anbieten wollte, klappte nicht, Kegeln ist rückläufig und die Bowling-Bahn zu alt für junge Leute.“

Neben Technik und Energie sei übrigens dringender Handlungsbedarf bei den Herrentoiletten, die „schäbig und schmutzig aussehen, obwohl sie sauber sind“, sagt Marcus Paulig und muss lachen, als er nach der Küche gefragt wird. „Sie hat viel Platz und genügend Kühlkapazitäten, ich kann darin arbeiten, aber für Großveranstaltungen komme ich ohne meine Küche in der Pappmühle nicht klar“, erklärt er. Dafür sei aber die Bühne richtig gut – „die Halle allerdings zu groß für Hessisch Oldendorf und zu klein für Großevents – gute Comedians kommen erst ab einer Größe von 2000 Plätzen“.

Das Baxmann-Zentrum fasst maximal 850 Besucher, für den Hexenball des Oldendorfer Carnevals Clubs (OCC) oder das Jahreskonzert des Musikkorps die ideale Größe. „Unser Highlight hier war das VW-Veteranen-Treffen: Dafür haben wir alles aufgemacht und voll Tische gestellt“, berichtet der Gastronom.

Nach vier Schulabschlussbällen endet am 31. Juli 2015 die Ära Paulig im Barksener Weg. „Wenn nicht ein sechsstelliger Betrag investiert wird, kann hier niemand mehr Geld verdienen, dann wird wohl noch mehr kaputtgehen“, meint er.

„Unseren persönlichen Abschied feiern wir mit

unserem Silvesterball.“

„Die verbliebenen Kegler sind traurig, wissen nicht, wie es weitergehen soll, die Organisatoren des Historischen Balls wandern ab, die Patronensammlervereinigung würde sich gerne weiter hier treffen“, erzählen Pauligs und ergänzen: „Sollte sich vorerst kein neuer Pächter finden, werden wir zwei, drei Veranstaltungen als Caterer begleiten – unseren persönlichen Abschied feiern wir aber bereits mit unserem Silvesterball, auf dem die Band SchwarzRotGold spielt.“

Beide hoffen nun, „dass nach der notwendigen Investition die Halle vernünftig vermietet und für alle Caterer freigegeben wird“.



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