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Wie Betriebe Jugendliche davon überzeugen, noch einmal über ihren Berufswunsch nachzudenken

Zukunft gestalten

Hessisch Oldendorf. „Na, was willst du denn mal werden?!“ Welcher Schüler kennt sie nicht, diese Frage, sobald der Schulabschluss näher rückt. Und was darauf antworten, wenn man doch noch keine Ahnung hat, in welche Richtung es gehen soll?

veröffentlicht am 24.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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Um Orientierung zu schaffen, haben sich 28 Betriebe aus den Bereichen Dienstleistung und Einzelhandel, Industrie und Handwerk den Neuntklässlern der Oberschule Hessisch Oldendorf vorgestellt. Jeweils zwei der von den Jugendlichen angekreuzten Berufswünsche wurden berücksichtigt und zwei zugewiesen, „damit sie mal über den Tellerrand schauen“, wie der stellvertretende Schulleiter Jochen Bach sagt.

„Ich weiß doch schon, was ich werden will“ oder „Was soll ich denn da?“, sagen manche Schüler im Vorfeld. Aber schnell merken sie, dass die Information in Kleingruppen und vertrauten Räumen anders rüberkommt als bei Berufsbildungsmessen, dass all ihre Fragen, ob nach Verdienst oder Arbeitszeiten, beantwortet werden.

Schule? „Von den

Arbeitszeiten her doch etwas lockerer“

In einem Vortrag stellt Wim Ossenkop das Großenwiedener Familienunternehmen OKO-tech vor, das eine Abwasseraufbereitungsanlage entwickelt hat und europaweit Aufträge erhält. „Wir suchen Leute, die Spaß haben am Schweißen, Drehen, Fräsen, Bohren, Gestalten von Metalltechnik und am Umgang mit Leuten“, beschreibt er die Palette der Aufgaben. Marc-Bennet (14) hört genau zu, spricht Ossenkop hinterher an und rückt mit einer Mappe heraus. „Ich möchte Industriemechaniker werden und habe mich im Internet über die Betriebe informiert, die hier für mich interessant sind. Was OKO-tech macht, klingt gut und deshalb habe ich gestern noch eine Bewerbung fürs Praktikum, das im Frühjahr ansteht, fertiggemacht“, erklärt er.

Anders verläuft es beim Friseur: Während Meisterin Anna-Lena Jürgensen (24) sehr lebendig Interesse an ihrem Beruf zu wecken versucht, über Mode, Trends, Kreativität und Weiterbildung spricht, sitzt eine Sechsergruppe unbeteiligt schweigsam im Halbkreis. „Das hatten wir nicht angekreuzt“, so der Tenor.

Neun Jugendliche lauschen gebannt, was Polizeikommissarin Sabrina Neumann über die Vielfalt ihrer Arbeit erzählt. Mit einigen Freiwilligen spielt sie eine nächtliche Verkehrskontrolle nach. „Man verändert sich bei der Arbeit, bekommt mehr Selbstbewusstsein“, betont sie. „Werden Sie auch mal beleidigt?“ oder „Müssen Sie an Weihnachten arbeiten?“, fragen die Schüler – und eine Schülerin gesteht: „Eigentlich bin ich nur hierhin gegangen, weil mein Vater das vorgeschlagen hat, aber was ich eben gehört habe, hat mich überzeugt.“ Zum Kennenlernen ihres Alltags weist Neumann auf die Schülerpraktika bei der Polizei hin.

Mit vier Jungs landet Milena (16) bei Malermeister Jochen Huch, der einem Teilnehmer, der mit den Worten: „Ich habe keine Lust“ hereinkommt, sofort freistellt, zu gehen. Huch fragt die Gruppe nach Aufgaben eines Malers und Lackierers, erzählt über Techniken und Dämmstoffe, hat viel Anschauungsmaterial dabei und lässt alle die Malerrolle schwingen. „Eigentlich möchte ich später bei der Bundeswehr Bäckerin werden, aber das hat mir jetzt auch gefallen“, sagt Milena, nachdem sie sich über die Berufe Bäcker, Friseur, Koch und Maler informiert hat. „Jetzt haben wir’s 18 Uhr, der Tag war ein wenig lang: Ich bin um 5 Uhr aufgestanden, um 6.45 Uhr zur Berufsschule nach Hameln gefahren, hatte da sechs Stunden und dann bin ich hierher gekommen“, berichtet sie und fügt hinzu: „Aber es hat sich gelohnt, zur Orientierung war das echt gut.“

Tags darauf stellen sich Auszubildende der Betriebe den Fragen der Jugendlichen. Feldwebelanwärter Marian Nickel erzählt, dass er über die Bundeswehr derzeit eine Ausbildung zum pharmazeutisch-technischen Assistenten absolviere. „Anfangs wusste ich nicht, was mich erwartet, ich war aufgeregt, als ich das erste Mal zur Bundeswehr kam“, gesteht er und erhält für seine offenen Worte volle Aufmerksamkeit der Schüler.

Um Fachkräftemangel entgegenzuwirken, organisiert die Weserbergland AG das Projekt „Betriebe machen Schule“; an der Oberschule ist es bereits der zweite Durchgang. Eine Auszubildende des Senioren- und Pflegeheims „Lebensbaums“ berichtet über die Berufsgruppen in der Einrichtung.

Murat wird durch den Besuch der vier Stationen bewusst, dass er gerne mal in einer Gruppe, aber auf keinen Fall nur im Büro arbeiten möchte. „Die Leute waren sehr nett, wir fanden die Nachmittage interessant, informativ und kein bisschen langweilig“, sagen drei Realschülerinnen. Eine verrät, sie sei beim BHW gewesen („das hatte ich nicht angekreuzt“), und was die Auszubildende dort erzählte, habe richtig gut geklungen. „Da ist logisches Denken wichtig und die Perspektive der Ausbildung ist auch gut“, erklärt sie und fügt hinzu: „Aber jetzt gehe ich erstmal weiter zur Schule, von den Arbeitszeiten her ist das doch etwas lockerer, als wenn man acht Stunden in einem Unternehmen arbeitet.“



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