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Wohin steuert Hessisch Oldendorfs Innenstadt? / Werbering mahnt: „Bedenken Sie, wo Sie Ihre Euro ausgeben“

Zugeklebte Schaufenster neben restaurierten Häusern

Hessisch Oldendorf (ah). „Es ist einfach schön, hier einkaufen zu gehen, die Geschäftsleute sind freundlich und ich fühle mich stets gut beraten“, lobt eine Hessisch Oldendorferin, die seit anderthalb Jahren fern der Heimat studiert. Für sie ist dieses Wohlgefühl Grund genug, sich in der Universitätsstadt zum Beispiel keinen neuen Optiker zu suchen, sondern dem örtlichen Fachgeschäft treu zu bleiben.

veröffentlicht am 09.01.2013 um 16:05 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 03:21 Uhr

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„Unsere Kunden kommen häufiger von außerhalb, weil sie den individuellen Service in den kleinen Fachgeschäften zu schätzen wissen“, sagen Rita Struckmeier-Hennecke und Arne Harland. Beide kennen ihre Kunden und deren spezielle Wünsche und sie wissen: Damit kann eine Kleinstadt punkten. Allerdings erklären die beiden auch: „Viele Geschäftsleute engagieren sich regional, spenden für Einrichtungen und Vereine vor Ort – umgekehrt wäre es schön, wenn wir auch von ihnen unterstützt werden.“ Wie ihre Mitstreiter auf der Langen Straße müssen sie feststellen, dass die Laufkundschaft fehlt, viele nur noch gezielt ein Fachgeschäft ansteuern.

Doch selbst wenn mit „Ihr Platz“ ein Kundenmagnet in einer 1-a-Lage seine Türen schloss: Eingerahmt von liebevoll dekorierten Schaufenstern und wunderschön sanierten Fassaden gibt es beim Gang durch die Lange Straße eine ganze Menge zu erwerben: Schuhe, Bekleidung, Möbel, Bettwäsche, Bücher, Schreibwaren, Geschenke, Brillen, Hörgeräte, Schmuck, Back- und Spielwaren. Dazwischen angesiedelt sind eine neue Wellness-Lounge, Apotheken, ein Sanitätshaus, Arztpraxen und ein kleiner Lebensmittelladen. „Da kaufe ich zurzeit die herrlichsten Zitronen, so saftig finde ich die sonst nirgendwo, und die hausgemachte Pizza schmeckt super“, schwärmt Kundin Bärbel Boyer und ergänzt: „Zu Weihnachten hatten wir Austern aus dem Fischladen, die waren einfach köstlich.“

Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, die Innenstadt attraktiv oder tot, das bleibt Ansichtssache, wie Petra Frickes Geschichte beweist: Eine Kundin suchte bei der Geschäftsfrau nach Bastelmaterial, das nicht vorrätig war. „Wissen Sie, danach wird nur so selten gefragt, dass ich dieses Produkt aus dem Sortiment genommen habe, aber ich bestelle es gerne für Sie“, lautete ihr Angebot. „In Hessisch Oldendorf kriegt man ja gar nichts mehr, das entwickelt sich hier regelrecht zu einer toten Stadt“, empörte sich die Dame aus der Kernstadt und verließ den Laden.

Das, was die Geschäfte in der Innenstadt anbieten, hängt vor allem vom Einkaufsverhalten der Kunden ab. Für viele Einzelhändler ist es einfach nicht mehr wirtschaftlich, große Vorräte anzulegen. Kaum sei jedoch ein Regal nur zur Hälfte gefüllt, fragen Kunden entsetzt: „Schließen Sie jetzt etwa auch?“ Eine Erfahrung, die gleich mehrere Geschäftsleute machten. Groß sei der Aufschrei, sobald ein Geschäft schließe oder plötzlich nur noch vormittags öffne, wie aktuell eine Bäckerei.

Einen besonderen Stellenwert in dieser Situation hat der Wochenmarkt: Jeden Freitag werden auf Kirch- und Marktplatz frisches Gemüse, Obst, Blumen, Eier, Fisch, Backwaren, Feinkost, Milch und Käse, Fleisch und Wurst sowie Kleidung und Taschen angeboten. Allein acht Apfel- und sechs Kartoffelsorten führt Landwirt Karl Brakhage, dazu Birnen, frische Champignons, Zwiebeln und auch Kürbis. „Als ich hier vor rund 50 Jahren erstmals meinen Stand aufbaute, mussten wir um den Stellplatz kämpfen, so voll belegt war der Markt“, erinnert sich der 78-Jährige. Damit hat er heute kein Problem mehr.

Die einen genießen es, über den Markt zu schlendern, Bekannte zu treffen, frische regionale Produkte unter freiem Himmel einzukaufen, andere erledigen ihren Großeinkauf lieber in einem Abwasch im Supermarkt. Dadurch geht die Zahl der Kunden zurück, was dazu führt, dass sich auf dem Wochenmarkt das Angebot verringert. Noch gibt es etliche, für die der Markt fest im Terminkalender steht, nicht nur die Rentnergruppe vor der Marienkirche oder die 30 Leute, unter anderem Taubenzüchter und Rentner aus allen Ortsteilen, die sich um den Wagen der Bäckerei Hakenbeck versammeln. Bei Wind und Wetter Leute treffen, Gedanken austauschen, das Neueste erzählen, Geburtstag feiern, fachsimpeln und natürlich einkaufen, das macht für sie den Reiz des Besuchs aus. „Der Freitagvormittag auf dem Wochenmarkt ist einfach wunderbar“, bringt es Dieter Winkelnkämper aus Welsede auf den Punkt.

Mehrmals im Jahr sorgen die Mitglieder des Werberings für besonderes Einkaufsvergnügen, um das Interesse der Kunden an der Innenstadt zu wecken. „Natürlich wissen wir auch um die Problemzonen, die leerstehenden Geschäfte, die von außen mit Unkraut bewachsen oder deren Schaufenster mit Zeitungspapier zugeklebt sind“, erklärt der Vorsitzende Jochen Huch und fügt hinzu: „Da ist Handlungsbedarf.“

Mit Blick in die Zukunft sieht er in der Ansiedlung der Bekleidungsfirma Bessmann einen positiven Impuls für die Innenstadt. „Unsere heimischen Unternehmen und Geschäftsleute sollten mit den Verantwortlichen Kontakt aufnehmen, diese Chance ergreifen, auch wenn bei dem einen oder anderen Angst vor der Konkurrenz aufkeimt“, so Huch und fügt hinzu: „Konkurrenz belebt ja auch.“ Er freut sich, dass in Kürze im früheren „Ihr Platz“-Gebäude „Dein Platz“ eröffnet und nebenan ein Pflegedienst-Büro eingezogen ist. Von den Einwohnern wünscht sich Jochen Huch „ein spürbares Interesse am Überleben ihrer Innenstadt“. Er mahnt: „Bedenken Sie, wo Sie Ihre Euros ausgeben, es geht auch um Arbeitsplätze in unserer Innenstadt“ und fügt mit Blick auf das Engagement des Werberings hinzu: „Wir machen weiter, denn es ist einfach lohnenswert, sich für alle in der Stadt einzubringen.“



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