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Rübenanbauer können mit höherem Preisniveau rechnen / Eine gute Ernte eingefahren

Zucker ist knapp, das politische Klima günstig

Hessisch Oldendorf. Schnee und Dauerfrost haben die Zuckerrüben-Ernte erheblich in die Länge gezogen. Im Bereich der Nordzucker AG wurden in der Vorwoche noch Rüben in Fabriken angenommen. Bei Pfeifer und Langen in Lage, wo die meisten Landwirte aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont hinliefern, endete die Kampagne am Heiligabend. Bei Nordzucker und bei Pfeifer und Langen spricht man von einem vergleichsweise guten Ergebnis. Die Erträge liegen nur leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

veröffentlicht am 16.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

Peter Jahn
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Mit der Verarbeitung der letzten Rübe am 24. Dezember sei ein besonderes Rübenjahr zu Ende gegangen. „Das Jahr endete, wie es begonnen hat: mit Schnee, Eis und Frost. Während der Wachstumsperiode war der Witterungsverlauf von Extremen gekennzeichnet, ein ausgewogenes, wachstumsförderndes Verhältnis zwischen Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag hat es nicht gegeben“, erklärt Dr. Hans Coenen, der Leiter des Bereiches Landwirtschaft bei Pfeifer und Langen. Umso erstaunlicher ist das Ernteergebnis: „Immerhin das Drittbeste im Verlauf der 127-jährigen Geschichte der Zuckerfabrik Lage.“ Und so sieht die Bilanz aus: Auf einem Hektar wurden im Schnitt 70,98 Tonnen Rüben mit einem Zuckergehalt von 17,44 Prozent gerodet. Das macht 12,4 Tonnen Zucker, bereinigt sind dies 11,1 Tonnen.

Die Ertragsunterschiede zwischen einzelnen Regionen und selbst auf einzelnen Parzellen seien deutlich größer als im Rekordjahr 2009 gewesen. Dies bestätigt auch Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender des Verbandes der Rübenanbauer im Lippe-Weser-Raum. „Aber auch aus einem extremen Jahr 2010 können wir gemeinsam lernen und Verbesserungen einleiten“, betont Dr. Coenen. Bei den nun kommenden Winterversammlungen soll dies analysiert und erläutert werden.

Die 780 Anbauer der Zuckerfabrik Lage haben von 7700 Hektar Anbaufläche etwa 580 000 Tonnen Rüben geerntet. Bei den oft schwierigen Erntebedingungen konnten teilweise nur recht schmutzige Rüben zur Fabrik geliefert werden. Der Erdanhang von im Schnitt 10 Prozent sei aber durchaus in Ordnung. „Allerdings gab es hier zum Ende hin einige Ausreißer mit deutlich höheren Schmutzprozenten“, wie Dr. Hans Coenen erklärt. Die Ergebnisse des absoluten Spitzenjahres 2009 mit 79,9 Tonnen Rüben, 18,07 Prozent Zuckergehalt und einem bereinigten Zuckerertrag von 13 Tonnen je Hektar wurden nicht erreicht. „Allerdings können die Landwirte mit den Ergebnissen dieses witterungsbedingt extremen Jahres sehr zufrieden sein“, sagt Dr. Coenen. Und er fügt an: „Es fällt aber auf, dass die Unterschiede zwischen den Betrieben größer sind als in den vergangenen Jahren. So haben die 20 besten Anbauer rund 15 Tonnen Zucker geerntet, während die 20 Landwirte am unteren Ende nur acht Tonnen geschafft haben. Dies zeigt: Die Rübe gehört auf die besten Böden und in die besten Betriebe mit herausragender Produktionstechnik.“

Nach Proberodungen im Herbst, die eher niedrigere Erträge erwarten ließen, wurde in Lage entschieden, mit der Kampagne 14 Tage später zu beginnen. „Die Entscheidung, mit der Kampagne 2010 später als im Vorjahr zu beginnen, war genau richtig. Die Rüben haben die zwei, drei Wochen im goldenen Oktober noch voll mitnehmen können und haben das gute Wetter mit höherem Zuckergehalt und Zuckerertrag gedankt“, erklärt Dr. Coenen.

Was die Landwirte gerne hören werden: „Die Preisverhandlungen laufen Ende Januar. Die Betriebe erhalten zunächst eine Abschlagzahlung, die Endabrechnung erfolgt im April. Allerdings wird schon jetzt deutlich: Die Differenz auf dem Konto im Vergleich zum Vorjahr ist kleiner als der Unterschied in den Erträgen. Die Landwirte können also mit einem höheren Preisniveau als 2009 rechnen. Dies ist auch auf die günstigen Verwertungsmöglichkeiten für Überschussrüben zurückzuführen“, erläutert Dr. Hans Coenen. Die Preise in der EU profitieren nur indirekt von den derzeit sehr hohen Weltmarktpreisen von 620 Euro pro Tonne Weißzucker.

Nicht alle Rüben werden zu Zucker verarbeitet und landen im Lebensmittelhandel. Es werden auch sogenannte Industrierüben angebaut. Dies waren 2010 rund 120 000 Tonnen, etwa ein Viertel aller Rüben im Bereich von Pfeifer und Langen. Die Industrierüben gehen als Kohlenstoff-Träger unter anderem in die Autoindustrie. Teile der Sitze oder des Armaturenbretts werden heutzutage auf der Basis von Zuckerrüben hergestellt. Bei der Vermarktung dieser Rüben hat auch der hohe Weltmarktpreis geholfen, da die Industrie etwa bei den hohen Getreidepreisen nur eingeschränkt auf Alternativen zurückgreifen kann. Auf Basis 16 Prozent Zucker haben die Landwirte, die das feste Preismodell gewählt haben, 24 Euro für die Tonne erzielt. Beim variablen Preismodell waren es aufgrund der stark gestiegenen Getreide- und Rübenpreise 28,87 Euro. „Damit hat sich das variable Preismodell in diesem Jahr bewährt. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass bei Preisen von 28 Euro die Tonne eine Vermarktung äußerst schwierig wird“, führt Dr. Hans Coenen aus. Die Hersteller von Ethanol und Stärke aus Zuckerrüben könnten diese Preise nicht bezahlen, weiß Dr. Coenen. „Daher sind wir dabei, das Preismodell zu reformieren. Grundsätzlich soll es aber auch in Zukunft zwei Preismodelle – fest und variabel – geben. Für 2011 wurde mit den Landwirten im festen Preismodell ein Grundpreis von 23 Euro pro Tonne vereinbart“, erklärt der Fachmann, der nach 19 Jahren bei Pfeifer und Langen nach den Winterversammlungen, die bis Mitte Februar gehen, in den Ruhestand verabschiedet wird.

Bereits sechs Jahre bevor Dr. Hans Coenen sein Amt angetreten hat, war in Emmerthal die letzte Zuckerfabrik im Weserbergland geschlossen worden. Seitdem liefern die Bauern aus dem Weserbergland ins lippische Lage. Am 7. Dezember vergangenen Jahres waren die Bauern, die damals den Zusammenschluss mit Lage maßgeblich mitgetragen hatten, zu einer Jubiläumsveranstaltung eingeladen.

Auf die Zukunft des Zuckerrübenanbaus angesprochen, sagt Dr. Hans Coenen, dass bei den derzeit hohen Preisen für Getreide und Raps, die Rübe starke Konkurrenz bekomme. „Bei einem Getreidepreis von 20 Euro wird es für den Landwirt interessant, die Wirtschaftlichkeit zu vergleichen. Allerdings sollte dabei berücksichtigt werden, dass bei der Rübe deutlich geringere Ertragsschwankungen als bei Getreide auftreten. Außerdem wissen die Landwirte bis zur Ernte 2014 schon, welche Erlöse sie für ihre Rüben erzielen“, führt Dr. Coenen aus. Es zeige sich aber auch: Die Landwirte, die zur Fabrik in Lage liefern, wollen Rüben anbauen. „Zwar nicht zu jedem Preis, sie ziehen aber die Rübe vor, wenn sich die Möglichkeit bietet. Ich habe keine großen Sorgen, was die Wettbewerbsstellung der Rübe betrifft. Die Grundstimmung ist eindeutig für die Rübe“, glaubt Dr. Coenen zu wissen. Hier sei die Einstellung der Bauern anders als etwa im Rheinland. Dies habe die Vergabe zusätzlicher Rübenmengen gezeigt. Der Spielraum innerhalb der Fruchtfolge sei im Lippe-Weser-Raum größer, betont Dr. Hans Coenen.

Von ihm ist auch zu erfahren, dass es Pfeifer und Langen gelungen ist, bei guten Preisen bereits Zuckerkontrakte über die Quotenrübenmenge hinaus für 2011 abzuschließen. „Daher können wir zehn Prozent Rüben zusätzlich zum Quotenpreis anbauen, dies sind 42 000 Tonnen.“ Diese zusätzliche Menge sei ausgeschrieben und bereits verteilt worden. Auch hier habe sich das Interesse der Landwirte am Rübenbau gezeigt. „Wir haben alle Anbauer angeschrieben und ein Aufschlag von zehn Prozent auf ihre Quotenmenge angeboten. 50 Prozent der Landwirte haben diese Menge abgerufen, wollten aber, wenn möglich, etwa die dreifache Menge zusätzlich anbauen. Daher war es kein Problem, die zusätzliche Menge im Anbau unterzubringen“, erklärt Dr. Coenen.

Die Situation auf dem Zuckermarkt beurteilt er wie folgt: „Aus heutiger Sicht stellt sie sich deutlich besser dar als in der Vergangenheit. Die Weltmarktpreise sind stark gestiegen. Die Preise sind hoch, der Zucker ist knapp, das politische Klima günstiger.“ Für die Bauern wird der Anbau von Zuckerrüben auch für die Lieferung in Biogasanlagen interessanter. Die Zuckerrübe ist nach Mais sicherlich eine interessante Frucht für den Einsatz in Biogasanlagen und eine interessante Ergänzung zum Mais. Im Bereich der Fabrik Lage wurden rund 100 Hektar Biogasrüben angebaut. „Aus unserer Sicht ist es für alle Seiten sinnvoll, wenn die Vermittlung der Rüben über die Zuckerfabrik erfolgt. Wir beherrschen Infrastruktur und Organisation von Ernte und Transport. Außerdem dient dies der Risikominimierung. Kann zum Beispiel der Biogasanlagenbetreiber die Zuckerrüben, aus welchen Gründen auch immer, nicht abnehmen, können diese in der Zuckerfabrik etwa zu Zucker verarbeitet werden. Dies ist im Herbst aufgrund einer Störung der Biologie in einer Anlage bereits vorgekommen. Auch können wir der Biogasanlage Zuckerrüben von sandarmen Standorten liefern, um das Problem Erdanhang in den Griff zu bekommen. Wir können die Rüben von einem anderen Standort liefern und die vorgesehenen Biogasrüben in der Fabrik verarbeiten.“



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