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Heimische Rübenanbauer verärgert über Entscheidung aus Brüssel / Skepsis bei Ernte-Prognosen

Zucker droht teurer zu werden

Hessisch Oldendorf. Verärgerung, Verunsicherung und Enttäuschung nicht nur bei den Rübenanbauern, sondern auch bei den Verantwortlichen der Zuckerindustrie und des Zuckerhandels: Ende Juni wurde bekannt, dass zum 30. September 2017 die Zuckermarktordnung (ZMO) ausläuft. Und das wird „für die Zuckerwirtschaft heftig“, sagt Günter Tissen.

veröffentlicht am 06.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Barbara Jahn-Deterding
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Der Geschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, die sowohl die Interessen der mehr als 30 000 Zuckerrübenanbauer in Deutschland als auch der Zuckerindustrie und des Zuckerhandels vertritt, betont, dass die durch seine Organisation geforderte Verlängerung der Zuckermarktordnung nicht nur eine sicherere Versorgung der Verbraucher, sondern auch weniger Abhängigkeit vom Weltmarkt bedeutet hätte.

In Deutschland wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts 25 Millionen Tonnen Zuckerrüben pro Jahr angebaut, Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Niedersachsen mit 7,6 Millionen Tonnen in der vergangenen Saison. Doch wie lange mit Rübenzucker noch Geld zu verdienen ist, könnte bald die Politik entscheiden. Denn der Zuckermarkt der Europäischen Union ist stark reguliert: 85 Prozent des Bedarfs decken europäische Zuckerrüben, 15 Prozent werden vom Weltmarkt importiert – hauptsächlich Rohrzucker.

Preise stärker vom Weltmarkt abhängig

Enttäuschung über das Ende der Zuckermarktordnung herrscht auch beim Verband der Rübenanbauer im Lippe-Weser-Raum. Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender des Verbands mit knapp 800 Mitgliedern, macht deutlich: „Wir Rübenanbauer müssen die Zeit bis 2017 nutzen, um uns neu aufzustellen, müssen uns auf zukunftsfähige Füße stellen.“ Bislang konnte ein Bauer eine bestimmte Quote zu einem garantierten Mindestpreis produzieren. Er weiß also schon im Herbst, wie viel Hektar Rüben er im nächsten Jahr anbauen wird und mit welchem Erlös er rechnen kann. Die Marktordnung schreibt bis 2017 fest, dass 85 Prozent des europäischen Zuckerverbrauchs in Europa produziert und somit nur 15 Prozent importiert werden. „Wenn dann die Quoten entfallen, wird der Zuckerpreis für die Zuckerindustrie, den Verbraucher und den Landwirt wesentlich stärkeren Schwankungen unterworfen sein, für den Landwirt die Planung erschwert“, erklärt Alexander Sommermeier aus Fischbeck, der als Beiratsmitglied die Region Hessisch Oldendorf im Verband der Rübenanbauer vertritt.

„So bleiben uns nun noch vier Ernten und Kampagnen im Rahmen des bisherigen Systems, bevor sich die Rahmenbedingungen nachhaltig verändern. Wir müssen und wir werden diese Zeit nutzen, um uns darauf einzustellen“, versichert Meyer den Landwirten gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Zuckerherstellers „Pfeifer & Langen“, Botho von Schwarzkopf. Die Zuckerfabrik in Lage, zu der die meisten Mitglieder des Verbands der Rübenanbauer im Lippe-Weser-Raum ihre Rüben liefern, ist eine der Fabriken des drittgrößten deutschen Zuckerherstellers „Pfeifer & Langen“.

Vor dem Hintergrund, dass mit dem Ende der Zuckermarktordnung auch die Quotierung von Isoglukose – das ist aus Getreide und Mais hergestellter Glukosezucker – ausläuft, „ist für uns Rübenanbauer das entscheidende Signal die Aussage von „Pfeifer & Langen“, den Zucker auch weiter aus Rüben produzieren zu wollen“, betont Meyer. Aber nicht nur die Konkurrenzfrüchte auf dem Acker, auch die möglicherweise stärkere Konkurrenz durch Rohrzuckerimporte ist eine Herausforderung, um sich auf dem Weltmarkt behaupten zu können.

Tissen sieht „in der Zusammenarbeit zwischen Zuckerindustrie und Rübenanbauern“ für den künftigen Wettbewerb eine Stärke der deutschen Zuckerwirtschaft. Für die Rübenanbauer der Region erklärt Meyer: „Wir haben hohe Rübenerträge, eine schlagkräftige Ernte-, Verlade- und Transportstruktur auf neuestem technischem Stand und mit der Fabrik in Lage einen gut aufgestellten Verarbeitungsstandort.“ Dies sei eine gute Grundlage, „um in Zukunft in unserem Anbaugebiet erfolgreich Zuckerrüben anbauen zu können“, sagte er am Dienstag vor Rübenanbauern aus dem Weserbergland im Hessisch Oldendorfer Baxmann-Zentrum.

Schlagkräftige Struktur als Fundament

Nicht nur Alexander Sommermeier, sondern auch seine Berufskollegen stellen sich nun die Frage: „Wo sollen wir beim Rübenanbau noch optimaler arbeiten, um für die Zeit nach 2017 gut vorbereitet zu sein?“

Da die politischen Entscheidungen zum Auslaufen der Zuckermarktordnung erst in den nächsten Monaten umgesetzt werden, steht für die Rübenanbauer nun erst einmal die Anfang Oktober beginnende Kampagne im Mittelpunkt des Interesses. Stefan Brinker, Geschäftsführer des Anbauerverbandes, sagt: „Es könnte wieder ein besonderes Jahr für die Rübenanbauer werden.“ Dabei hat dieser Satz eine andere Bedeutung als die Besonderheit des vergangenen Jahres. „Das war ein besonders Jahr, weil wir eine ertragliche gute Ernte und gute Preise hatten“, sagt Meyer. Brinker hingegen verweist auf die „trockenen Verhältnisse, die seit Monaten herrschen“.

Nach den Proberodungen liegt der Ertrag der Zuckerrüben in der Region momentan unter den Durchschnittsergebnissen von 2010, beim Zuckergehalt jedoch über den Ergebnissen. „Unsere Ertragserwartungen liegen bei 71 Tonnen je Hektar bei einem Zuckergehalt von zwölf Tonnen je Hektar“, sagt Brinker. Bei einem Blick auf seine Rüben, die während der anhaltenden Trockenphase unter den hohen Temperaturen dieser Tage sichtlich leiden, macht sich derweil bei Sommermeier leichte Skepsis angesichts dieser Prognosen breit.

Alexander Sommermeier ist besorgt, denn die Zuckerrüben sind zurzeit noch sehr klein und leiden unter der anhaltenden Trockenheit.bj



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