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Der Friedhof Fischbeck spiegelt den Wandel der Bestattungskultur

Würdig soll es sein

FISCHBECK. Bestattungskultur – was interessiert mich das?! Spätestens, wenn ein Angehöriger stirbt, müssen sich die Hinterbliebenen mit diesem Thema auseinandersetzen. Hat der Verstorbene nicht rechtzeitig bekannt gegeben, wie er bestattet werden möchte, müssen sie sich überlegen, in welcher Form das geschehen soll.

veröffentlicht am 15.01.2018 um 15:35 Uhr

Das Stift ist Träger des Friedhofs an der Lachemer Straße, der im Jahre 1824 für das Stift und für die Gemeinde in Fischbeck und Umgebung angelegt wurde. Foto: pr
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Annette Hensel Reporterin
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Erd- oder Urnenbestattung, im Einzel-, Doppel- oder Reihengrab – oder unter Rasen? Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch sogenannte Fried- oder Ruhwälder mit Bestattungen unter Bäumen.

„Viele Menschen wünschen eine anonyme Bestattung, weil sie andere nicht mit Pflege belasten mögen, unterschätzen aber, wie wichtig es ist, einen Ort zum Trauern zu haben“, weiß Äbtissin Katrin Woitack aus ihrer langjährigen Erfahrung als Pastorin und ergänzt: „Bestattungsriten gehören zu den Anfängen unserer Kultur, erinnern wir uns doch nur an die Grabbeigaben bei den Steinzeitmenschen.“

Das Stift ist Träger des Friedhofs an der Lachemer Straße, der im Jahre 1824 für das Stift und für die Gemeinde in Fischbeck und Umgebung angelegt wurde und rund 1000 zum Teil dicht nebeneinanderliegende Grabstellen aufweist. Erstmals ist nicht der Stiftamtmann, sondern eine Kapitularin, Waltraud Menge, seit Mitte 2015 zuständig für die Friedhofsverwaltung, hat dafür auch ein eigenes Büro. Seither hat sich vor allem am äußeren Erscheinungsbild etwas getan: Die Eingangstore des Friedhofs, eine Metallkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert, wurden vom MGV Fischbeck liebevoll restauriert, Container für den von Besuchern hinterlassenen Müll aufgestellt und die Hecke geschnitten.

Blumen und Kerzen zeigen: Dieser Tote ist nicht vergessen. Foto: pr
  • Blumen und Kerzen zeigen: Dieser Tote ist nicht vergessen. Foto: pr
Waltraud Menge Foto: ah
  • Waltraud Menge Foto: ah

Doch es gibt noch viel zu tun: Dringend erneuert werden müssen die reparaturanfälligen Wasserstellen. Und dann sind da noch die Grabstätten der Kapiteldamen, die älteste stammt von 1831. „Sie stehen unter Denkmalschutz, da müssen Kunsthistoriker und Steinmetze hinzugezogen werden“, erklärt die Äbtissin und fährt fort: „Außerdem sind wir in engem Kontakt mit der Stadtverwaltung, damit die städtische Friedhofskapelle bald barrierefrei wird – und wir möchten eine Vitrine mit Auszügen aus der Friedhofssatzung aufstellen. Aber für solche Maßnahmen sind natürlich Geldgeber vonnöten.“

Dem Kapitel ist es wichtig, eine Bestattungskultur anzubieten, die würdig ist. Deren Wandel wird beim Gang über den Friedhof deutlich: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Urnenbestattungen massiv angestiegen – bei Einzel- wie auch bei Rasengräbern. Bei Letzteren gibt es übrigens die gleichen Probleme wie in der Kernstadt: Die Angehörigen entscheiden sich für eine derartige Grabstätte, unterschreiben, dass sie auf den Grabplatten nichts niederlegen – und dann wurden diese zu Weihnachten doch wieder mit Engeln, Herzen und Blumen geschmückt.

„Die haben wir wie so oft eingesammelt und am eigens dafür aufgestellten Gedenkstein abgelegt, sonst wäre hier für unseren Hausmeister keine Rasenpflege möglich“, betont Waltraud Menge und ergänzt: „Das ist ein Thema, das wohl auf beiden Seiten für Unmut sorgt, denn für manche Angehörigen mag es unwürdig erscheinen, dass wir ihren Grabschmuck entsorgen. Sie haben das Bedürfnis etwas zum Grab mitzubringen – aber dann sollten sie sich vielleicht für eine andere Bestattungsform entscheiden....“

Was es auf dem Stiftsfriedhof bislang nicht gibt, sind Urnenreihengräber sowie ein Gräberfeld für Baumbestattungen. „Wissend, dass viele Angehörige pflegeleichte Grabstätten suchen, werden wir in Zukunft versuchen beides einzurichten“, so die Kapitularin.

Für Urnenreihengräber stehen nicht mehr belegte, mit Gras bewachsene Grabstätten zur Verfügung – aber wo sollen Baumbestattungen stattfinden? „Im Rahmen einer Aktion der Hannoverschen Landeskirche zum 500. Reformationsjubiläum haben Kapitel und Kirchenvorstand auf dem Friedhof eine Luthereiche gepflanzt. Sie braucht noch ein paar Jahre, bis sie kräftig und groß ist, aber dann wird in ihrem Schatten ein Urnengräberfeld entstehen“, sagt die Äbtissin.

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