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Beim Schweineerzeuger-Ring steht regionaler Aspekt im Vordergrund / Enge Zusammenarbeit zwischen Züchtern, Mästern und Schlachtern

Wünsche der Verbraucher setzen Landwirte mächtig unter Druck

Weserbergland (bj). Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner läuft mit ihrer wiederholt geäußerten Forderung nach regionaler Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte beim Qualitäts-Schweineerzeuger-Ring Coppenbrügge (QRC) offene Türen ein. „Wir möchten, dass der Verbraucher Vertrauen haben kann, wenn er Schweinefleisch einkauft. Darum setzten wir schon seit Jahren auf den regionalen Aspekt“, fasst Hartmut Lehrke, Geschäftsführer des QRC, das Anliegen der 230, in diesem Verein, engagierten Landwirte, Schlachter und Berater zusammen.

veröffentlicht am 26.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:41 Uhr

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„Der Verbraucher möchte beim Einkauf nur wenig Geld ausgeben, hat aber hohe Ansprüche an die Qualität des Fleisches. Im Interesse der Schlachtbetriebe liegt es dann natürlich, den Kundenwünschen nachzukommen“, sagt Hartmut Lehrke. Das setzt die Landwirte mächtig unter Druck. „Für die Großschlachtereien soll ein Schwein wie das andere aussehen. Jeder Kotelettstrang gleich lang und jeder Schinken gleich groß. Dann könne jedes Schwein dem Kundenwunsch entsprechend verarbeitet und die Ware genormt verpackt werden“, erklärt er. Der Kunde erwarte dabei nicht nur mageres Fleisch ohne sichtbares Fett, sondern habe auch den Anspruch, dass bei der Mast ein hoher Gesundheitsstatus herrsche und dem Tierschutz Genüge getan werde, führt Hartmut Lehrke. aus. „Die Mitglieder im QRC erzeugen ein hochwertiges Lebensmittel. Die Haltungsbedingungen und das Futter der Schweine werden regelmäßig kontrolliert“, erklärt der Geschäftsführer.

„2010 und 2011 hatten wir ein absolutes Preistief, da gab es keinen unternehmerischen Erfolg mehr. Wir haben umsonst gearbeitet“, sagt Monika Reineke aus Pötzen. Sie hält 80 bis 90 Sauen und hat dank der Mitgliedschaft im QRC den Absatz der Ferkel gesichert. Die Vermittlung fester Beziehungen zwischen Ferkelerzeugern und Mästern sei ein Arbeitsschwerpunkt des Vereins, erklärt Hartmut Lehrke. „Wir beraten unsere Mitglieder, die Landwirte aus dem Raum Hameln und Holzminden, auch bei Haltungs-und Fütterungsfragen, bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben und geben Hilfestellung bei der Dokumentation ihrer Arbeit“ führt der Geschäftsführer aus.

Zu einer solchen Dokumentation sind Monika Reineke und Horst Homeier durch das Qualitätssiegel (QS) für Lebensmittel gesetzlich verpflichtet. „Wir nehmen freiwillig an der Klassifizierung durch das QS-Systems teil und werden streng kontrolliert. „Die Teilnahme an dem Prüfsystem für Lebensmittel lohnt sich für uns, weil wir ohne Qualitätssiegel Abzüge und einen schlechteren Absatz haben“, erklärt Monika Reineke.

Bis 2007 hat Monika Reineke wöchentlich ihre Ferkel an Horst Brinkmann aus Weenzen geliefert. „Seit er 2007 die Schweinemast eingestellt hat, gehen rund 40 Ferkel regelmäßig an Horst Homeier aus Haddessen, den Rest vermittelt der QRC“, erklärt sie Horst Homeier ist 1997 in den Qualitäts-Schweineerzeuger-Ring eingetreten. „Vorher hatte ich immer Ärger, heute nehmen die Mastschweine gut zu und sind gesund. Die Verluste liegen unter einem Prozent“, sagt er. Das liege an der gleichbleibenden Qualität der Ferkel und dem stets gleichen Stallklima, führt er aus. „Dadurch, dass ich nur Ferkel aus dem Stall von Monika Reineke aufstalle, werden Stress und Krankheitsdruck bei den Tieren deutlich verringert. Hinzu kommt der kurze Weg von Pötzen nach Haddessen“, führt Horst Homeier aus.

Monika Reineke wiederum bezieht ihre Jungsauen stets vom gleichen Züchter, auch er ist Mitglied im QRC. „Das ist ein gesunder Kreislauf, von dem wir alle profitieren“, sagt sie und ergänzt: „Wenn die Mäster zufrieden sind, ist das eine Bestätigung für meine tägliche Arbeit im Stall. Der Erfolg macht mich glücklich.“

„Landwirte wie Monika Reineke und Horst Homeier betreiben Landwirtschaft aus Leidenschaft und es wäre fatal, wenn durch die falschen Signale der Verbraucher ihre Existenzen aufs Spiel gesetzt würden. Für sie sind Tiere keine Maschinen, sondern Lebewesen“, macht Hartmut Lehrke deutlich.

Seit viele Landschlachtereien in den letzten Jahren ihren Betrieb eingestellt haben, da die gesetzlichen Auflagen hohe Investitionen erforderlich gemacht hätten, sind auch Mäster wie Horst Homeier von der Preisgestaltung der Großschlachtereien abhängig. „Der Schlachthof muss den Bauern Geld lassen, damit sie investieren und existieren können. Der Verbraucher muss so viel Geld zahlen, dass der Schlachtbetrieb ordentliches Fleisch anbieten kann“, fordert Hartmut Lehrke im Namen der Mitglieder des Qualitäts-Schweineerzeuger-Rings Coppenbrügge.

Kurze Wege: Horst Homeier aus Haddessen holt seine Schweine bei Monika Reineke im Nachbardorf Pötzen ab..



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