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Wohin mit der Gülle - viele Landwirte sind ratlos

Hessisch Oldendorf (pj). Der Winter dauert schon lange, die Güllebehälter auf einigen Höfen sind randvoll, doch noch ist der Boden gefroren und es kann nichts auf die Felder ausgebracht werden. Doch nicht jeder Landwirt scheint sich an das Gülle-Ausfuhr-Verbot zu halten, und da ist Ärger programmiert. Die Gülle zieht nicht in den Boden ein, es stinkt tagelang buchstäblich zum Himmel. Und noch ein Problem gibt es: Ist der Frost nicht aus dem Boden und es kommt ein ergiebiger Regenschauer, wird die Gülle abgeschwemmt und fließt über die Bäche in die Weser.
 „Das ist schlichtweg Abfallentsorgung“, ärgern sich Berufskollegen über die schwarzen Schafe ihrer Zunft, die ihre Behälter zu klein gebaut haben und jetzt vor dem Problem stehen: Wohin mit der Gülle?

veröffentlicht am 22.02.2010 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 21:21 Uhr

Gülle
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Hessisch Oldendorf (pj). Der Winter dauert schon lange, die Güllebehälter auf einigen Höfen sind randvoll, doch noch ist der Boden gefroren und es kann nichts auf die Felder ausgebracht werden. Doch nicht jeder Landwirt scheint sich an das Gülle-Ausfuhr-Verbot zu halten, und da ist Ärger programmiert. Die Gülle zieht nicht in den Boden ein, es stinkt tagelang buchstäblich zum Himmel. Und noch ein Problem gibt es: Ist der Frost nicht aus dem Boden und es kommt ein ergiebiger Regenschauer, wird die Gülle abgeschwemmt und fließt über die Bäche in die Weser.
 „Das ist schlichtweg Abfallentsorgung“, ärgern sich Berufskollegen über die schwarzen Schafe ihrer Zunft, die ihre Behälter zu klein gebaut haben und jetzt vor dem Problem stehen: Wohin mit der Gülle? Einige Bauern helfen sich jetzt gegenseitig. So wird auf Höfen, die über größere Tanks verfügen, die Gülle von Nachbarn mit kleineren Tanks zwischengelagert.
 Doch wohl dem, der vorausschauend gebaut hat, wie Carsten Meier-Söffker aus Segelhorst. In seinem Stall stehen 50 Milchkühe über Güllerosten, dazu noch gut 30 Nachzuchtstiere. „Das ergibt am Tag rund 32 Kubikmeter Gülle“, sagt er. Auf seinem Grundstück neben dem Kuhstall hat Carsten Meier-Söffker 1997 einen Güllebehälter gebaut, der eintausend Kubikmeter fasst. Dieser Tank ist zwar inzwischen auch schon recht voll, doch ein Blick über den Rand zeigt, da geht noch einiges rein. „Rund sechs bis acht Wochen kann ich noch in den Behälter pumpen“, stellt der Segelhorster Bauer beruhigt fest. Überdies hat er noch eine weitere Lagerkapazität von rund 400 Kubikmetern unter seinem Stall. „Bis ich Gülle aufs Feld fahren muss, ist es Ostern, bis dahin hat sich das Wetter sicher gebessert“, schmunzelt er.
 Zur rechtlichen Situation sagt der Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock: „Wo Schnee liegt, ist das Ausbringen von Gülle verboten.“ Erst wenn der Boden angetaut sei, darf der Dünger ausgebracht werden. Die Landwirte verteilen dann die Gülle mit Schleppschläuchen auf den Getreidefeldern, der Dünger zieht ins Erdreich ein und kann von den Pflanzen aufgenommen werden. Auf unbestellten Feldern muss ohnehin mit dem Ausbringen der Gülle gewartet werden, da sie sonst nicht eingearbeitet werden kann.
 Die niedersächsische Landwirtschaftskammer in Oldenburg teilte kürzlich mit, dass in Einzelfällen Bauern bereits verbotenerweise Gülle auf Felder gebracht und damit Bußgelder in Kauf genommen hätten.
 Ganz reibungslos verlief der Winter auch für Carsten Meier-Söffker nicht. Er musste bei den niedrigen Temperaturen einige Male feststellen, dass die Zuleitung zum Güllebehälter eingefroren war. „Mit dem Gasbrenner habe ich das Rohr erwärmt, damit es wieder frei wurde“, erzählt der Chef des Segelhorster Milchviehbetriebes, der auch eine Brennerei betreibt. Carsten Meier-Söffker ist froh, dass er vor 13 Jahren den Güllebehälter auf dem Hof errichten ließ. „Damals habe ich zwar keine Zuschüsse bekommen, doch es spart heute Fahrtkosten“, sagt er. Berufskollegen haben ihre Behälter außerhalb im Feld gebaut. Sie sind gezwungen, regelmäßig die Auffangbehälter unter dem Kuhstall zu leeren und die Gülle zu den Behältern zu bringen.
 Gespannt verfolgen die Landwirte die Wetterprognosen und hoffen, dass der Hundertjährige Kalender nicht recht behält, der bis Ende März Kälte und Schnee vorhersagt. Eine Lösung des Problems bringt den Landwirten wohl nur ein Wetterumschwung mit wärmerer Temperatur, die dafür sorgt, dass der Frost aus dem Boden geht. Die Wetterprognose für die nächsten Tage verspricht zwar mildere Temperaturen, ob dies jedoch reicht, um das Problem der Viehhalter zu lösen, bleibt abzuwarten. Möglicherweise kommt der strenge Winter mit einer östlichen Luftströmung noch einmal zurück.

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