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Christian Weigel leitet das Forstamt Oldendorf – und freut sich über seltene Pflanzen

Wo der Milzfarn wächst

Hessisch Oldendorf. „Das gibt es doch nicht, da wächst ja schon wieder eine neue Pflanze“, ruft Christian Weigel begeistert. Der Forstdirektor hat gerade einen nicht ungefährlichen Abstieg durch Engpässe in steilen Klippen überwunden und wird nun mit dem Anblick eines jungen Milzfarns belohnt. „Es gibt für diese unter Artenschutz stehende Pflanze in ganz Niedersachsen nur diesen einen natürlichen Standort im Bereich des Hohensteins“, erklärt er und die Begeisterung für diese höchst seltene Farnart steht dem Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Oldendorf ins Gesicht geschrieben. Um sicheren Stand auf dem unwegsamen Terrain bemüht, reckt er sich in die Höhe, um die seltenen Pflanzen genauestens betrachten zu können.

veröffentlicht am 04.03.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Barbara Jahn-Deterding
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Christian Weigel kann sich genau an den Tag erinnern, als der Forstbeamte Heiko Brede ihm ein Farnblatt auf den Schreibtisch legte und fragte: „Kennen Sie den?“ Natürlich hat der Leiter des Forstamts sofort erkannt, um welche Rarität es sich handelte. „Ich bin vor Begeisterung fast vom Stuhl gefallen, als mir unser Förster für Ökologie das Blatt eines Milzfarnes präsentierte“, erinnert er sich noch heute. Der Fund vor einigen Jahren sei ein Zufallsprodukt gewesen und er habe bis zu diesem Augenblick den Farn eigentlich nur aus Griechenland oder Spanien gekannt.

Im Bereich des Hohensteins sei der Milzfarn zuletzt vor 50 Jahren gesehen worden. Damals habe ihn der Botaniker Tüxen beschrieben, weiß Weigel. „Eine Spore des Farns hat vermutlich an einer schattigen Felswand überlebt. Seit unser Langenfelder Revierförster Uwe Sprick eine Buche fällen ließ, um einen besseren Blick auf den Hohenstein zu ermöglichen, fällt Sonne auf den Felsen. Der Stein erwärmt sich, die Spore reagiert auf die Wärme und der Milzfarn beginnt zu wachsen“, beschreibt der Leiter des Forstamtes seine Theorie zum Überleben des Farns.

Der Milzfarn (Asplenium ceterach) steht nicht nur auf der Roten Liste, sondern ist durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt. „Die Rote Liste ist eine Einschätzungsliste von Experten über den Seltenheitsstatus von Pflanzen und Tieren“, erklärt Weigel. Sie habe nur deklaratorischen Wert, während die Bundesartenschutzverordnung Gesetzeskraft habe, fährt er fort. „Wie gut, dass der Weg zu den sich glücklicherweise vermehrenden Farnen so mühsam ist“, stellt der Forstdirektor fest, während er sich auf dem Rückweg durch eine Felsspalte zwängt. „Es käme für mich einer Katastrophe gleich, wenn jemand den Platz finden und die Pflanzen ausgraben würde“, sagt er im Brustton der Überzeugung.

2 Bilder

Im Jahr 1973 wurde das Washingtoner Artenschutzübereinkommen getroffen. Durch das Abkommen sollen bedrohte wild lebende Tiere und Pflanzen geschützt werden. Seither findet jährlich Anfang März der Tag des Artenschutzes statt. „Dass zu diesem Termin der Seidelbast (Daphne mezereum), eine weitere geschützte Art, schon blüht, ist eher selten. Aber in diesem Jahr können wir ihm schon einen Besuch abstatten“, führt Weigel auf dem Weg zu den rosa blühenden Sträuchern am Amelungsberg oberhalb von Rohden aus. „Das ist Artenschutz pur“, lacht er und weist dabei auf die rotweißen Bänder, mit denen die Pflanzen deutlich sichtbar gekennzeichnet sind.

„Hier wurden gerade Bäume gefällt und das Rückefahrzeug fährt ständig vorbei“, begründet der Forstamtsleiter die Vorsichtsmaßnahme. „Der Unternehmer hat nicht schlecht gestaunt, als ich auf die Kennzeichnung zum Schutz des Seidelbastes bestanden habe“, schmunzelt er. „Einen haben wir noch“, sagt Weigel und steigt erneut aus dem Fahrzeug aus. Nur wenige Meter vom Weg entfernt stehen sie, die Exemplare des Grünen Nieswurz (Helleborus viride). Bei näherem Hinsehen stellt er überrascht fest: „Die blühen ja auch schon.“ Weigel kniet sich ins Laub, um die eher unscheinbare Blüte in Augenschein zu nehmen. Zu seiner großen Freude vergrößert sich der Bestand dieser ebenfalls unter Artenschutz stehenden Pflanze ständig. „Wir legen Wert darauf, dass hier bei Waldarbeiten nicht gefahren oder gerückt wird“, betont der Hessisch Oldendorfer Forstamtsleiter. Die roten Markierungen an den Ahornbäumen signalisierten, dass hier ein geschützter Bereich sei, zeigt er auf die so gekennzeichneten Baumstämme.

„Ich versuche stets, die Forstwirtschaft und den Naturschutz unter einen Hut zu bringen. Das gelingt nicht immer, aber oft“, erklärt Forstdirektor Christian Weigel seinen Anspruch. „Im Fall des Milzfarnes weiß ich aber ganz genau, wie ich die Prioritäten setzen würde“, sagt er lächelnd, als er am Ende der Rundfahrt am Forstamt in der Hessisch Oldendorfer Südstraße aus dem Fahrzeug steigt.

Hüter seltener Pflanzen: Forstdirektor Christian Weigel entdeckt unter Laub den Grünen Nieswurz (Foto oben) und an einem Felshang den höchst seltenen Milzfarn (Foto rechts unten). Mit rot-weißen Bändern ist zum Schutz der Seidelbast gekennzeichnet. bj (3)



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