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Modellflugzeuge heben morgen in Lachem ab / Beim Jedermannfliegen ein neues Hobby entdecken

Wird es brenzlig, übernimmt der Fluglehrer

Lachem (mo). „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Die von Reinhard Mey besungene Unabhängigkeit im Luftraum können zwei Männer gerade nur erahnen. Zum einen haben sie Bodenkontakt, stehen sie doch mit ihren Füßen fest auf einer Rasenfläche im Lachemer Feld, „erdverwachsen wie Niedersachsen“, zum anderen steuern Claus Würfel und Bernd Pattschull nur ein nicht manntragendes Flugmodell. Die Cessna, im Maßstab verkleinert, erreicht mit ihrer Flughöhe nicht annähernd die Wolken.

veröffentlicht am 18.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:21 Uhr

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Vor ihren Oberkörpern halten die beiden Piloten Funkfernsteuerungen, deren Funktionsknöpfe sie akribisch genau und sensibel bedienen, millimeterweise. Die Köpfe haben sie stark nach hinten in die Nacken gelegt, ihre Blicke verfolgen aufmerksam ein mit einem Verbrennungsmotor ausgerüstetes Modellflugzeug, das in 50 bis 100 Metern Höhe über ihnen seine Kreise zieht. Gesteuert wird es von beiden Piloten, jedoch nicht gleichzeitig. Und hier hört es für Claus Würfel mit der Grenzenlosigkeit an Flugmanövern auf. Denn der Hamelner ist beim Jedermann-Fliegen des Modellflugclubs Flugschüler. Eine Lehrer-Schüler-Anlage macht es möglich, dass Fluglehrer Bernd Pattschull per Tastendruck jederzeit die Hoheit über beide Anlagen übernehmen kann, just dann, wenn es brenzlige Situationen erfordern. Dann wird aus dem Schriftführer des Clubs der alleinige Luftfahrzeugführer. Nebenbei zeigt er seinem Kopiloten mit gekonnten Flugmanövern, wie schön Modellfliegen sein kann. Durch spektakuläre Loopings, aufeinanderfolgende Rollen oder wagemutige Rückenflüge wird der Luftraum am Weserufer zu einer kleinen Schaubühne. „Das einzig Gefährliche am Fliegen ist die Erde“, soll der amerikanische Flugpionier Wilbur Wright einmal gesagt haben. Und der Lachemer Erde kommt das Flugzeug einige Male näher als erwünscht. Der rot-weiße Windsack über dem Modellflugplatz des Modellflugclubs Hameln-Lachem flattert waagerecht im Wind. „Wir haben heute eine Windstärke von drei bis vier Knoten, das sind 25 bis 30 Stundenkilometer. Da ist es nicht ganz so einfach, zu fliegen“, erklärt Bernd Pattschull. Dazu komme, dass oben der Wind noch zehn Stundenkilometer schneller wehen kann und Luftverwirbelungen in Bodennähe Starts und Landungen erschweren können. „Ich übernehme“ oder „du fliegst“. Pattschull informiert seinen Flugschüler ständig darüber, wer von beiden momentan die Steuerung übernommen hat. Claus Würfels Gesichtszüge wirken jetzt nach dem zweiten Tankstopp, bei dem Bernhard Gadzimski die Menge eines halben Bierglases Methanol-Öl-Gemisch nachtankte, und nun schon 20 Minuten Flugzeit entspannter als noch bei seinem Jungfernflug. Nun macht ihm das Fliegen sichtlich Spaß. Wesentlich feinfühliger erfolgen auch die Fingertipps an der Steuerung von Höhen- und Seitenruder. „Noch keine Automatismen. Die kommen erst mit der Zeit“, sagt Claus Würfel nach der von Bernd Pattschull sicher eingeleiteten Landung. „Gefühlsmäßig wäre ich lieber etwas tiefer geflogen, weil man dann einen besseren Blick auf das Flugzeug hat“, spricht der 44-jährige Hamelner den nötigen visuellen Kontakt zum Flieger an. Umdenken ist angesagt, wenn das Modell auf den Piloten zufliegt. Dann müssen die Steuerungsknüppel seitenverkehrt bedient werden. „Das war schon o.k., wie er geflogen ist. Man hat gemerkt, dass er schon an einem Flugsimulator gesessen hat. Er hat aber sicherlich die Erfahrung gemacht, dass es hier besser zu lernen ist als am Computer“, sagt Bernd Pattschull zum Abschluss von drei acht Minuten dauernden Übungsflügen.

Am morgigen Sonntag, 19. August, können weitere Flugschüler versuchen, das Trainingsmodell sicher über den Modellflugplatz in Lachem kreisen zu lassen. Von 10 Uhr bis 18 Uhr findet das nächste Jedermannfliegen des Modellflugclubs Hameln-Lachem auf dem Platz im Feld kurz vor der Weser statt.

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