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Für 14- bis 18-Jährige kaum Angebote / Neue Pläne bewegen sich weiter auf niedrigem Niveau

Wird die Jugendarbeit kaputtgespart?

Hessisch Oldendorf (doro). Klaus-Dieter Leupold hätte wohl gern ein bestelltes Feld hinterlassen – alles geregelt und aufgeräumt, so wie es die Art des scheidenden Fachbereichsleiters für Familie, Jugend und Sport bei der Stadt Hessisch Oldendorf war. Doch auf die Gleichstellungsbeauftragte Margareta Seibert, die ab Februar kommenden Jahres an seine Stelle rücken wird, kommen strukturelle Veränderungen zu, deren Qualität sich erst einmal zeigen muss. Ganz oben auf der Liste steht die offene Jugendarbeit. Sie liegt derzeit in Hessisch Oldendorf mehr oder weniger am Boden. Während die Jüngeren die städtische Malschule mit ihrem vielseitigen Programm besuchen können, sieht es für die 12- bis 18-Jährigen mau aus. Öffentliche Angebote gibt es kaum, bis auf den Mädchentreff unter städtischer Leitung und das breitgefächerte, aber zeitlich begrenzte Ferienpassangebot von Jugendpfleger Tarik Oenelcin. Auch auf einen eigenen Raum für einen Jugendtreff wartet diese Altersgruppe seit Jahren.

veröffentlicht am 20.12.2012 um 10:24 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:41 Uhr

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Der Verein für Kinder- und Jugendarbeit hat die Teenager, auf die er bei seinem Antritt vor allem seine Aufmerksamkeit richten wollte, schon lange aus den Augen verloren. Die Stadt ihrerseits hatte zu Beginn des Projekts „HOkids überall“ ihr Engagement in der offenen Jugendarbeit zurückgefahren, in der Annahme, dass der Verein sich mit dem Thema auseinandersetzt. Über dessen Arbeit habe man bei der Stadt keine Kenntnis – der Verein suche das Gespräch nicht, sagt Bürgermeister Harald Krüger. Ob das Projekt nach Auslauf der Förderung fortgeführt wird, ist fraglich. Zum Jugendtreff in den Räumen der Malschule kamen unter der Leitung der letzten Mitarbeiterin für Jugendarbeit der Stadt allerdings auch kaum Jugendliche.

Nach Ausscheiden der Mitarbeiterin war die Stelle wieder ausgeschrieben, aber nicht besetzt worden. „Zu unattraktiv“, glauben Bürgermeister Harald Krüger und Margareta Seibert, denn: Waren es ursprünglich einmal 40 Stunden, mit denen eine Praktikantin im Anerkennungsjahr die Stelle ausfüllte, reduzierte sich die Stundenzahl im Laufe der Zeit immer mehr. Übrig blieben am Ende lediglich 20 Stunden, die derzeit niemand ausfüllt. Und weil Mitte nächsten Jahres auch die Leiterin der Malschule in Rente geht, hat man sich im Rathaus überlegt, beide Halbtagsstellen zusammenzufassen. Was sich zunächst sinnig anhört, wirft bei näherer Betrachtung einige Fragen auf: Denn die Person, die die Stelle antritt, sollte sowohl mit Vier- als auch 14-Jährigen umgehen können. Im Klartext: Sie soll Erzieherin und Sozialpädagogin in einem sein. Nachmittags basteln und Rotznasen putzen und abends beim Jugendtreff auf die Probleme Pubertierender eingehen. Passt das wirklich? Oder geht es langfristig um Einsparungen?

„Unsere Annahme ist, dass eine Halbtagsstelle im Nachmittagsbereich beziehungsweise Abendbereich zu unattraktiv ist, deshalb versuchen wir, mit der Kombination eine attraktivere Stelle zu schaffen. Ob dies gelingt, wird das Auswahlverfahren zeigen. In den beiden vergangenen Verfahren war die Halbtagsstelle der Grund, weshalb sich nur wenige beworben haben“, sagt Margareta Seibert.

Ausgeschrieben werden soll die Stelle mit dem Qualifikationsprofil „Erfahrung in der offenen Kinder- und Jugendarbeit“ für Sozialpädagogen oder Erzieher/innen, die bereits Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit haben. „Das Studium der Sozialpädagogik ist nicht auf eine Altersgruppe ausgerichtet und qualifiziert für die Altersgruppen von 0 bis 100 Jahre“, sagt Seibert, „und auch in der Erzieherinnenausbildung gibt es Lehrinhalte zu Jugendarbeit, da einige Erzieher später in Horten, Jugendzentren oder in der Heimarbeit mit Jugendlichen arbeiten.“ Die Befähigung und Offenheit für beide Bereiche werde vorausgesetzt.

Eine ungewöhnliche Umstrukturierung wird es auch für die alte Stelle von Diplom-Sozialpädagogin Margareta Seibert geben, die zuvor vor allem für Kindergärten und Schulen verantwortlich war. An ihre Position rückt Verwaltungsfachmann Gerd Kube. Die Stelle des Fachbereichsleiters, die in der Regel viel Verwaltungs-Fachwissen fordert, wird dagegen von der Fachfrau für soziale Angelegenheiten besetzt. Falsche Welt? „Nein“, sagt Margareta Seibert, man werde die Aufgaben so aufteilen, dass jeder seine Fachkompetenzen effektiv einsetzen könne. Eine unumstößliche Zuordnung gebe es für die Stellen nicht, auch in anderen Kommunen werde das flexibel gehandhabt.

Der Bereich Jugend und Sport wird weiter in der Hand von Jugendpfleger Tarik Oenelcin bleiben. Zu seinen Aufgaben zählen ebenfalls die Jugendarbeit mit Schwerpunkt Ferienpass sowie die Gesamtleitung der Malschule.

Gemeinsam mit den Jugendlichen plant Tarik Oenelcin die Skater-Anlage, auf die die Jugendlichen schon lange warten.



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