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Vorschlagliste über erhaltenswerte Grabsteine nicht mehr aktuell / Politische Beratung notwendig

Wird der alte Friedhof in Zukunft ein Park?

Hessisch Oldendorf (doro). 67 Jahre ruht Friedrich Falke nun in Frieden auf Hessisch Oldendorfs ältestem Friedhof an der Waldenburger Straße. Er starb im gleichen Jahr wie sein Sohn Friedrich, den 1943 in Russland eine feindliche Kugel in den Kopf traf. „Er fiel in höchster Pflichterfüllung. Trotz des heftigen feindlichen Feuers gab er laufend seine Feindbeobachtungen durch, womit er einen wesentlichen Anteil an der erfolgreichen Abwehr des Angriffs hatte“, schreibt damals der zuständige Oberstleutnant und Kompanieführer in der Todesnachricht an die Familie. Seine letzte Ruhe findet der am 20. Juli 1943 mit nur 20 Jahren gestorbene Soldat etwa 50 Kilometer östlich von Jelenia, Russland. Doch auch in der Heimat hat man ihn nicht vergessen: Auf dem Hessisch Oldendorfer Friedhof erinnert eine Inschrift im Grabstein der Familie Falke an den an der Ostfront Gefallenen. Es ist dieses Gedenken an den Krieg und seine Opfer, das den Stein zu einem „erhaltenswerten Stein“ macht, der wohl auf dem Friedhof stehen bleiben darf, für den es längst keine neuen Belegungsrechte mehr gibt.

veröffentlicht am 06.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

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Dass der Stein stehen bleiben darf, ist Maria Falke und ihrem Sohn Thomas inzwischen bestätigt worden – nach ausgiebiger Recherche, wie er sagt. „Es war gar nicht so einfach, das herauszubekommen“, meint Thomas Falke. „Meine Mutter wusste nur, dass 30 Jahre Liegezeit um sind.“ Ob es etwas kostet, wenn der Stein auf dem Friedhof verbleibt, ob man einen neuen Antrag stellen muss oder ob man sein Eigentum einfach abholen kann, auf all diese Fragen hätte der Hessisch Oldendorfer gern eine Antwort gehabt. Geben konnte sie nach Aussage von Thomas Falke zunächst niemand. Schließlich bekam er von einer Mitarbeiterin des Friedhofsamtes die Information, dass in der Verwaltung eine Liste mit „erhaltenswerten Steinen“ existiere. Und in der Tat: Eine handgeschriebene Kartei des Kirchenkreisamtes Rinteln, das vor über 30 Jahren zuständig war, ist im Zuge der Gebietsreform in der Hessisch Oldendorfer Stadtverwaltung gelandet. In ihr sind alle Daten fein säuberlich vermerkt. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir nach Ablauf der Frist von der Stadt informiert werden, so wie es normalerweise bei einer Grabstelle ist, deren Liegezeit nach 30 Jahren zu Ende geht“, sagt Thomas Falke.

Bei neueren Friedhöfen informiere die Stadt in der Regel die Personen, die ein Nutzungsrecht haben, wenn die Liegezeit vorbei ist, erklärt Andreas Hunte, Mitarbeiter der Stadt. „Sofern wir die Adresse haben.“ Bei Personen, die nicht ausfindig gemacht werden können, werde in der Zeitung auf die Einebnung des Grabes hingewiesen.

Anders sieht es beim alten Friedhof aus, „weil die Daten gar nicht im System sind“, sagt der Mitarbeiter. Es werde in diesem Fall erwartet, dass die Hinterbliebenen selbst auf die Stadt zukommen. „Das hätte Herr Falke auch machen können“, sagt Andreas Hunte.

Eine Chance, sich noch einmal auf die Spuren der Ahnen zu begeben, ohne selbst aktiv zu werden, haben Uninformierte allerdings noch: 2012 soll der Friedhof entwidmet werden, doch geplant werden darf schon ab 2011. Ob der alte Friedhof sich in einen Park mit stadtgeschichtlich relevanten Grabstellen umwandeln lässt, ob für solch ein Projekt Zuschüsse aus dem Leader-Topf möglich sind, dazu kann und will sich der Mitarbeiter der Stadt nicht äußern. „Das muss politisch beraten werden“, sagt er und fügt an: „Grabmalerhaltung wird ein großes Thema.“ Nur so viel ist herauszubekommen: Die einst von Schuldirektor Otto erstellte Vorschlagsliste bezüglich erhaltenswerter Steine „sei nicht mehr aktuell“.

Das kommt Carl Cordemann, Vorstandsmitglied des Heimatbundes und des Baxmann-Fördervereins, recht. „Es ist eine Überlegung wert, ob man Begräbniskulturen der gesamten Zeit einbezieht.“ Für die auf dem Friedhof beerdigten Ahnen Cordemanns wäre das durchaus sinnvoll, denn sonst würde wohl nur das Grab von Heinrich Steierberg und seiner ersten Frau Bestand haben, nicht aber das der zweiten Frau Ida, die direkt daneben beigesetzt wurde.

Carl Cordemann kann sich einen Park grundsätzlich gut vorstellen, allerdings dürfe das Areal nicht so zugewachsen bleiben. Ob der Park als solcher angenommen würde, wagt er außerdem zu bezweifeln.

2012 soll der Friedhof entwidmet werden, doch geplant werden darf schon ab 2011. Ob der alte Friedhof sich in einen Park mit stadtgeschichtlich relevanten Grabstellen umwandeln lässt.

Foto: ah

Maria Falke am Grab von Friedrich Falke, den 1943 eine tödliche Kugel in Russland traf. Eine Inschrift erinnert daran und macht den Stein deshalb erhaltenswert.

Foto: doro



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