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Abbrucharbeiten stören den Unterricht

„Wir werden ganz schön abgelenkt“

Hessisch Oldendorf. Elf Jahre ist es her, seit ein Container voller Menschen für öffentliche Diskussionen sorgte. Damals handelte es sich um die Fernsehshow Big Brother. In Hessisch Oldendorf stehen nun seit zwei Monaten auf dem Schulhof der Wilhelm-Busch-Realschule wie der Hauptschule am Hohenstein ebenfalls Container. Dort verfolgen jedoch keine Fernsehkameras, was im Inneren abläuft. Seit Jahresbeginn findet darin der Unterricht von sieben Realschulklassen statt. Grund sind Umbau- und Erweiterungsarbeiten: Über das PPP-Modell (Public Private Partnership) werden Haupt- und Realschule baulich zusammengeführt, was langfristig den Schulstandort sichern wird (wir berichteten). Dafür ist ein Jahr Bauzeit eingeplant.

veröffentlicht am 21.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:21 Uhr

Vorm Fenster wird gearbeitet; Viktoria und Marius versuchen, dem Unterricht zu folgen. Fotos: ah

Autor:

Annette Hensel
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Eine der Containerklassen ist die 10 c, in der die Schülerinnen und Schüler an ihren gewohnten Tischen sitzen. Leisten am Fußboden weisen darauf hin, dass hier aus mehreren Elementen ein Klassenraum entstanden ist. In den ersten Minuten verläuft der Unterricht ganz normal, diskutieren Lehrer und Schüler über die soziale Marktwirtschaft. Plötzlich rollt ein Bagger über den Schulhof. Durch die Fenster des ebenerdigen Raums ist jede Bewegung auf dem Schulhof, der derzeit eine Baustelle ist, genau zu beobachten. Der Bagger manövriert Abbruchgestein zu einer Bauschuttmulde, die Baggerschaufel senkt sich. Als der Steinbrocken auf den Boden der Mulde fällt, geht der dumpfe Aufprall wie eine Welle durch den Container. Sofort ist die Konzentration bei einigen Schülern dahin, schielen Augenpaare zum Bagger hinüber. Weitere Erschütterungen folgen. Von nun an begleitet Motorengeräusch, nicht laut, dafür aber unablässig, den Unterricht. „Wir werden dadurch ganz schön abgelenkt“, sagt Viktoria (17). Shamen (16) findet es im Container insgesamt beengter und zu laut. „Die Räume sind jetzt mehr in die Länge gezogen“, beschreibt es Marcel (17). „Es ist nur für eine absehbare Zeit so, und das ist gut so“, fügt Lolita (16) hinzu. Daniel (15) aus der 10 c hingegen gefällt es im Container, er ist vor allem von der neuen Activeboard, einer elektronischen Tafel, begeistert.

Auch die Schulverwaltung ist umgezogen: Gleich hinter dem Containereingang auf dem Hauptschulhof befindet sich rechter Hand das Sekretariat der Realschule nebst Schulleiter-Büro. Rektor Ottmar Framke gesteht, im Vorfeld keine genaue Vorstellung davon gehabt zu haben, wie die Klassen in den Containern zurechtkommen sollten. „Ich war positiv überrascht, wie schnell die Containerstraße errichtet wurde, und dass wir hier den normalen Komfort, sei es im Bereich der Technik oder der sanitären Anlagen, vorfinden“, sagt Framke und ergänzt: „Unsere EDV-Anlage konnte installiert werden, die Heizung funktioniert einwandfrei.“

Aber er sieht auch die Probleme: „Hier drinnen ist alles enger als im Schulgebäude, besonders in der Verwaltung“, erklärt der Schulleiter; zudem sei es mit der Akustik schwierig. „Die Schallisolierung ist nicht ideal; seit die Abrissarbeiten nach der Frostpause wieder eingesetzt haben, wirkt sich das nicht gerade positiv auf den Unterricht aus“, so Framke, der hinzufügt: „Ist der Presslufthammer in Aktion, übertönt er sogar die Stimme der Lehrer.“ Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen auf dem Bau sei jedoch gut, bestimmte Abrissarbeiten extra auf den Nachmittag gelegt worden. „Bei Klassenarbeiten versuchen wir notfalls in unser Mutterhaus auszuweichen“, sagt Framke.

Die Container-Elemente stehen auf dem jetzt kleinen Schulhof.

Verändert hat sich auch die Gestaltung der Hofpausen. Durch die Container und die abgezäunte Baustelle steht Haupt- wie Realschülern nur wenig Platz auf den Schulhöfen zur Verfügung. „Die meisten nutzen nun die Mensa als Aufenthaltsraum in den Pausen“, sagt Ottmar Framke. Etwas sorgenvoll blickt er in Richtung Sommer. „Da werden wir wohl in den Containern brüten“, meint er. Bislang würden die Eltern großes Verständnis für die ungewohnte Schulsituation zeigen, ist Framkes Eindruck nach einer Schulelternratssitzung vor wenigen Tagen. „Die Eltern wissen eben, dass das hier nicht aus Schikane passiert, sondern, dass es hier um eine Verbesserung der Schulsituation für ihre Kinder geht“, erklärt der Schulleiter.



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