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Ganztagsschule als Erfolgsmodell

„Wir haben offene Türen eingerannt“

Hemeringen (bj). „Die Vorbereitungen waren wirklich zeitintensiv, aber wir sind froh, dass wir diesen Weg gegangen sind“, sagt Renate Papay, die Leiterin der Grundschule. Gemeint ist das Angebot der Offenen Ganztagsschule, das die Hemeringer Schule als erste im Hessisch Oldendorfer Stadtgebiet Kindern und Eltern bieten kann. Seit dem Schuljahresbeginn im August wird nach dem neuen pädagogischen Konzept gearbeitet.

veröffentlicht am 28.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:21 Uhr

Hemeringer Grundschüler vor dem stilisierten Baum, der ihr Leitbild symbolisiert. Fotos: bj
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Nach einer Vorgabe aus dem Niedersächsischen Kultusministerium sollten zum Schuljahresbeginn 2010 die Vollen Halbtagsschulen in Verlässliche Grundschulen umgewandelt werden. Das hätte für die Hemeringer Schule bedeutet, dass Lehrerstunden gekürzt und dafür ein größerer Teil der garantierten Betreuungszeit von pädagogischen Mitarbeitern hätte übernommen werden müssen. Nach den positiven Erfahrungen mit der Stundentafel der Vollen Halbtagsschule entstand bei den Lehrerinnen deshalb der Wunsch, die Arbeitsgemeinschaften und Angebote außerhalb der reinen Unterrichtszeit weiter anbieten zu können. Sie sehen darin nicht nur die Chance auf anderen Ebenen mit den Schülern in Kontakt zu kommen, sondern durch die Angebote im sozialen, sportlichen und musischen Bereich die Sozialkompetenz der Schüler zu steigern. Die Vorabfrage bei den Eltern zeigte, dass Bedarf besteht und „wir offene Türen einlaufen“ bemerkt ein Mitglied des fünfköpfigen Kollegiums. Die Mitglieder des Ortsrates Hemeringen-Lachem stellten sich hinter die Eltern und das Kollegium und fassten in einer Sitzung den einstimmigen Beschluss, die Stadt Hessisch Oldendorf möge als Schulträger bei der Landesschulbehörde den Antrag auf Genehmigung einer Offenen Ganztagsschule stellen.

Mit Erfolg, seit August haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, aus dem offenen Angebot auszuwählen. Das heißt, sie entscheiden mit ihren Eltern, ob sie dienstags, mittwochs und donnerstags bis 15.15 Uhr in der Schule bleiben möchten, oder nur an einem oder zwei Tagen an den Arbeitsgemeinschaften und Projekten teilnehmen möchten. Beaufsichtigt, unterstützt und zu eigenständigem Handeln angeleitet werden die Mädchen und Jungen dabei grundsätzlich von einer Lehrkraft und einer pädagogischen Mitarbeiterin. Wesentlich ist, dass diese Angebote auch von außerschulischen Kooperationspartnern, wie Sportvereinen, Musikschulen oder Einzelpersonen gemacht werden können.

Die Anmeldung erfolgt dann für ein Schulhalbjahr und verpflichtet zur regelmäßigen Teilnahme. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen, von den 77 Schülerinnen und Schülern unserer Schule haben 53 das Angebot angenommen, 24 von ihnen sind an allen drei Tagen bis nachmittags hier“, sagt Renate Papay. Zur Ganztagsschule gehört, dass die Kinder unter Aufsicht einer Lehrerin ihre Hausaufgaben anfertigen können, „da wir statt der erwarteten 20 Schüler aber 35 bis 42 hier haben, kann es sich nur um Hilfestellungen handeln. Wir können es nicht leisten, alle Hausaufgaben zu kontrollieren“, fügt die Schulleiterin an.

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Eine wesentliche Neuerung an der einzügigen Hemeringer Schule ist, dass die Mädchen und Jungen die Möglichkeit haben, gemeinsam die Mittagsmahlzeit einzunehmen. „Der Antrag an die Stadt Hessisch Oldendorf als Schulträger, für die Verpflegung Sorge zu tragen, stieß bei uns auf positive Resonanz. Wir haben die Schule bei ihrem Wunsch, sich neu zu orientieren, unterstützt“, erklärt Amtsleiter Klaus-Dieter Leupold. Es wurden Räume verändert, Geschirr angeschafft und ein Caterer gesucht, der an den drei Tagen das Essen liefert. Eine Kraft für die Essensausgabe zu verpflichten, gehörte ebenso zu den Aufgaben der Stadt, wie das Stundenkontingent der Schulsekretärin zu erhöhen. „Wenn der Kindergarten Anfang 2011 umgezogen ist, sollen zwei weitere Räume umgebaut werden, momentan haben wir für das Mittagsangebot improvisiert“, führt Klaus-Dieter Leupold aus. Schulleiterin Renate Papay wünscht sich „eine Küche, in der für die Kindergarten- und Schulkinder ihren Bedürfnissen entsprechend gekocht werden kann.“

Das Kollegium ist froh, dass es auf seinem Weg zur Einrichtung einer Offenen Ganztagsschule vom Schulträger, der Landesschulbehörde und den Eltern stets unterstützt wurde. Dieses Miteinander entspricht genau dem Leitbild der Schule, das bereits vor geraumer Zeit entwickelt worden war. Als Symbol gilt die dicke Eiche aus der Dorfmitte, die die lebendige Schulgemeinschaft verkörpern soll. Eltern, Lehrer, pädagogische Mitarbeiter und Kooperationspartner bilden die Wurzeln, der Stamm steht für das Lernen selbst. In der Baumkrone wachsen und gedeihen die Kinder als Gemeinschaft. Die fünf Kolleginnen sind sich einig: „Die Umstellung wirkt sich im Schulleben positiv aus. Es gibt ein größeres Miteinander und wir können unser Leitbild ,Gemeinsam lernen und wachsen wir‘ intensiver leben.“

Schüler beim gemeinsamen Mittagessen im Mehrzweckraum, der dafür hergerichtet wurde.



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