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Dialoge im „Sprachendorf“

Wie Kinder spielend Englisch lernen

FISCHBECK. „Sprachendorf“ heißt eine in der Sekundarstufe I zur Abnahme der Sprachprüfung in Englisch eingesetzte Methode. „Wir nehmen hier aber keine Sprachprüfung ab, sondern nutzen die Methode, um die Kinder zu motivieren, das Gelernte anzuwenden“, erklärt Julia Tschernezki , Lehrerin an der Grundschule Fischbeck.

veröffentlicht am 15.06.2017 um 12:25 Uhr

Noah, Grégory und Jacob (v.re.) unterhalten sich am Frühstückstisch auf Englisch. Foto: ah
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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An seinem elften Geburtstag geht Fionn mit Nil und Vianne in den Zoo. Es ist kein richtiger Zoo, sondern ein von Englischlehrerin Julia Tschernezki mit Stofftieren liebevoll gestalteter Raum in der Fischbecker Grundschule. Dort hat sie auch Vokabel-Bildkarten und Karten mit Fragestellungen ausgelegt. Das „Hello“ zur Begrüßung kommt den drei Schülern flott von den Lippen. Dann greifen sie zu den Karten und steigen in einen Dialog zwischen zwei Zoobesuchern und einem Zoowärter ein. „How old is the monkey?“, lautet eine der Fragen, die mit dem korrekten Alter des Affen auf Englisch beantwortet wird. Nach der Phase des Übens wird die Unterhaltung gespielt. Richtig gut machen das schon Nele, Marlen und Nele aus der nächsten Gruppe im Zoo.

„Sprachendorf“ lautet diese in der Sekundarstufe I zur Abnahme der Sprachprüfung in Fremdsprachen eingesetzte Methode. „Wir nehmen hier keine Sprachprüfung ab, sondern nutzen lediglich die Methode, um die Kinder zu motivieren, das bereits Gelernte anzuwenden und sie in ihrem Selbstkonzept zu bestärken“, erklärt Julia Tschernezki.

In Kleingruppen mit unterschiedlichen Leistungsstärken beisammen, suchen die Viertklässler mit Laufpass ausgestattet sechs Stationen auf. Dort finden sie lebensnahe Situationen vor, die sie zuvor im Unterricht besprochen haben. „Beim Arzt“ ist Marie der Doktor, Lina und Justus sind Patienten. Julia Tschernezki hat Arztkittel sowie Pflaster bereitgelegt für die auf Nachfrage zu behandelnde Wunde.

Den Schülern gefällt diese Form der Prüfung, wenngleich die „Aussprache manchmal etwas schwierig ist“, wie sie verraten. Gegenseitig unterstützen sie sich in der Unterhaltung, wenn beispielsweise eine Vokabel fehlt. „Am Imbiss“ bestellen sich zwei Schüler als Kunden Sandwich mit unterschiedlicher Auflage (Salami, Gurken und vieles mehr auf Plastikfolien), später wird mit dem Verkäufer abgerechnet.

„Im Restaurant“ fragt der Ober seine Gäste, ob sie bereit seien zu bestellen. Am festlich gedeckten Tisch überreicht er ihnen die Menükarte, von der sie sich Pizza bestellen – natürlich auf Englisch. Maxim, Laura und Joshua spielen die Szene so lebendig, dass die Gruppe, die sich am Nebentisch vorbereiten soll, die Karten beiseitelegt und zuschaut.

„Auf dem Basar“ wird gehandelt – „that’s too expensive“ („das ist zu teuer“), bevor ein Kauf getätigt wird. Am reich gedeckten „Frühstückstisch“ sitzen Vater, Mutter und Kind beisammen und bedienen sich gegenseitig. Noah, Grégory und Jacob meistern den Dialog hervorragend.

„Julia Tschernezki ist eine junge Kollegin, die bei uns neue Schwerpunkte setzt: Sie hat den Englischunterricht revolutioniert, bietet Englisch seit dem Schuljahr 2015/16 sogar in der ersten Klasse an – und die dritten und vierten Klassen sind in dem Fach jetzt schon richtig gut“, lobt Schulleiter Dr. Michael Nimsch-Faro.: „Das ist gut so, denn Fremdsprachen sind heute wichtiger denn je.“

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet Julia Tschernezki an der Fischbecker Grundschule, im Referendariat war sie am Studienseminar Hameln. „Ich unterrichte auf Englisch, denn der Anspruch ist gewachsen. Die Sprache passt gut in unsere Welt, in der Kinder mit Handys, Skateboards und T-Shirts aufwachsen“, erklärt sie und sagt: „In der ersten Klasse sind die Kinder noch sehr unbefangen und plappern Vorgegebenes nach, in der dritten Klasse trauen sich manche das nicht mehr so einfach.“

Der vierte Jahrgang sei, was den Wortschatz im Sprechen und Hören betreffe, schon sehr weit. „Wir lernen Sprache in der Anwendung, also auch dialogisches Sprechen – Lesen und Schreiben spielt in der Grundschule eine untergeordnete Rolle“, erklärt die Pädagogin, die stolz auf die selbstbewussten Dialoge ihrer Schüler im „Sprachendorf“ ist.

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