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Stadt will Gutachten nicht herausgeben / Ergebnisse in Pressemitteilung wenig überraschend

Wie effizient arbeitet die Verwaltung?

Hessisch Oldendorf (ch). Die grobe Organisation bleibt, wie sie war, es werden keine Mitarbeiter entlassen und es muss kein zusätzliches Geld für den Haushalt im kommenden Jahr beantragt werden: Das sind nach Angaben einer Pressemitteilung der Verwaltung die wichtigsten Ergebnisse einer „Organisationsuntersuchung“, die eine externe Firma von Anfang 2011 bis 2012 in der Hessisch Oldendorfer Stadtverwaltung durchgeführt hat. Wie die Ergebnisse aus erster Hand bewertet werden, ist hingegen nicht zu erfahren. Die Stadt gewährt keine Einsicht in das Gutachten.

veröffentlicht am 30.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:41 Uhr

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Rund 21 300 Euro hat das Gutachten, das von der Firma Firma Conrad & Beck GmbH erstellt wurde, die Stadt gekostet. Es galt, herauszufinden, wie effizient die Verwaltung arbeitet, wie effizient sie organisiert ist. Wo kann Geld eingespart werden, ohne dass die Funktionsfähigkeit darunter leidet? Wo gibt es Schwächen? Was müsste verändert werden, um eine „zukunftsfähige Stadtverwaltung“ zu garantieren? Auf mehrfache Frage dieser Zeitung nach den Ergebnissen wurde immer wieder vertröstet, bis gestern die Ergebnisse veröffentlicht wurden – als Pressemitteilung. Einsicht in das Gutachten selbst zu nehmen, verwehrte Bürgermeister Harald Krüger: „Nein, das sind verwaltungsinterne Dinge.“ Auch dem Rat werde das Papier nicht zur Verfügung stehen, die Mitglieder hätten jedoch die Möglichkeit, Anträge auf Einsichtnahme zu stellen. Die Erkenntnisse, die die Stadt als Ergebnisse der Organisationsuntersuchung veröffentlicht und die Schlüsse, die sie daraus zieht, sind wenig überraschend.

An der Personalsituation soll sich nur geringfügig etwas ändern, vor allem intern sollen Aufgaben anders verteilt, in drei Bereichen leicht ausgeweitet, in zwei reduziert und eine vakante Stelle dadurch neu besetzt werden. Insgesamt, so die Erkenntnis der Untersuchung laut Pressemitteilung, sei eine „kurzfristige und wesentliche Reduzierung des Personalkörpers ohne Reduzierung der Dienstleistungsqualität nicht möglich“. Das entsprach auch den Erwartungen der Verwaltung. „Ich bin davon ausgegangen, dass nicht viel eingespart werden kann“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Frank Werhahn. Er verweist darauf, dass auch die Untersuchung ergeben habe, dass „die derzeitige Stellenausstattung der Stadtverwaltung auch im Vergleich mit anderen Kommunen sehr knapp bemessen ist“.

„Überkapazitäten“ würden allein im Fachbereich Finanzen bestehen. Hier soll ein Mitarbeiter zu Teilen abgezogen werden, der zukünftig die bislang vakante Stelle „Organisation und Strategische Steuerung“ mitübernehmen soll. Optimiert werden sollen die Abläufe im Fachdienst Kinderbetreuung, indem Aufgaben anders verteilt und organisiert werden. So sollen „vorhandene Überbelastungen bei den zuständigen Mitarbeitern“ abgebaut werden. Mehr Stunden sollen auch den Bereichen Bürgerbüro, Personalverwaltung und EDV zuerkannt werden. Jeweils eine halbe Stelle wird im Bürgerbüro und der Personalverwaltung neu geschaffen, eine Viertelstelle in der EDV. Zum Teil werden Stunden unter den Mitarbeitern anders verteilt, hinzu kommen neue Mitarbeiter. Deren Gehalt sei bereits in den Personalkosten, die im Haushaltsplan für 2013 ausgewiesen sind, enthalten, so Werhahn. Alle Ergebnisse der Untersuchung seien darin bereits berücksichtigt. Eingespart werden soll eine halbe Stelle in der Liegenschaftsverwaltung (unter anderem durch Optimierungen bei der Instandhaltung und Bewirtschaftung der Immobilien).

An der grundsätzlichen Organisationsstruktur der Stadtverwaltung soll sich nichts ändern: Es bleibt bei der Aufteilung in drei Fachbereiche und den technischen Betrieben für die Stadtverwaltung. Allein die Aufgabenverteilung soll stärker an einer „internen und externen Kundensicht“ ausgerichtet werden. Das würde bedeuten, dass der Fachdienst Ordnung, Standesamt und Bürgerbüro aus dem Fachbereich I in den Fachbereich II wechselt. Der Fachbereich I bekommt damit eine interne Funktion „zentrale Steuerung und Service“. Die Fachbereiche II und III orientieren sich an den externen Kunden/Bürger/Unternehmen, wobei der Fachbereich II für allgemeine Bürgerdienstleistungen und der Fachbereich III für die besonderen Bürgerdienstleistungen „Bauen und Stadtentwicklung“ zuständig sein soll. „Dadurch werden die Verantwortungsbereiche klarer abgegrenzt“, erklärt Werhahn. Zudem würde durch die Neuorganisation die Zahl der Mitarbeiter, die jedem Fachbereichsleiter unterstellt sind, in etwa angeglichen. Eventuell sollen im Fachbereich III die AG „Liegenschaften“ und die AG „Straßenwesen und Gewässer“ zu einer AG „Liegenschaften, Straßen und Gewässer“ zusammengefasst werden. Dadurch könnten nach Angaben der Verwaltung Arbeitsstunden eingespart werden, wenn zum Beispiel zukünftig nur noch eine statt zwei Dienstbesprechungen vonnöten wären.

„Es ist gut, dass wir jetzt einen Status quo haben“, sagt Werhahn über den Zweck der Organisationsuntersuchung. Wie der nach dem Gutachten tatsächlich aussieht, ist jedoch weiter fraglich.

Die Frage, wie effizient im Rathaus gearbeitet wird, interessiert nicht nur die Verwaltung. Dennoch ist diese die einzige, die das Gutachten zur Verfügung gestellt bekommt.

Foto: Dana



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