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Hannelore Niemeyer aus Hemeringen hat sich mit Leidenschaft der Ahnenforschung verschrieben

Wenn Namen zur Passion werden

Hemeringen. Schon die Zahl ist beeindruckend: 6000 Personen mit dem Familiennamen Niemeyer und Verwandte sind in einem Buch verzeichnet. Mit dabei Väter, Mütter, Großmütter und Urenkel. Zusammengetragen wurden diese 6000 Niemeyer von Hannelore Niemeyer aus Hemeringen. Zwei Jahre hat sie dafür in vielen Quellen, hauptsächlich in alten Kirchenbüchern, recherchiert. Alte Kirchenbücher reichen „nur“ bis in das Jahr 1570 zurück. „Deshalb sind die Niemeyer von 1570 bis heute aufgeführt“, erklärt dazu die Autorin.

veröffentlicht am 03.01.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 06:41 Uhr

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Autor:

von uwe Bosselmann
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Ahnenforschung ist das Hobby, dem sich die Hemeringerin seit Jahren verschrieben hat. „Wir sind in der Chronik des Gutes Posteholz über die Hof-stelle Niemeyer gestolpert. Dieser Jobst Niemeyer ließ sein Vieh oft bei anderen im Wald fressen und lag dadurch mit seinen Nachbarn oft im Streit“, erzählt die Ahnenforscherin. Damit wurde erneut die Neugier auf die Geschichte ihres eigenen Namens „Niemeyer“ geweckt. Allerdings sind die „Niemeyer“ nicht ihr erstes Buch. Ebenfalls aus ihrer Recherche stammen „Die Familien in der Kirchengemeinde Carolinensiel von 1777 bis 1957“. Seit rund zwanzig Jahren beschäftigt sich die Hobbyahnenforscherin mit ihrer Geschichte. „Zuerst habe ich mit meiner Familie angefangen. Die Eltern meiner Großmutter stammen aus Carolinensiel. Sie sind 1884 von dort nach Amerika ausgewandert. Meine Großmutter wurde 1885 in IOWA/USA geboren und so habe ich angefangen, die Geschichte meiner Vorfahren aus den alten Kirchenbüchern in Carolinensiel aufzuschreiben. Besonders schwierig ist die patronymische Namensgebung in Ostfriesland. Dabei werden die Vornamen der Väter als Nachname für die Kinder genommen. Das erforderte eine sehr aufwendige Recherche bei den Namen“, blickt Hannelore Niemeyer zurück. Ab etwa 1813 wurde dieses Problem abgeschafft und somit die Forschung erleichtert.

Unzählige Stunden verbrachte sie in den Pfarrämtern. Interessant seien die alten Kirchenbücher, so die Hemeringerin: „In den alten Schriften sind neben Geburts-, Konfirmations- und Heiratsdaten das Sterbedatum und sogar die Todesursache vermerkt.“ Interessant ist auch, dass in den Carolinensieler Büchern diverse Hamelner Leute aufgeführt sind, die als Soldaten damals dort stationiert waren. „Eine große Hilfe waren die Pastorin Boesemann in Carolinensiel und hier das Pastorenehepaar Jens Riesener und Dagmar Knackstedt-Riesener, die es mir ermöglichten, Einblick in die Kirchenbücher zu nehmen“, erzählt die Namensforscherin.

Die Frage nach ihrem System beantwortet sie folgendermaßen: „Ich habe aus den Kirchenbüchern alle Daten abgeschrieben und dann in einer Datenbank auf meinem PC erfasst.“ Nach fünfjähriger Recherche sind zwei Bände der Familien in der Kirchengemeinde Carolinensiel von 1777 bis 1957 herausgekommen. „Die Jahreszahl 1777 ist nicht willkürlich, sondern bis in dieses Jahr reichen die Kirchenbücher zurück“, erklärt die Hemeringerin. Rund 15 000 Namen und sämtliche Angaben sind in den Bänden verzeichnet. Mit ein wenig Stolz erzählt Hannelore Niemeyer, dass fast die gesamte Auflage von 200 Exemplaren vergriffen ist. Mehr als 100 Pakete wurden allein in alle Welt verschickt.

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  • Spannende Lektüre: Ein altes Kirchenbuch. ubo

Das „Niemeyer-Buch“ wird allerdings für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben. „Da die Namen der Niemeyer bis in die heutige Zeit reichen, wird das Buch aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht. Wer den Namen ,Niemeyer‘ trägt, dem gebe ich gerne Auskunft, wer seine Ahnen waren“, hebt die Hobbyahnenforscherin hervor.

Ahnenforschung oder auch Genealogie (griechisch) ist laut Brockhaus die Wissenschaft von Ursprung, Reihenfolge und Verwandtschaft der Familien. Schon immer hat es den einzelnen Menschen interessiert, wer seine Vorfahren waren. Den Ursprung der Genealogie findet man bei den alten Ägyptern, Römern, Juden und Germanen. Schon damals wurden Geschlechtsregister geführt, um zu sehen, wer zu den Götter-, Königs-, Helden- oder Priestersippen gehörte. Während im Mittelalter die Ahnenforschung praktisch-rechtlichen Zwecken diente, führte die Ahnenforschung in der Renaissance durch Ruhmsucht und Schmeichelei oft zu Fälschungen. Allerdings hat die Genealogie neben der Sonnenseite auch eine Schattenseite. Seit dem späten 18. Jahrhundert ist die Ahnenforschung akademisches Lehrfach und erlebte im 19. Jahrhundert ihre Hochblüte. Zur Schattenseite zählt, dass der Nationalsozialismus die Genealogie zur Erreichung seiner Ziele einsetzte.

Heute ist die Genealogie, die von zahlreichen privaten Hobbyforschern betrieben wird, eine geschichtliche Hilfswissenschaft. Sie klärt in heutiger Zeit die Abstammungsverhältnisse einzelner Geschlechter und die daraus resultierenden Fragen zum Besitz und zu den Herrschaftsverhältnissen. Jedoch gehören diese Fragen nicht nur zu den großen Herrschern. Ein jeder möchte wissen, wer sie/er ist. Das fängt bei den eigenen Eltern an und hört beim Stammbaum der Generationen noch nicht auf. Während „Wunschkinder“ aus dem Reagenzglas später oftmals im Unklaren gelassen werden, wer ihr wirklicher Vater oder ihre wahre Mutter ist, haben die, die den Namen Niemeyer tragen, dank Hannelore Niemeyer die große Gewissheit, wer ihre Vorfahren waren.

Und auch eine Anekdote weiß die Hobbyforscherin zu erzählen: „Meine Urgroßeltern sind ja mit drei Kindern, darunter einem drei Monate alten Baby, nach Amerika ausgewandert. Drei Tage bevor das Schiff in New York ankam, starb das Baby. Sie mussten es über Bord werfen, da keine Leichen in die USA eingeführt werden durften. Dann starb meine Urgroßmutter so früh. Da saß mein Urgroßvater nun mit zwei kleinen Kindern allein da. Von der Verwandtschaft in Carolinensiel wurde eine Frau ausgeguckt, die in die USA übersiedelte. Sie heiratete meinen Urgroßvater eine Woche nach ihrer Ankunft, ohne ihn zu kennen. Ist das nicht kurios?“, fragt die Autorin und schiebt hinterher: „Ahnenforschung ist so spannend!“



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