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Mit dem Fahrrad nach Fischbeck – Flüchtlingshilfe organisiert informativen und unterhaltsamen Nachmittag im Stift

Wenn Muslime in die Kirche gehen

FISCHBECK. Das Stift Fischbeck war Ziel von 30 Flüchtlingen und ehrenamtlichen Betreuern der ACKH-Flüchtlingshilfe. Im Rahmen des Projektes „ACKH on tour“ hatten sich die Teilnehmer aus Syrien, Afghanistan, Montenegro, dem Irak, Iran und Libanon mit Fahrrädern von Hameln aus an der St.-Augustinus-Kirche, der St.-Elisabeth-Kirche und am Haydnweg im Englischen Viertel auf den Weg gemacht. Neben einer Führung durch das Stift stand ein gemeinsames Kaffeetrinken im Gemeindehaus mit anschließender Tombola rund ums Fahrrad mit Preisen im Wert von 1200 Euro auf dem Programm.

veröffentlicht am 20.06.2017 um 19:17 Uhr

Ankunft im Stift Fischbeck: Die Flüchtlinge und ehrenamtlichen Betreuer sind von Hameln aus nach Fischbeck geradelt. Foto: tac

Autor:

Alexander Tacke
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„Finanziell ermöglicht wurde diese Veranstaltung durch die niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung“, erklärte Tour-Organisator Wolfgang Nowotny, der die im Verhältnis zu anderen ACKH-Veranstaltungen geringere Teilnehmerzahl auf den Ramadan zurückführt. „Viele muslimische Flüchtlinge fasten. Da wäre eine Fahrradtour einfach zu anstrengend.“ Deshalb habe man auch auf das ursprünglich geplante Grillen im Pfarrgarten verzichtet. Da aber nicht das Essen, sondern die Vermittlung der deutschen Kultur und das Gespräch zwischen Flüchtlingen und Deutschen im Vordergrund standen, fand auch bei Kaffee und Kuchen ein reger Austausch statt. Hassan erzählt Ursula Kasting, dass er noch eine Sprachlernklasse besuche, aber nach den Ferien in eine reguläre siebte Klasse der Wilhelm-Raabe-Schule komme.

Der Iraker Omed, der ihm gegenübersitzt, fragt, woher er komme. „Ich komme aus dem Irak und bin Kurde“, antwortet Hassan. Kurz werden ein paar Worte in Kurdisch gewechselt, dann wird wieder Deutsch gesprochen. „Ich spreche Arabisch, Kurdisch, Türkisch und Englisch“, sagt der 29-Jährige, „aber Deutsch ist am schwersten, vor allem die Artikel.“ Gerne würde er mehr Deutsch sprechen, doch die Kontakte mit Einheimischen seien sehr begrenzt. „Die Menschen in Hameln sind freundlicher als in Berlin oder Hannover, aber viele gehen morgens zur Arbeit und kommen erst abends nach Hause.“ Das mache Begegnungen schwieriger. Sein Nachbar Rahim stammt aus dem Iran. Er spricht noch nicht so gut Deutsch wie Omed und bevorzugt daher Englisch. Der Montenegriner Semin, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt, würde gerne arbeiten: „Momentan bin ich nur ehrenamtlicher Helfer bei der Hamelner Tafel und in der Fahrradselbsthilfewerkstatt.“

Den Kindern, die fast alle in heimischen Vereinen Fußball spielen und durch die Schule täglich Kontakt mit Deutschen haben, fällt die Sprache deutlich leichter. Das zeigte sich bei der anschließenden Tombola, die vom Sozialpädagogen David Bartsch durchgeführt wurde, der im Englischen Viertel auch die Fahrradselbsthilfewerkstadt und das Projekt „Fuß fassen“ betreut. Während beim ersten Durchgang das Glücksrad gedreht werden musste und Gutscheine eines Hamelner Fahrradgeschäftes zwischen 20 und 50 Euro gewonnen werden konnten, mussten im zweiten Durchgang Fragen rund ums Fahrrad beantwortet werden. Wer eine Frage richtig beantwortet hatte, durfte sich Fahrradzubehör seiner Wahl aussuchen.

Bei Antworten, die einen umfangreicheren Wortschatz voraussetzten, punkteten die Kinder ganz klar.

Bei der einstündigen Stiftsführung durch Äbtissin Katrin Woitack und den Pastor im Ruhestand, Dr. Heinrich Kasting, erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über das im Jahr 955 gegründete Frauenstift über die Kirche, den Wandteppich aus dem Jahr 1583 und über die Krypta mit ihrer beeindruckenden Akustik. Damit die Besucher auch alles verstanden, übersetzten Rafik Badawi die Ausführungen ins Arabische und Fahad Hudsch ins Kurdische. Da der Iraner Rahim Christ ist, kannte er bereits christliche Kirchen. Auch der Muslim Omed war im Irak oft in Gottesdiensten, „weil ich viele christliche Freunde hatte“. Für den Syrer Dirar war es hingegen ein besonderes Erlebnis: „Ich war zum ersten Mal in einer Kirche und fand es wunderschön.“ Ein Flüchtlingskind sorgte bei der Vorstellung in der Kirche für Lacher und zeigte, dass es angekommen ist: Als es bei der Frage nach seiner Herkunft nicht sein Heimatland, sondern ganz selbstverständlich Hameln nannte.



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