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Kultfilme im Kultourismusforum – doch was zeichnet einen Kultfilm eigentlich aus?

Wenn im Kino Klassiker laufen

Hessisch Oldendorf. Der Culturverein zeigt im Kultourismusforum Kultfilme, Kultfilme werden im Kultourismusforum vom Culturverein gezeigt – dieser Zungenbrecher muss erst einmal genüsslich und fehlerfrei über die Lippen gebracht werden, was nicht immer gelingt. Umso lobenswerter ist das Engagement, zumindest einmal im Monat wieder einen Kinotag in der Weserstadt anzubieten. Und das bei „Freiem Eintritt – Kinder die Hälfte“. Doch was kennzeichnet eigentlich einen Kultfilm als Kultfilm? Das kann ein bestimmtes Filmzitat sein wie etwa „Luke, ich bin Dein Vater“, den der schwer asthmatisch klingende Darth Vader durch seine futuristische Maske, die sein Gesicht verbirgt, seinem Sohn in „Star Wars“ röchelnd entgegenschleudert. Oder das Statement des leider jungverstorbenen Schauspielers John Belushi alias Jake: „Wir sind unterwegs im Namen des Herren“, das ihn gemeinsam mit seinem Blues Brother Elwood, dargestellt von Dan Aykroyd in den Filmolymp katapultierte und den Filmfans auch heute noch ein Grinsen ins Gesicht treibt. Und dabei hat dieser Film bereits satte 34 Jahre auf dem cineastischen Buckel.

veröffentlicht am 13.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 06:21 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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Allerdings sind Kultfilme immer auch Geschmackssache. Wer würde sich heute noch daran erinnern, wer Keyser Soze tatsächlich war, wenn nicht Kevin Spacey als verkrüppelter Verbal Kint nur durch eine minimale Geste, die allerdings Hand und Fuß hat, einen komplexen Thriller wie „Die üblichen Verdächtigen“ von 1995 im Finale erklärt. Auch der Filmtitel des Thrillers ist treffend gewählt, nimmt er immerhin Bezug auf zur „Mutter aller Kultfilme“: Casablanca. Mitten im Zweiten Weltkrieg gedreht als billiger Propagandafilm mit melodramatischem Touch, hat ihn früh das Publikum begeistert aufgenommen. Regisseur Michael Curtiz schuf ein Top-Hit, der bis heute die ewige Bestenliste der Filmklassiker anführt. Und das nicht nur dank legendäre Sätze wie „Spiel es noch einmal, Sam“ oder „Ich schau Dir in die Augen, Kleines“, sondern dort fällt auch jener Satz, der Pate stand für den Kevin-Spacey-Klassiker: „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen“. Auch eine der Filmfiguren neben den Hauptdarstellern Rick und Ilsa entwickelte Eigenleben. Jener Widerstandskämpfer Victor Laszlo nach dem sich rund 40 Jahre später eine französisch-belgische Pop-Sängerin benannte. Doch Kultfilme haben es zumindest bei der Oscarverleihung schwer. Zwar wurde der Film 1943 sowohl in der Kategorie „Bester Film“ als auch der Regisseur ausgezeichnet – die beiden Hauptdarsteller Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart gingen jedoch leer aus. Aber auch Komödien können Kultstatus erreichen. Wer erinnert sich nicht immer wieder gern an Jack Lemmon und Tony Curtis, die auf Highheels und im schlecht sitzenden „Kleinen Schwarzen“ hinternwackelnd mit Saxophon und Kontrabass in einer Damenkapelle anheuern, um nicht als unliebsame Zeugen des berühmt-berüchtigten Valentinstagsmassakers das Zeitliche zu segnen. Legendär ist jene Schlussszene als Osgood Feelding III. seiner angebeteten Daphne alias Jack Lemmon einen Heiratsantrag macht, der sich daraufhin die Perücke vom Kopf reißt und antwortet, dass er ein Mann sei, was Osgood lakonisch mit jenem Satz kommentiert, der innerhalb kürzester Zeit zum geflügelten Wort wurde: „Nobody is perfect“. Die Kinozuschauer standen Schlange, um Billy Wilders übermütige Komödie zu sehen, doch genützt hat es dem Regisseur nichts. Bei der Oscar-Vergabe 1959 war der Film der große Verlierer und musste sich dem Sandalen-Schinken „Ben Hur“ geschlagen geben.

Ein Jahr später hatte Wilder mehr Glück. „Das Apartment“ wiederum mit Jack Lemmon und der bezaubernden Shirley MacLaine wurde insgesamt mit fünf Oscars ausgezeichnet. Nicht allerdings die beiden Hauptdarsteller. Die bitterböse Satire auf Spießertum und Gesellschaftsmoral bietet bis heute ein unglaubliches Identifikationspotenzial in höchster Vollendung. Wunderbar ist der Schluss des Films, bei dem sich MacLaine und Lemmon eigentlich in die Arme fallen müssten, um sich zu küssen. Stattdessen fordert ihn die reizende Fran Kubelik auf, nachdem sie Spielkarten entdeckt hat: „Shut up and deal“ was auf Deutsch so viel heißt wie „Halt den Mund und teil‘ aus“. Noch heute zaubert dieser Satz jedem Zuschauer ein Lächeln ins Gesicht.

Das ist auch im Kultourismusforum der Fall, wo Wilders Klassiker den Reigen der Kultfilme eröffnet hat. Die nächsten Kultkino-Termine sind am 9. Februar und am 14. März.

Culturvereinsvorsitzende Barbara Jahn-Deterding mit einer Kinokartenauswahl an weiteren Kult-filmen, die bei freiem Eintritt in hessisch Oldendorf gezeigt werden sollen. boh



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