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Modellprojekt des Bundesfamilienministeriums startet in Hessisch Oldendorf / 25 000 Euro gibt es jährlich

Wenn Erzieher erzogen werden

Hessisch Oldendorf. Stellen Sie sich vor, Sie sind Berufsanfänger, treten hoch motiviert ihre erste Stelle an und sollen nicht nur mit den an Sie gestellten Anforderungen klarkommen, sondern auch gleich Praktikanten anleiten. Eine anstrengende Herausforderung, wenn das nicht Bestandteil Ihrer Ausbildung war.

veröffentlicht am 11.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:21 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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So ergeht es einigen Erziehern, die bereits im ersten Berufsjahr in Kindertagesstätten neben den Kindern auch Schul- und Berufspraktikanten, FSJler oder Pädagogikstudenten anleiten sollen. Quasi über Nacht werden sie so zum Meister, der seine Lehrlinge in die praktische Arbeit mit Kindern einweisen soll.

Das Programm „Lernort Praxis“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dient dem Ziel, die Ausbildungsbegleitung zu optimieren und ein Ausbildungskonzept zu entwickeln. Seit August 2013 werden 76 „Lernort Praxis“-Projekte in sieben Bundesländern für maximal drei Jahre mit acht Millionen Euro vom Bund gefördert. Im Weserbergland ist Hessisch Oldendorf die einzige Kommune, die daran teilnimmt. „Es lag bestimmt auch am Erfolg des Projektes ,Mehr Männer in Kitas‘, dass wir den Zuschlag erhalten haben“, meint Margareta Seibert, im Rathaus als Fachbereichsleiterin für die Kitas verantwortlich.

Erzieherin Brunhild Bauer zeigte Interesse an der Leitung des Modellprojektes. Seit 20 Jahren arbeitet sie in der Integrativen Kita Fischbeck, ihre Zusatzausbildungen und Erfahrungen in der Erwachsenenbildung boten beste Voraussetzungen für das Praxis-Mentoring. „Die Kollegen schätzen ihre hohe Fachlichkeit. Gemeinsam mit ihnen unterstützt Brunhild Bauer nun Berufsanfänger, Erzieher und angehende Fachkräfte dabei, ihr theoretisches Wissen mit dem praktischen Kita-Alltag zu verknüpfen und zu reflektieren“, sagt Seibert. Eine halbe Stelle, für die die Erzieherin freigestellt wurde, finanziert das Bundesministerium.

„Wir sehen Kitas als Bildungseinrichtung, denn hier werden Bausteine für qualifiziertes, motiviertes und lustvolles Lernen gelegt – und das bedeutet ganz schön viel Verantwortung“, stellt Seibert klar. Um das zu erreichen, müsse man eben mit der Qualifizierung der Menschen beginnen, die die Kinder betreuen. „Dabei ist viel Eigeninitiative gefragt“, betont Bauer.

Zu ihren Aufgaben gehört es, in Kooperation mit den Berufsfachschulen ein Anleitungskonzept zu erstellen. „Ich vermittle zwischen Schulen, Stadt und Anleitern, halte alle auf dem neuesten Stand und mache Hospitationsgänge“, sagt Bauer und ergänzt: „Arbeitsschwerpunkte sind die Kita Hemeringen, der Kindergarten Mühlenbachstraße und die Krippe in Hessisch Oldendorf, Kindergarten und Krippe in Segelhorst und die Kita in Fischbeck mit ihrer Außenstelle in Haddessen. Ansprechpartnerin bin ich aber für alle Einrichtungen der Stadt.“

Aktuell betreut sie sieben Praktikanten (drei angehende Sozialassistenten und vier angehende Erzieher), zwei Berufsanfänger und sieben FSJler, für die das Jahr nicht selten Interesse am Beruf weckt. „In gut zehn Jahren werden einige unserer Erzieher in Rente gehen, dann wird es angesichts des Fachkräftemangels für uns eng werden. Deshalb sehen wir das Projekt als mittelfristige Personalplanung: Wir wollen Berufsanfängern eine attraktive Ausbildungsstelle bieten und Praktikanten an uns binden“, sagt Seibert.

Brunhild Bauer plant, in die Berufsschulen zu gehen und im Unterricht zu verdeutlichen, was in der Praxis wichtig ist. Zum intensiveren Austausch hat sie einen Anleiter-Arbeitskreis ins Leben gerufen. Sie hofft, darüber noch mehr zu erfahren, wo welcher Bedarf ist und welche Wünsche bestehen. „Genies fallen nicht vom Himmel. Sie müssen Gelegenheit zur Ausbildung und Entwicklung haben. Ich freue mich, junge Menschen in ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen“, erklärt sie mit Worten August Bebels.

Einige von ihnen haben bereits ihre Dankbarkeit für die motivierende Anleitung zum Ausdruck gebracht.

„Hier werden Bausteine für qualifiziertes, motiviertes und lustvolles Lernen gelegt“ (von links): Brunhild Bauer, Studentin Svenja Radke, Erzieher Lucas Nagel und FSJ’ler Joshua Oeltjendiers, die in der integrativen Kita Fischbeck zusammenarbeiten.ah



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