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Stiftsführung wird zum Erlebnis

Weniger ist mehr

FISCHBECK. „Stellen Sie sich dieses Kirchenschiff einmal ohne jede Bestuhlung vor“, bittet Waltraud Menge die Besucher, die mit ihr in der Stiftskirche stehen. Die Kapitularin des Stifts hat sich mit ihren Gästen auf eine Zeitreise begeben, die diese 800 Jahre zurückführt.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 17.07.2017 um 15:30 Uhr

Waltraud Menge (Mitte) führt eine Gästegruppe durch die Stiftskirche. Foto: Bj

Autor:

Barbara Jahn
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An anderer Stelle appelliert sie an die Fantasie der Gruppe, sich den Nonnenschlafsaal im 12. Jahrhundert vorzustellen. „Viel Privatsphäre wird es da nicht gegeben haben“, mutmaßt Waltraud Menge und ergänzt: „Bis zu 24 Kanonissinnen, also Stiftsdamen, die in einer geistlichen Gemeinschaft in einem Frauenstift lebten, ohne strenge Ordensgelübde abzulegen, haben hier im Westflügel des Stifts im Schlafsaal ihren Platz gehabt.“

Es ist für die Stiftsdame keine übliche Führung, sondern die Prüfungsführung, die sie zur zertifizierten Kirchenführerin qualifiziert. In einem anderthalbjährigen Kurs der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover mit 120 Stunden in acht Blockveranstaltungen hat Waltraud Menge sich unter der Kursleitung von Diakon Klaus Stemmann, leitender Referent Kirche im Tourismus, ausbilden lassen. „Was man nachlesen kann, muss man den Menschen bei Führungen nicht erzählen“, sagt dieser. Es gehe darum, Menschen einzuladen sich bei Kirchenführungen auf sinnliche Erlebnisse einzulassen. Die Besucher sollten erleben, dass Kirchen keine Denkmale seien. „Wir wollen Kirche lebendig werden lassen. Die Neugier der Besucher wecken“, formuliert Klaus Stemmann das Ziel der Kurse, die bereits seit 2003 angeboten werden. „Bei dieser kurzen Form einer Führung kann man viel mehr mitnehmen, als wenn man mit einem Überfluss an Informationen überschüttet wird“, sagt Silvia Amtsberg, die als Gast der Prüfung beiwohnt, am Ende der 30-minütigen Führung. „Wir haben gelernt, uns kurz zu fassen. Wir möchten Begeisterung wecken und müssen uns etwas einfallen lassen, da jeder Kirchenbesucher auf seinem Handy Informationen nachlesen kann,“, führt Sylvia Hartje aus. Sie hat gemeinsam mit Waltraud Menge am Kurs teilgenommen und hat ihre Prüfung in der Marktkirche Hannover abgelegt.

„Das Spezialwissen über seine Kirche muss sich jeder Kursteilnehmer selbst erarbeiten. Wir vermitteln in acht Modulen die Grundlagen zum Thema Kirchenführung“, erklärt Klaus Stemmann. So geht es beispielsweise um die eigene Biografie in Hinblick auf die Gastgeberrolle in der jeweiligen Kirche. Die kommunikative Kompetenz und kirchenpädagogische Möglichkeiten werden ebenso geschult wie das Fachwissen über niedersächsische Kirchengeschichte.

„Das Thema sowie Baugeschichte und Architektur haben mich unglaublich fasziniert“, sagt Waltraud Menge rückblickend. Natürlich gehört die Vermittlung von Grundwissen über die Ausstattung von Kirchen zu den Inhalten der Module. Die Kursteilnehmer lernen verschiedenen Methoden für Kirchenführungen kennen und probieren diese aus, lernen organisatorische Abläufe kennen. Und zu guter Letzt werden die Absolventen in Rechts-und Versicherungsfragen geschult.

„Eine anspruchsvolle Ausbildung und ich freue mich sehr darüber, dass gleich vier Gästeführerinnen aus dem Stift sich zu hoch qualifizierten, didaktisch, kunsthistorisch und theologisch geschulten Kirchenführerinnen ausbilden lassen“, betont Katrin Woitack. Die Äbtissin des Damenstifts ist begeistert davon, dass die Kapitularinnen Waltraud Menge, Camilla Dormagen und Sabine Falke sowie Gästeführerin Heidi Frühwald dank der positiven Erlebnisse während der Ausbildung bereits weitere Gästeführer dazu gebracht haben, über eine Zertifizierung nachzudenken. „Je mehr Menschen sich für unser Stift begeistern je mehr können wir das Stift nach außen zum Leuchten bringen“, sagt Katrin Woitack.

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