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Warum der frühere Bürgermeister Walter Stock von seinen Kriegserinnerungen berichtet

„Welches Glück wir haben“

Hessisch Oldendorf. Ohne Kontakt zur Heimat kämpft er ums Überleben, eisige Temperaturen, Hunger, Wanzen und die Angst vor sowjetischen Panzern begleiten ihn. Als seine Truppe Sassnitz auf Rügen erreicht, machen die Engländer die Stadt mit Moskito-Bombern dem Erdboden gleich. Es sind Kriegserinnerungen wie diese, an denen der frühere Bürgermeister Walter Stock 120 Zehntklässler teilhaben lässt.

veröffentlicht am 29.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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Seit Jahren wird mangelndes Interesse am Volkstrauertag beklagt, junge Menschen scheinen sich von den Gedenkfeiern nicht angesprochen zu fühlen. Für sie sei der Zweite Weltkrieg zu weit entfernt, oft fehle es an Zeitzeugen, die vom Krieg erzählen könnten. Hessisch Oldendorf wehrt sich gegen diesen Trend. Mithilfe der Ausstellung „Den Blick gegen das Vergessen gerichtet“ werden neue Wege beschritten, um Jugendliche im Vorfeld des Volkstrauertages am 17. November für das Thema zu sensibilisieren. Bei der Eröffnung betont Stock: „Die Möglichkeit, nach der Mittleren Reife einen Beruf zu erlernen, hatte ich nicht.“

Nach seiner Einberufung zur Wehrertüchtigung mit Ausbildung an der Waffe geht es für den damals 16 Jahre alten Heßlinger mit 200 Soldaten im Oktober 1944 nach Ostpreußen. Stock erlebt, wie Kameraden erschossen und Flüchtlingszüge bombardiert werden. In seinem Kriegstagebüchlein hat er etliche Ausnahmesituationen festgehalten. Eindringlich appelliert er: „Einen solchen Krieg darf es von deutschem Boden ausgehend nicht wieder geben – ich habe die Hoffnung, dass das möglich ist.“

„Gut, uns Jugendlichen zu zeigen, wie das früher so war“, sagt die 16 Jahre alte Maria aus der Klasse 10 b. Die Reaktionen ihrer Mitschüler gehen von „das war voll emotional“ über „erschreckend“ bis hin zu „sehr bewegend“.

Neben dem Zeitzeugenbericht setzt sich die Wanderausstellung „gegen das Vergessen“ ein. Noch heute und morgen ist sie in der Mensa zu sehen und lädt nicht nur Schüler zum Nachdenken über Krieg und seine Folgen ein. Zugleich soll sie vermitteln, „welches Glück wir haben, in einem friedlichen Europa aufzuwachsen“, sagt Jan Roessel von der Deutschen Gesellschaft, einem eingetragenen Verein zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa.

Die Ausstellung entstand 2008 infolge einer Begegnungswoche von Jugendlichen aus Deutschland, Polen und Frankreich, die Kriegsgräberstätten besichtigten wie den Golm, die höchste Erhebung auf Usedom und eine der größten Kriegsgräberstätten in Deutschland. Ihre Auseinandersetzung mit dieser Form der Erinnerungskultur haben die Jugendlichen in Fotografien, Gedichten und Berichten festgehalten. „Die Ausstellung gefällt mir gut, es sind tolle Fotos zu sehen“, sagt die 15 Jahre alte Tabea.

Viele der Zehntklässler übernehmen auch selbst Verantwortung, indem sie sich an der Sammelaktion des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge beteiligen. In den kommenden Tagen machen sie sich erneut mit Sammelbüchsen auf den Weg. „Zuvor haben wir in Geschichte Themen wie Volkstrauertag und Kriegsgräberfürsorge behandelt“, sagt Schulleiter Ottmar Framke.

Ottmar Strehler sagt, dass der Volksbund die Gräber von mehr als 2,3 Millionen deutschen Kriegstoten in 45 Staaten betreut, Hinterbliebene berät und bei der Suche nach Grabstätten Vermisster hilft. „Wir haben 43 000 Gebeine umgebettet, neu identifiziert und zugeordnet“, sagt der Bezirksgeschäftsführer.



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