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Dass die Sportehrenamtscard mit der Ehrenamtskarte auf eine Stufe gestellt wird, sorgt für Unmut

Welche Karte ist denn nun mehr wert?

Hessisch Oldendorf (doro).

veröffentlicht am 16.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:41 Uhr

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„Sie ist wie ein Orden, nur moderner“, sagt Thomas Böhmer, Mitarbeiter der Staatskanzlei des Landes Niedersachsen, über die Ehrenamtskarte, die an Bürger ausgegeben wird, die sich in ihrer Freizeit herausragend für das Gemeinwohl engagieren. Wer nachweislich fünf Stunden in der Woche oder 250 Stunden im Jahr in ehrenamtliche Arbeit investiert, kommt deshalb in vielen Gemeinden Niedersachsens in den Genuss von Vergünstigungen in öffentlichen wie privaten Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen.

So sollte es auch in Hessisch Oldendorf geschehen: Freier Eintritt im Baxmannbad und in der Bücherei – das hatte die Verwaltung vorgeschlagen. Die kostenlose Benutzung der Bücherei fand bei allen Zustimmung. Irritationen löste allerdings bei einigen Mitgliedern des Ausschusses für Schule, Familie und Sport das Ansinnen des Bürgermeisters aus, zusätzlich Vergünstigungen für Inhaber der Sportehrenamtscard (SEC) einzuführen.

„Der Aufwand für die Sportehrenamtscard ist wesentlich geringer“, kritisierte Dr. Harald Kluge, und auch der Vorsitzende Günter Peschke hielt das für keine gute Idee. Denn: SEC-berechtigt sind alle Vereinsvorstände, Übungsleiter, Trainer, Spartenleiter und andere Ehrenamtliche des Landessportbundes – auch der Getränkewart. Anders als die Ehrenamtskarte, kann das Antragsformular für die Sportehrenamtscard von der Website (www.sportehrenamtscard.de) heruntergeladen werden; als Nachweis reicht ein Stempel des Vereins. Wer wie viel arbeitet, könne nicht überprüft werden, sagt Steffen Koch vom Niedersächsischen Turnerbund. Als „umfangreicher und flexibler“ bezeichnet er die Karte, die bei ihrer Einführung an 90 000 Übungsleiter und Funktionsträger kostenlos als Geschenk überreicht wurde. Insgesamt seien rund 120 000 Karten im Umlauf, gut 10 000 wurden im letzten Jahr ausgegeben. Als Basis dient das Konzept „GymCard – Die Turn und Sport Card“ des NTB.

Von der Ehrenamtskarte sind dagegen nur 7000 ausgegeben worden. Im Landkreis Hameln-Pyrmont waren es letztens 183, 14 davon entfielen auf Hessisch Oldendorf. „Die Ehrenamtskarte ist etwas Besonderes, sie ist das Sahnehäubchen für die ehrenamtliche Arbeit“, sagt Thomas Böhmer. Dass bei der Ehrenamtskarte die Anerkennung und nicht die massenhafte Rabattierung im Vordergrund stehe, zeige auch die Tatsache, dass nur 75 Prozent aller Karteninhaber die Vergünstigungen durchschnittlich einmal im Monat nutzten. Er wolle die SEC nicht diskreditieren, so Böhmer, aber bei dieser stände der Werbeeffekt für Geschäfte im Vordergrund. Darüber hinaus könnten Menschen, die sich im sportlichen Bereich engagieren, ebenfalls die Ehrenamtskarte beantragen.

Dass man in Hessisch Oldendorf mit dem Thema noch nicht ganz im Reinen ist, spiegelte sich in der Abstimmung wider: Dem Antrag von Sebastian Hoffmann (CDU), den Eintritt mit der Sportehrenamtscard im Gegensatz zur Ehrenamtskarte um 50 Prozent zu ermäßigen, stimmte nur er selbst zu, sechs Mitglieder enthielten sich. Damit gilt der Antrag gemäß der Niedersächsischen Gemeindeordnung eigentlich als angenommen. Als der Ausschussvorsitzende Günter Peschke den geänderten Vorschlag – nämlich 50 Prozent Ermäßigung für Ehrenamtskarten- und Sportehrenamtscardbesitzer – zusätzlich zur Abstimmung brachte, meldeten sich laut Protokoll plötzlich alle. „Diese Abstimmung war rechtlich nicht zulässig“, erklärt Klaus-Dieter Leupold, Leiter des Fachbereichs Soziales.

Was die Ratsmitglieder nun wirklich wollen, muss noch geklärt werden.

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