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Naturschutzbund hofft auf Kauf des Geländes durch Landkreis / Es gibt auch andere Interessenten

Was wird aus dem Übungsplatz?

Pötzen. Die einen winken ab, andere halten sich bedeckt und wiederum andere signalisieren ganz klar Interesse. Im Blickpunkt haben sie das Gelände des Truppenübungsplatzes in den Gemarkungen Pötzen und Welliehausen. Das Areal wird seit dem Wegzug der britischen Streitkräfte von ihnen nicht mehr benötigt. Die bestehenden Verträge waren deshalb von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zum 31. Januar dieses Jahres gekündigt worden.

veröffentlicht am 01.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

barbara Jahn-Deterding
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Abgewunken hat die Stadt Hessisch Oldendorf. Im Rathaus hat man auf Nachfrage der BIMA geprüft, ob sich das frei gewordene Gelände für Photovoltaik- oder Windenergieanlagen eigne oder ob es für die Verwaltung als Ausgleichsflächen oder Wohnbau-und Gewerbeflächen von Interesse sei. Die Anfrage der BIMA beinhaltet dabei sowohl die im Eigentum der Stadt befindlichen Gewässer und Wege als auch ihre Flächen. In der Sitzung des Ortsrats der Ortschaft Süntel gab es dazu im November die klare Aussage, „dass keinerlei Absicht zum Erwerb der im BIMA-Eigentum stehenden Flächen besteht“. Der Flächennutzungsplan der Stadt Hessisch Oldendorf stellt die Flächen für die Landwirtschaft dar, eine Änderung sei derzeit nicht vorgesehen, hieß es in der öffentlichen Sitzung des Ortsrates Süntel.

„Meiner Einschätzung nach sind die Flächen nicht mehr für eine landwirtschaftliche Nutzung geeignet“, sagt Lothar Kaiser. Der Landwirt von der Pötzer Landwehr sieht das Problem, „dass die Fläche stark verbuscht ist und mit Altlasten durch die militärische Nutzung behaftet ist“. Auch sein Berufskollege Walter Reineke winkt ab, „ich habe kein Interesse an dem Gelände“, betont das CDU-Orts- und Stadtratsmitglied. „Für mich ist das Areal zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung durchaus von Interesse“, sagt einer der anderen Bauern, die nicht genannt werden möchten. Gemeinsam mit anderen interessierten Landwirten stelle er sich aber die Frage, wer denn die Rekultivierungskosten zu tragen habe, um den Truppenübungsplatz wieder in einen beackerbaren Zustand zu versetzen. An einer Rekultivierung haben hingegen Naturschützer kein Interesse. Im Gegenteil. „Vonseiten des Naturschutzamtes besteht großes Interesse, das besagte Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu übernehmen, um Belangen des Naturschutzes gerecht werden zu können“, sagt Sandra Lummitsch. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann sich der Landkreis Hameln-Pyrmont lediglich auf die Haltung beziehen, das momentan diesbezüglich Gespräche stattfinden“, fährt die Pressesprecherin des Landkreises Hameln-Pyrmont fort.

„Durch den Landkreis Hameln-Pyrmont als Untere Naturschutzbehörde werden bereits Maßnahmen zur Erhaltung dieses Gebietes für den Artenschutz und insbesondere für das dortige Vorkommen der Gelbbauchunke ergriffen“, ist auch Teil einer Antwort auf eine Anfrage im niedersächsischen Landtag zu der Frage, den Truppenübungsplatz Pötzen als nationales Naturerbe zu sichern. Laut Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wird das nationale Naturerbe um mindestens 30 000 Hektar erweitert. Dabei sollen Flächen, die aus der militärischen Nutzung genommen werden, von der Privatisierung ausgenommen und an interessierte Länder, Umweltverbände oder -stiftungen übertragen werden.

Der Bereich des Truppenübungsplatzes wird in der niedersächsischen Strategie zum Arten- und Biotopschutz als wichtiger Lebensraum für die Gelbbauchunke, eine stark gefährdete Amphibienart, benannt. Und würde damit perfekt in das bundesweite Projekt des Nabu zum Schutz der Gelbbauchunken passen, sagt Christian Höppner. Er leitet im Bereich des nördlichen Weserberglands das Gelbbauchunken-Projekt des Naturschutzbundes und sagt: „Wir haben Kontakt zu Rainer Halbauer, dem Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, und gehen davon aus, dass der Landkreis das Areal hoffentlich erwerben wird, um auf dem Gelände den Natur- und Artenschutz zu sichern.“ Der Mitarbeiter des Nabu weiter: „Für uns ist es wichtig, dass dort Landwirte keine Flächen umgraben und die Artenvielfalt nicht zerstört wird.“

Die Maßnahme, das Gelände des Truppenübungsplatzes möglicherweise als nationales Naturerbe zu sichern, ruft bei Landwirten und Jägern Skepsis hervor. „Falls die Flächen dann nicht mehr bejagt werden dürften, wird das vermutlich zu einer Zunahme des Wildschweinbestandes führen und damit auch zu größeren Wildschäden auf den umliegenden Äckern“, sagt Lothar Kaiser. Die Zunahme der Population bei Schwarzwild wäre nicht mehr kontrollierbar, die Flurschäden wären größer, sieht auch einer der betroffenen Revierinhaber als mögliche Folgen. „Wir bekämen außerdem massive Probleme durch die Zunahme der Verkehrsunfälle in dem Bereich, da dort Fernwechsel verlaufen“, befürchtet er.

„Die Verfügbarkeit der Fläche kann noch nicht abschließend beurteilt werden, da über die Nachnutzung durch die Bundeswehr noch nicht abschließend entschieden worden ist“, heißt es seitens des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz auf die Anfrage im Landtag. Dazu sagt Udo Buhro, Stabsfeldwebel von der Heeresfliegerwaffenschule in Achum, kurz und bündig: „Wir haben den Platz als Außenlandeplatz und das bleibt auch so.“



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