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Uwe Pernack arbeitet an einem Buch über die Sage, in dem er auch dieser Frage nachgeht

War der Baxmann ein Mörder oder nicht?

Hessisch Oldendorf (doro). War er nun ein Mörder oder nicht? Diese Frage gehört zu den noch ungelösten Rätseln, die sich um Cordt Baxmann ranken. Denn der Sage nach soll der Oldendorfer Stadtpfeifer, Wirt und Kaufmann sein Vermögen durch Betrug, Raub und Mord zusammengetragen haben. Nach seinem Tod erschreckte er die Oldendorfer Bürger dadurch, dass er als Untoter wieder in der Stadt erschien. Ein Bann hält ihn deshalb bis heute in den Wäldern des Süntels gefangen. Das zumindest sagt der Volksmund. Und regt die Fantasie scheinbar bis heute an. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Stadt Hessisch Oldendorf den Baxmann bis vor kurzem auf ihrer Website glatt als Mörder bezeichnete?

veröffentlicht am 02.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 06:41 Uhr

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„Man muss unterscheiden zwischen dem historischen Baxmann, der Sagengestalt und der Figur, die der touristischen Werbung dient“, erläutert Uwe Pernack. Der gebürtige Hamelner hat vor über zehn Jahren für den Culturverein Hessisch Oldendorf eine Forschungsarbeit über die Oldendorfer Familie Baxmann und die ihr anheftende Sage erstellt. Es sei die bisher einzige fundierte wissenschaftliche Arbeit über das Thema. „Ich hielt die Arbeit für abgeschlossen, vor kurzem ist es mir jedoch gelungen, weitere Erkenntnisse über die Entstehung der Sage zu gewinnen“, sagt Pernack. Sie soll in überarbeiteter Form in absehbarer Zeit veröffentlicht werden. Neben weiteren Erkenntnissen zur Entstehung der Baxmann-Sage beschäftigt sich Pernack auch mit den Fragen, ob Cordt Baxmann in Hessisch Oldendorf die Prostitution förderte und ob er die Morde, derer ihn die Sage beschuldigt, beging. „Sein Oldendorfer Krug sowie der Oldendorfer Ratskeller waren zwar kein ‚Wirtshaus im Spessart‘, aber es gab in Hessisch Oldendorf einen eigentümlichen Todesfall, bei dem untersuchenswert ist, ob Baxmann damit in Verbindung steht“, verrät Pernack. Darüber hinaus gibt der Autor auch Auskunft über die Aufgaben eines Stadtpfeifers im 17. Jahrhundert.

Die Publikation will auch aufräumen mit „falschen, manchmal sogar unsinnigen Informationen über Cord Baxmann, wie man sie zurzeit im Internet finden kann“, erklärt Pernack. Dazu gehöre beispielsweise das bei Wikipedia nachzulesende Geburtsdatum (23. September 1599) des Baxmann.

„Seinerzeit hat man aus religiösen Gründen in Kirchenbüchern nie das Geburts-, sondern allein das Taufdatum aufgezeichnet.“ Eine Taufe von Cordt Baxmann im September 1599 aber ist im Kirchenbuch der St.-Marien-Gemeinde nicht zu finden. Kein Wunder: Baxmann war kein Hessisch Oldendorfer, sondern ein Zugezogener. Falsch sei auch die Bezeichnung „Tornemann“. Türmer der Stadt sei er zwar unter anderem gewesen, die Bezeichnung habe er aber nie geführt, und auch von seinen Zeitgenossen sei er nie so genannt worden. „Vieles andere wäre noch zu korrigieren, aber das soll meiner Publikation vorbehalten bleiben“, sagt der Autor.

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Viel interessanter als die Sagengestalt sind für Pernack die historischen Fakten, die ein völlig anderes Bild von Cordt Baxmann erschaffen. „Das Bild des historischen Cordt Baxmann ist weitaus differenzierter als jenes stereotype, ja rufmörderische Bild, welches die Sage von ihm zeichnet.“ Jenes, welches aus den Archivalien entstehe, zeige einen Menschen, der es vermochte – wenn auch nicht immer in christlicher Demut – als Angehöriger eines anrüchigen Berufsstandes sich und seine Familie in einer fremden Stadt zu etablieren.

Anfangs noch diskriminiert, war die Familie Baxmann bereits in der nächsten Generation die reichste Familie der Stadt und stellte den Bürgermeister. „Und das in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und seiner Nachwirkungen“, fügt Pernack an. Schließlich griff die erfolgreiche Kaufmannssippe ökonomisch sogar weit über Hessisch Oldendorf hinaus: Ein Urenkel Cordt Baxmanns, Johann Samuel Baxmann, ließ sich als Kaufmann in Amsterdam nieder, erläutert Uwe Pernack. „Mir ist aus dem Weserraum kein vergleichbarer Aufstieg einer Familie bekannt“, sagt der Autor, der glaubt, dass dieser nicht ohne Einfluss auf die Entstehung der Sage geblieben sein dürfte. „Wirtschaftlich erfolgreiche Zuzügler sind bei den Alteingesessenen nicht immer die beliebtesten Mitbürger.“

Auf die Frage, ob die Familie Baxmann ausschließlich eine Sippe kaltherziger Kapitalisten war, antwortet Pernack: „Man kann an ihr fast exemplarisch nachweisen, was gesellschaftlicher Aufstieg sukzessive für einen äußeren und inneren Wandel bewirken kann. So hat Johann Samuel Baxmann, der kinderlos verstarb, der St.-Marien-Gemeinde in Hessisch Oldendorf eine Stiftung hinterlassen.“

Uwe Pernack, der bereits ein Theaterstück über den sagenhaften Cordt Baxmann geschrieben hat, arbeitet derzeit außerdem an einem Baxmann-Roman: „Die Welt des Baxmanns birgt ein ungeheures Potenzial an Witz und Spannung. Daraus etwas für die Leserinnen und Leser zu gestalten, ist reizvoll – und auch für den Autor ein Vergnügen.“

Die steinerne Figur am Brunnen in der Kernstadt soll Cordt Baxmann darstellen, in den Händen hält er das Sieb, mit dem er der Sage nach im Totental des Süntels zur Strafe eine Quelle leerschöpfen sollte.

Foto: Wal



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