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Skurrile Geschichten auf dem internationalen Glassammler-Treffen zutage gefördert

Vorsicht – zerbrechlich!

Hessisch Oldendorf. „Ein Glas ist fabelhaft, zwei sind zu viel, drei sind zu wenig“, besagt ein schottisches Sprichwort. Hinter der gläsernen Fassade des Kultourismusforums luden am Sonntag etwa tausend antike Gebrauchsglasexponate zum Staunen, Kaufen und Fachsimpeln ein.

veröffentlicht am 18.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

von Annette Hensel
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Das ließ sich Eike Werner aus Wennigsen nicht entgehen. „Ich habe einst von meiner Großmutter altes Glas geerbt und wollte mehr darüber erfahren“, erzählt er. Als er herausfindet, dass jene Gläser aus dem 18. Jahrhundert stammen, beginnt Werner 1970 mit dem Aufbau einer Formglassammlung. „Im Vergleich zu Antiquitätenmessen ist der Kauf von Gläsern bei Sammlertreffen wie diesem günstiger. Da kann man auch tauschen, Gläser von Fachleuten zeitlich einordnen und schätzen lassen“, betont er und ergänzt: „Glas sammeln ist schon eine Leidenschaft.“

Auf reges Interesse stößt das mit 45 Zentimetern größte und mit 1250 Euro teuerste Formglas, eine 1750 in Mecklenburg hergestellte Vierkant-Vorratsflasche. Mit 580 Euro ebenfalls zu den kostbaren Exponaten zählt die gleichaltrige Apothekenflasche aus einem schwedischen Glaswerk, die im Boden eine gefächerte Maserung aufweist.

Manch gläserner Schatz stammt aus dem Müll: Helmut Thomsen etwa hat auf einer Müllhalde vor den Toren Kapstadts, wo er seit 1982 lebt, eine holländische Gin-Flasche aus dem Jahre 1880 gefunden. Deren Vorderseite ziert eine Figur mit Gin-Flasche in der Hand. „Durch Säureeinfluss war das Glas matt geworden, außerdem hatte die Flasche ein Loch“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Einen Meter weiter entdeckte ich den fehlenden glänzenden Splitter, er passte genau in das Loch, sodass ich ihn mit Kleber einsetzen konnte.“ Zu seinen Schätzen gehört auch eine originalverkorkte Flasche, in der sich noch Wein befindet. „Ein Freund von mir war Taucher, vor der Küste Südafrikas hat er diese Flasche aus dem Wrack der 1826 untergegangenen Britannia geborgen“, erzählt Thomsen, der aus Hamburg-Marienthal stammt. „Meine private Sammelspezialität sind Hamburger Brauerei- und Bierverlegerflaschen“, sagt er und fährt fort: „In einem Antiquitätengeschäft an der Küste Namibias habe ich 1996 erstmals alte Flaschen aus der Marienthaler Bierbrauerei erworben, weitere haben mir Bekannte nach Einsätzen des Kampfmittelräumdienstes besorgt. Heute befinden sich 1200 Flaschen aus den Jahren 1865 bis 1939 mit Korken, Bügelverschluss aus Porzellan oder Kronkorken in meiner Sammlung“, so Thomsen, der einen längeren Deutschlandaufenthalt zur Teilnahme am fünften internationalen Glassammlertreffen in Hessisch Oldendorf nutzt.

Stolz zeigt Albert Schwiezer den Gerresheimer Sportkrug. Daneben stehen die 100 Jahre alte Maggi-Flasche, ein gläsernes Nudelholz und vorn rechts das älteste Glas bei dem Sammlertreffen. ah

Gemeinsam mit Bernold Schlender hat dieses erneut Albert Schwiezer organisiert. Zu seiner Sammlung gehört neben Flaschen zur Aufbewahrung kohlensäurehaltiger Getränke auch eine Maggi-Flasche mit Originaletikett samt „Gebrauchsregeln“. Etwa 100 Jahre ist sie alt – ebenso wie ein Rolling Pin, ein dekoratives Nudelholz aus Massivglas oder das Thermosgefäß in Bauernsilber, das im Labor Verwendung fand. Ein Hingucker ist der Gerresheimer Sportkrug für die flüssige Wegzehrung – eine Dreiliterflasche, die passend in die Kofferummantelung eingearbeitet wurde. Schwiezers älteste Glasflasche datiert aus dem Jahr 1730 und diente der Aufbewahrung alkoholischer Getränke.

Elmar Heller aus dem bayerischen Hohenwart freut sich über den Erwerb eines kleinen Umbrella-Kelchglases aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. „Ich bin seit 20 Jahren Sammler mit Schwerpunkt auf Trink- und Formgläser, die private Sammelleidenschaft hat man bei so einem Treffen aber nicht dabei, da wird eher Platz für Neuerwerbungen geschaffen“, erklärt er. So bietet er an seinem Stand einen um 1900 hergestellten böhmischen Briefbeschwerer zum Verkauf: Aus einem bunten Glaskröselkissen erheben sich drei Blumen mit fünfblättrigen Blüten, deren Mitte je eine Luftblase ziert.

Helmut Thomsen knüpft derweil neuen Kontakt mit einem Bierflaschensammler. Vielleicht ergibt sich daraus der Tausch eines weiteren Schätzchens, das er mit nach Kapstadt nehmen kann.

„Ohne Rauch und ohne Geruch“ steht auf Französisch auf diesem nach 1870 gefertigten Nachtlicht.

An solch einem Tisch voller Sammlerstücke ist Vorsicht die Mutter des Glastisches.



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