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Weniger Regeln für Hausbesitzer

Vorschriften zur Gebäudegestaltung sollen abgeschafft werden

FISCHBECK. Wer in Fischbecks Zentrum ein Haus bauen oder umgestalten möchte, ist bislang ziemlich rigiden Regeln unterworfen. Beispielsweise sind die erlaubten Farbtöne für Dach und Fassade haargenau festgelegt – und das entspricht nur einem von insgesamt 14 Paragraphen, die Bauherren beachten müssen. Die Stadt möchte Eigenheimbesitzern aber nun freiere Hand bei der Gestaltung lassen.

veröffentlicht am 24.09.2018 um 16:59 Uhr

Sind die Fassaden „korallenrot“, „oxidrot“ oder gar „sandgelb“? Die Fischbecker Bauvorschrift nimmt es mit der Farbgestaltung und auch ansonsten sehr genau. Foto: dana
Jens Spickermann

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Gestattet sind derzeit neun verschiedene Rottöne wie „Feuerrot“, „Rubinrot“ und „Karminrot“ und gleich zwölf Variationen des Farbtons „hell-erdfarben“ – das sagt einiges zur Detailliertheit der Satzung aus. Ziel ist aber nun, dass Sanierungen und Modernisierungen nicht durch strenge Auflagen unnötig ins Geld gehen oder aufgeschoben werden. Deshalb ist vorgesehen, die für das Fischbecker Zentrum geltende Satzung abzuschaffen. So hat es der Planungsausschuss einstimmig beschlossen. Damit die Änderung in Kraft tritt, muss sie aber noch von anderen Gremien gebilligt werden.

Eine Gestaltungssatzung gilt derzeit nur für das Zentrum der Kernstadt, den überwiegenden Teil von Lachem und ein Gebiet innerhalb von Fischbeck, das etwa 150 Häuser umfasst. Der Zweck ist es, dass das Erscheinungsbild der historischen Dorfstruktur erhalten bleibt. In Fischbeck sei der Geltungsbereich der Satzung jedoch recht weit gefasst. Er umfasse nicht nur die unmittelbare Umgebung des Stifts, sondern ein deutlich größeres Gebiet, erläutert Heiko Wiebusch von der Stadt. Betroffen sei dadurch nicht nur die alte Baustruktur, für die zum Teil ohnehin der Denkmalschutz gilt, sondern auch Gebäude ohne großen historischen Wert. Nicht wenige dieser Immobilien hätten einen Sanierungsstau.

Wenn innerhalb des Geltungsbereichs der Gestaltungssatzung Veränderungen am Gebäude geplant sind, müsse die Genehmigung oft in Einzelverfahren geregelt werden, sagt Planungsausschuss-Vorsitzender Jost Beckmann (SPD). Neubauvorhaben – auch solche, die sich gestalterisch durchaus in das Gesamtbild einfügen würden – müssten zum Teil untersagt werden, heißt es in einer Vorlage der Stadt. Durch die restriktive Satzung seien Sanierungen von Altbestand oft mit Mehrkosten verbunden, berichtet Wiebusch. Es seien Fälle bekannt, bei denen Sanierungen deshalb zurückgestellt wurden. Baufällige Gebäude in den Ortskernen, die schwer verkäuflich sind und im schlimmsten Fall leerstehend verfallen, kann die Stadt jedoch nicht gebrauchen.

Die bestehenden Vorschriften machen darüber hinaus nicht nur Sanierungen und Neubauvorhaben kompliziert – sogar bei der Gartengestaltung kommen sie zum Tragen. Beispielsweise sind Maschendrahtzäune zur Einfriedung von Grundstücken nicht erlaubt. Hecken zwar schon – aber nur solche aus einheimischen Gehölzen. Für Zuwiderhandlungen sieht die im Jahr 1998 verabschiedete Satzung Strafen von bis zu 10 000 Mark vor.

In Hessisch Oldendorf wurde die bestehende Satzung bereits geändert. „Wir haben die Vorschriften dort etwas gelockert, um mehr zu ermöglichen“, sagt Wiebusch. Wenn man wolle, dass im Ortskern saniert wird, müsse man nämlich auch die geltenden Vorschriften überprüfen. Von einem früheren Ansatz der Stadtplanung, möglichst alles regulieren zu müssen, um die dörfliche Idylle zu erhalten, sei die Stadt inzwischen abgerückt. Stattdessen gelte nun die Devise lieber weniger als mehr zu regulieren.

„Das hätte zur Folge, dass wir uns Lachem auch noch vornehmen“, sagt Beckmann. Sobald in Fischbeck das Aufhebungsverfahren abgeschlossen ist, sieht er dort nämlich ebenfalls entsprechenden Handlungsbedarf. Da die Struktur jedes Ortes anders sei, solle in Lachem vor einer Entscheidung aber erst eine Ortsbegehung stattfinden.

Ein Wildwuchs von optisch grob unpassenden Baumaßnahmen ist nach Abschaffung der Satzung übrigens im Fischbecker Kern ebenso wenig zu erwarten, wie in den Gebieten, die nicht unter die Gestaltungssatzung fallen. Noch immer gibt es dann Bedingungen für die äußere Erscheinung der Bauwerke. Zulässig sei ein Bauvorhaben gemäß Baugesetzbuch nämlich nur dann, „wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die bebaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist“, schreibt die Stadtverwaltung.



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