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Vor 450 Jahren verlieh Obrigkeit das Recht Kirmes zu feiern

Sonnental (ah). Drei Mal wird im Sonnental in den kommenden Wochen ganz groß ein Jubiläum gefeiert. 450 Jahre sind ins Land gegangen, seit die Obrigkeit den Orten Fuhlen, Heßlingen und Rumbeck erlaubte, eine Kirmes zu veranstalten. Die Vorbereitungen auf die Feste laufen. Kirmesburschen organisieren die Jubiläumsveranstaltungen und werden von den Dorfbewohnern tatkräftig unterstützt.

veröffentlicht am 29.07.2009 um 15:50 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 06:41 Uhr

Kirmes
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Sonnental (ah). Drei Mal wird im Sonnental in den kommenden Wochen ganz groß ein Jubiläum gefeiert. 450 Jahre sind ins Land gegangen, seit die Obrigkeit den Orten Fuhlen, Heßlingen und Rumbeck erlaubte, eine Kirmes zu veranstalten.
 Kirmes, heute Inbegriff für ein Wochenendfestprogramm aus Disco, Gottesdienst und Umzug, geht dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm zufolge auf das mittelhochdeutsche „Kirmesse“ zurück, einer Verkürzung aus „Kirche“ und „Messe“. Mit der Kirmes war ursprünglich der Gottesdienst beziehungsweise die Heilige Messe zur Einweihung einer Kirche gemeint. Als jährliches Erinnerungsfest an den Kirchweih- oder Kirchenpatronatstag wird die Kirmes weitergeführt. Bereits im Mittelalter kamen Händler zu diesen Festen, bauten ihre Stände um die Kirche auf, verkauften ihre Ware und luden zu Essen, Trinken und Vergnügungen ein. Daraus entwickelte sich die Kirmes, wie wir sie heute erleben. Ein Blick über die Landesgrenzen verrät: Das französische Wort „kermesse“ bedeutet in der deutschen Übersetzung „Jahrmarkt“.
Verbindung zur
Reformation

 Die alljährliche Kirmes, die in den drei Sonnental-Ortschaften gefeiert wird, erinnert nicht an Kirchweihe, sondern an die Einführung der Reformation, die sich 2009 zum 450. Mal jährt. Ausgehend von Hessisch Oldendorf und Krückeberg, wo Pfarrer Eberhard Poppelbaum 1552 erstmals der neuen Lehre Martin Luthers entsprechend in deutscher Sprache predigte und sang, wurde die Reformation im gesamten Schaumburger Land eingeführt. In Fuhlen war ein evangelischer Prädikant aus Hemeringen der erste, der auf Deutsch zu den Kirchenbesuchern sprach und laut Niederschrift in der Hessischen Volkskunde aus dem Jahre 1904 sogar eigens dafür bei einer großen Überschwemmung in einem Backtrog nach Fuhlen gekommen sein soll.
Kirmesburschen
organisieren die Kirmes

 Letzter katholischer und gleichzeitig seit 1559 erster evangelischer Pastor Fuhlens war Rodolph Lodewich, wie die Chronik von Fuhlen von 1877 mitteilt. Er ließ zwei Jahre später die erst kürzlich restaurierte Pfarrscheune, das älteste noch erhaltene Haus nach der Kirche, errichten. Die Inschrift „Obsequium amicos veritas odium parit“ verweist darauf, dass Lodewich die Reformation nicht unangefochten im Kirchspiel – von Fuhlen aus erreichte sie in kurzer Zeit Heßlingen und Rumbeck – einführte.
 Die Fuhlener Kirmes war im Sonnental die größte mit Kram- und Viehmarkt, besagen die Aufzeichnungen aus dem Jahre 1904. Das große Fest findet immer um den Sonntag nach Sankt Bartholomäi – das ist der 24. August – statt. Hinter den Musikanten führen die unverheirateten Kirmesburschen, die für die Festorganisation zuständig sind, den großen Umzug durch den geputzten und geschmückten Ort an.
 In Bezug auf die unterschiedlichen Kirmestermine steht geschrieben: „In Fuhlen werden die Fliegen gefangen, in Heßlingen besehen und in Rumbeck verspeist.“ Die 450. Fuhlener Kirmes findet vom 28. bis 30. August statt, eingerahmt vom Kirmesspiel am Freitag und dem traditionellen Umzug am Sonntag. Jeweils auch mit Disco, Gottesdienst und großem Festumzug wird zwei Wochen später, vom 11. bis 13. September, die 450. Kirmes in Heßlingen gefeiert, Schlusslicht Rumbeck folgt mit seiner „Fliegenkirmes“ am ersten Oktoberwochenende. „Ein von unbeugsamen Leuten bewohntes Dorf hört nicht auf, der Lethargie in Deutschland erbitterten Widerstand zu leisten“, ist auf der Homepage des Rumbecker Kirmesvereins zu lesen. Seit über 400 Jahren werde hier die Kirmes unter besonderem Einsatz eines kleinen Haufens von Junggesellen, des Kirmesvereins, durchgeführt...
 Noch gut können sich Helga und Walter Nagel aus Fuhlen an die großen Kirmesfeiern in den Jubiläumsjahre 1984 und 1959 erinnern. Das Ehepaar besitzt Alben mit Bilddokumente von diesen und anderen Kirmesfeiern im Weserdorf.
Dorfbewohner helfen
tatkräftig mit

 Seit Monaten laufen in den Dörfern Fuhlen, Heßlingen und Rumbeck die Vorbereitungen auf die Jubiläumsveranstaltungen. Auf die einzelnen Festprogramme darf man gespannt sein. Die Kirmesvereine haben sich jedenfalls einiges einfallen lassen und werden dabei von den Dorfbewohnern tatkräftig unterstützt..



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