weather-image
Viele Fans reisen mit ihren wertvollen Oldtimern von weit her zum VW-Treffen an

Von L.A. nach H.O.

Hessisch Oldendorf. Wie aus der Zeit gefallen wirken sie, sind aber genauso schön wie früher: Die Oldtimer, die von ihren Besitzern aus aller Welt zum VW-Veteranentreffen gesteuert werden. Aus aller Welt kommen sie, nehmen Tausende von Kilometern Anfahrt in Kauf.

veröffentlicht am 20.06.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:41 Uhr

270_008_6423706_lkho106a_2006.jpg

Autor:

Xenia Balzereit
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Erik Ouwersloot macht sich schon zum zweiten Mal auf den weiten Weg von Los Angeles nach Hessisch Oldendorf. „Wenn du dich einen Liebhaber von klassischen VW-Modellen nennst, dann musst du einfach zum VW-Treffen nach Hessisch Oldendorf kommen“, sagt er. Wenn Erik anreist, wird man ihn jedenfalls von weitem erkennen. Sein Enzmann 506 aus dem Jahre 1959 ist signalrot – Originallackierung „So rot, dass sogar die Feuerwehr in Los Angeles gefragt hat, was das für eine Farbe ist. Jetzt überlegen sie, ihren Einsatzwagen einen neuen Anstrich zu verpassen“, erzählt Erik.

1971 entdeckte der gebürtige Holländer sein Auto in Belgien – und verliebte sich sofort. Dieses Jahr zum VW-Treffen fährt er seinen Wagen zum ersten Mal aus. Bis 2012 war Eriks Freund und Mechaniker Nico mit der Restauration des Goldstücks beschäftigt, während Erik in Los Angeles sehnsüchtig auf den großen Tag wartete. „Ich habe dieses Auto fünfmal in den letzten sieben Jahren gesehen. Ich freue mich so sehr, es in meine Arme zu schließen, es zu küssen und seine Kotflügel zu hätscheln.“ sagt er. Eriks Enzmann 506 wurde 1959 in der Schweiz gebaut – von Dr. Emil Enzmann. Heute existieren ungefähr zwanzig dieser Modelle in der ganzen Welt. Dementsprechend vorsichtig geht Erik mit seinem Oldtimer um. Bei Regen bliebe das Auto besser in der Garage, und man könne definitiv keine Rennen damit fahren. „Was für Rennen sollte ich auch mit 36 PS fahren?“, scherzt er.

Noch ein Grund, vorsichtig mit den Autos aus vergangenen Zeiten umzugehen: ihr Wert. Neben dem ideellen Wert seines Autos ist Erik der finanzielle durchaus bewusst: „Bei gut restaurierten Wagen steigt der Preis in die Hunderttausende, falls es überhaupt einen Verkäufer gibt. Ein weiterer Grund, meinen Enzmann zu lieben“, erklärt Erik. Doch was ist besonders an den VW-Modellen, so besonders, dass Erik viel Zeit mit der Suche nach Ersatzteilen verbringt? Es ist der Charakter der Autos und vor allem die Qualität: „So robust wie der VW ist keiner. Er ist unzerstörbar. In den Sechzigern und Siebzigern war es das Auto zum Schrauben. Ich habe unglaublich starke Motoren in VW-Modelle gebaut, aber es braucht schon einige PS, damit ein VW-Getriebe schlappmacht“, schwärmt Erik.

270_008_6423684_lkho105a_2006.jpg

Und noch einer hat eine Vorliebe für alte Autos aus der Familie VW: Oystein Asphjell aus Norwegen sammelt seit 30 Jahren VW-Veteranen. 25 Porsches und VW, gebaut zwischen 1941 und 1961, stehen in seiner Garage. Jeweils zu den großen VW-Veteranentreffen, nämlich der Winterolympiade in Bad Camberg alle vier Jahre, und der Sommerolympiade in Hessisch Oldendorf, versucht er, ein neues Auto zu präsentieren. Dieses Jahr soll es ein VW Beeskow Rometsch Coupé aus dem Jahr 1954 sein. Oystein ist mächtig stolz auf sein Gefährt für dieses Jahr. Eine Sonderkarosserie sei es, mit einem Fahrgestell von VW und einer in Handarbeit gebauten Karosserie. Der Norweger ist Kfz-Mechaniker und absolut fasziniert von der Bauweise der Autos: „Ich bewundere die perfekte mechanische Bauweise von VW. Sie ist so einfach und doch so funktional. Was mir außerdem gefällt, ist die Geschichte der Wagen und ihr Design. Ferdinand Porsche ist eine große Inspiration für mich“, erläutert er.

Mit glänzend schwarzem Auto, roter Lederinnenausstattung aber nur 30 PS macht sich Oystein am Donnerstag auf den Weg nach Hessisch Oldendorf. Viele werden gleich zweimal hingucken, denn sein Oldtimer ist sehr selten und perfekt restauriert. Von Oslo aus geht es mit der Fähre nach Kiel. Auf der Strecke zwischen Hamburg und Hessisch Oldendorf nimmt Oystein am Petermax-Müller- Gedächtnis-Rennen teil. „Ich bin mal gespannt, wie sich das Auto so schlägt, schließlich war es seit 15 Jahren nicht mehr auf der Straße“, meint er. Aber auch während des Rennens muss Oystein vorsichtig fahren und sich Zeit nehmen: In gemächlichem Tempo wird er sein Glück versuchen und sich auf die Autobahn wagen. „In Deutschland ist das Fahren mit Oldtimern sehr entspannt. Die Deutschen zeigen viel Verständnis“, erklärt er. Auch in Norwegen gäbe es viele VW-Clubs und Shows, das Sammeln von alten VW sei ein beliebtes Hobby. „Aber nichts kann mit dem Treffen in Hessisch Oldendorf mithalten“, lobt Oystein.

Genau wie Erik ist er vollauf davon begeistert, wie viel Engagement die Oldendorfer zeigen. Beide finden das Fest „wirklich aufregend“ und sehen die Teilnahme als eine Pflicht für jeden VW-Liebhaber, denn es sei bei weitem das größte Treffen. „Die Restaurants, der Bürgermeister, die Läden, einfach die ganze Stadt ist eingebunden in das Event. So etwas gibt es nirgends sonst“, sagt Oystein. Für ein Wochenende verwandelt sich die Kleinstadt in ein Paradies. Ein Paradies für solche, die ihre Schätze präsentieren wollen und solche, die sie gerne hätten; und auch für die, die sich ein bisschen mehr Kultur und Leben in Hessisch Oldendorf wünschen. „Es wird ein großartiges Wochenende. Ich freue mich seit vier Jahren darauf. Ich habe jetzt schon Angst vor dem Augenblick, in dem es einfach vorbei ist und ich wieder vier Jahre warten muss. Ein großer Dank geht an die Familie Grundmann für die Organisation dieses Events“, wendet sich Oystein an die Veranstalter.

Erik Ouwersloot aus den USA kommt mit dem Enzmann 506 aus dem Jahre 1959 zum VW-Veteranentreffen. Die signalrote Farbe ist die Originallackierung.pr

Oystein Asphjell aus Norwegen kommt mit einem VW Beeskow Rometsch Coupe aus dem Jahr 1954pr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt