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Schulzentrum Hessisch Oldendorf könnte als Oberschule einen gymnasialen Zweig erhalten

Von Hauptschule bis Abitur bald alles drin?

Hessisch Oldendorf (doro). Mehr gemeinsamer Unterricht, höhere Durchlässigkeit und kleinere Klassen. Dazu eine bessere Ausstattung, mehr sozialpädagogische Stunden und ein erweitertes Ganztagsangebot. Was sich anhört wie eine gelungene Symbiose aus Integrierter und Kooperativer Gesamtschule, ist das Kernstück der neuen Oberschule, die von der Landesregierung nun auf den Weg gebracht werden soll. Als Grund für die Kehrtwende wird vor allem die demografische Entwicklung angeführt.

veröffentlicht am 08.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 04:21 Uhr

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Die neue Rechtslage wird vorbereitet, ein neuer Grundsatzerlass soll bereits Anfang des Jahres ergehen, erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Klare. Der bildungspolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion gilt als Architekt des Oberschulen-Konzepts. Neu sei es übrigens nicht: Gemeinsam mit Ursula Körtner habe er der Landesregierung bereits vor zwei Jahren ein ähnliches Modell vorgeschlagen, so Klare. Nun spricht der CDU-Mann von einem „bildungspolitischen Wurf“ für die niedersächsische Schullandschaft. Mit der problemlosen Angliederung eines gymnasialen Zweiges schafft die schwarz-gelbe Landesregierung einen konkurrenzfähigen Anreiz für ihr Schulmodell: Die Oberschule mit gymnasialem Zweig kann bereits bei bestehender Dreizügigkeit eingerichtet werden – also auch in Hessisch Oldendorf. Dass Haupt- und Realschule im nächsten Jahr zusammengelegt werden, gilt als beschlossene Sache. Ob auch ein gymnasialer Zweig angegliedert wird, liegt in der Hand des Schulträgers, also des Landkreises. Der gibt sich zurzeit noch bedeckt: „Dazu können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern“, sagt Pressesprecherin Anja Hegener. Am 18. November tagt der Schulausschuss, zuvor findet eine nichtöffentliche Info-Veranstaltung zur geplanten Schulstrukturreform mit Jan ter Horst, Mitglied des Kultusministeriums, statt, zu der die Schulvorstände eingeladen sind.

Karl-Heinz Klare ist zuversichtlich: „Ich mache jeden Tag zwei Veranstaltungen, die Eltern sind begeistert.“ Gebraucht werden pro Jahrgang nur 78 Schüler. Eine Elternbefragung sei nicht notwendig – ein einfacher Antrag reiche aus. Die Dreizügigkeit ist zudem nur für 10 statt 14 Jahre nachzuweisen. Doch wo steht die neue Oberschule inhaltlich eigentlich? „Sie ist ein Mischsystem aus KGS und IGS“, sagt Klare. Von der Integrierten Gesamtschule wolle man sich allerdings weitgehend absetzen. Die Oberschule soll leistungsbezogener arbeiten, nur in Teilen integrativ (nicht in den Kernfächern). Im Gegensatz zur IGS soll es weiterhin Zensuren und Versetzungen geben.

Die Unterschiede zur KGS sind, bis auf die höhere Durchlässigkeit und die integrativen Elemente, auf den ersten Blick nicht so deutlich erkennbar, zumal sich die Befürworter der KGS für viele der eingangs genannten Fakten bei der Einrichtung der Schulform eingesetzt haben. Die Gefahr, dass sich so manche KGS- oder IGS-Initiative veräppelt vorkommen könnte, sieht Klare nicht: Auch eine KGS könne einen Antrag zur Umwandlung in eine Oberschule stellen – „besonders reizvoll ist in diesem Zusammenhang wohl die bessere Ausstattung“.

Auf die Frage, warum man nicht KGSen mit mehr Durchlässigkeit einrichtet, antwortet Klare: „Der Begriff KGS soll vermieden werden, wir wollen einen Namen finden, der durchsetzungsfähig ist für alle Bundesländer.“ Dafür, dass das noch nicht eingeführte niedersächsische Modell das Potenzial habe, sich bundesweit durchzusetzen, gäbe es „erste Anzeichen“.

Indiskutabel sei das neue Modell für die IGS-Elterninitiative in Hessisch Oldendorf: „Warum setzt man nicht auf bewährte Modelle?“, fragt Mitglied Peter Siegmann. Das Konzept der Oberschule sei nicht erkennbar, sagt der Hessisch Oldendorfer und warnt davor, den Eltern schon wieder ein neues Modell zuzumuten. Er ist überzeugt davon, dass eine IGS in Hessisch Oldendorf ebenfalls funktionieren würde.

Dem, was bisher von der geplanten Oberschule bekannt ist, kann Hauptschulleiter Günter Höfelmann indes durchaus etwas abgewinnen. Was das „stark ideologisch“ besetzte Thema Durchlässigkeit betrifft, überrascht es ihn, dass das Kultusministerium zu so weitreichenden Änderungen bereit ist. Wichtig sei nun, „dass die Oberschulen ein breites, differenziertes Angebot bieten können. „Dann kann die Oberschule eine Chance für Spätzünder sein“, meint Höfelmann. Er nennt den eingeschlagenen Weg vernünftig, da auf diese Weise Schulstandorte erhalten blieben. Für Ottmar Framke, Schulleiter der Wilhelm-Busch-Realschule, wäre wichtig, dass die neue Schulform ein teilgebundenes Ganztagsangebot enthält; entscheidend aber sei, dass die Pläne mit der entsprechenden Zuweisung von Lehrerstunden verbunden sind, dass es für Hausaufgabenbetreuung und Förderunterricht ausgebildete Lehrer gibt.

Dass hier eine Schwachstelle liegen könnte, will Klare so nicht gelten lassen: „Die Lehrer müssen dahin, wo die Schüler sind“, sagt er. Soll heißen: Gymnasiallehrer müssten von den bestehenden Gymnasien mit einer bestimmten Stundenzahl abgeordnet werden. Die Kritik, dass ein kleiner gymnasialer Zweig nicht das geforderte fachliche Angebot vorhalten kann, lässt er in Teilen gelten; „dennoch ist die Oberschule eine Alternative für Schüler, die Startschwierigkeiten haben und für Eltern, die ihre Kinder lieber wohnortnah betreuen wollen“.

Und was ist mit der IGS, die in Hameln gerade auf den Weg gebracht wird? Der CDU-Mann nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die brauchen wir dann auch nicht mehr.“

Mit der neuen Oberschule will die Landesregierung die Bildungschancen aller Schüler verbessern und dem demografischen Wandel entgegenwirken. Foto: Dana



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