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Was in 75 Jahren Zerser Feuerwehr so zusammenkommt und wie die Zukunft aussieht

Von Feuerteufeln, Bränden und Suchaktionen

Zersen (ah). Wussten Sie, dass in den 30er Jahren ein Feuerteufel in Zersen sein Unwesen trieb, der schließlich erwischt wurde? Oder dass in den Kriegsjahren drei Häuser im Hohensteindorf durch Bombeneinschlag abbrannten? Solche Geschichten kommen anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Zersen auf den Tisch.

veröffentlicht am 21.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:21 Uhr

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Infolge eines Feuerschutzgesetzes von 1933 wurde sie 1935 im Löschverbund mit Wickbolsen gegründet, Ortsbrandmeister war Friedrich Lemke aus Wickbolsen, sein Stellvertreter Heinrich Waltemathe aus Zersen. Beruhigend für die Einwohner, die ansonsten im Falle eines Brandes mit ledernen Löscheimern in einer Menschenkette die Flammen bekämpften. 1936 schaffte die Wehr eine Handdruckspritze an, 1952 zudem die erste Tragkraftspritze, eine TS 4.

Das geht aus einer Chronik hervor, die Heinz Haupt in liebevoller Kleinarbeit erstellt hat. Haupt, der 1962 der selbstständig gewordenen Zerser Ortswehr beitrat, hat vom ersten großen Feuerwehrfest 1963 über einen Kameradschaftsabend 1983 mit Marder und Spinne, einer großen Ausstellung von Feuerwehrgerätschaften 2003 bis hin zur Ernennung von Friedrich Claus zum Ehrenortsbrandmeister Ende 2009 alles auch fotografisch festgehalten.

„Von 1958 bis 1962 war Zersen im Hinblick auf die Feuerwehr ein weißer Fleck in der Landschaft, es wurde kein Dienst geleistet“, berichtet Friedrich Claus. Dann fanden sich jedoch 23 Freiwillige, zu denen neben Haupt auch Wilhelm Lange und Friedrich Knoche gehörten – alle noch in der Altersabteilung vertreten, die unter Führung von Herbert Diekmann einen neuen Anlauf wagten. Gleich im Frühjahr 1963 schaffte die Zerser Wehr eine neue Tragkraftspritze an, 1965 ersetzte das erste Tragkraftspritzenfahrzeug, ein Ford Transit, Traktoren mit Einachshänger. Viele Jahre versah Friedrich Hauptmeier das Amt des Ortsbrandmeisters, 25 Jahre führte Friedrich Claus die Wehr, bevor Christian Milde 2006 den Posten übernahm. „Damals wie heute hatten wir einen guten Personalbestand – und das, obwohl wir keine Jugendfeuerwehr haben“, sagt Milde stolz. 30 Aktive zählt die Ortswehr, darunter vier Frauen. Als erstes weibliches Mitglied nahm Nicole Stock, mittlerweile Mildes Ehefrau, am 10. August 1993 den Dienst auf. Den Nachwuchs ziehen sich die Zerser in Zusammenarbeit mit der Kinderfeuerwehr in Barksen und in der dortigen Jugendwehr heran. „Acht unserer Aktiven sind unter 25 Jahre alt“, betont Milde. „Unsere Zukunft wird weiterhin so positiv aussehen.“

Die Zerser Ortswehr um Ortsbrandmeister Christian Milde (re.).
  • Die Zerser Ortswehr um Ortsbrandmeister Christian Milde (re.).
Die auf dem 1984 fotografierten Feuerwehrauto befindlichen Holzl
  • Die auf dem 1984 fotografierten Feuerwehrauto befindlichen Holzleitern dienen heute im Feuerwehrhaus als Garderobe.

Als krönenden Abschluss seiner Amtszeit sieht Ehrenortsbrandmeister Claus den Umzug ins neue Feuerwehrhaus, der notwendig wurde, weil die Fahrzeughalle in der Ortsmitte keinen Gruppenraum besaß. Am 11. September 2004 startete die Umbaumaßnahme in der alten Schule, im Januar 2006 wurde das Haus, für das 3311 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet wurden, übergeben. Fotos an der Wand, Pokale und zur Garderobe umfunktionierte ehemalige Feuerwehrholzleitern erzählen ohne große Worte von der Geschichte der Wehr.

Auch wenn es seit 1962, als die Wehr selbstständig wurde, kein Großfeuer in Zersen gab, gibt es im Rückblick zahlreiche besondere Einsätze. So beteiligte sich die Ortswehr im dichten Morgennebel des 23. Dezembers 1987 am Hohenstein an der Suche nach einem in eine Felsspalte gefallenen Schüler, der ohne die zügige Bergung erfroren wäre. „Als andere feierten, mussten Feuerwehrleute ran“, schrieb die Dewezet über einen Einsatz an Heiligabend 1990, bei dem die ganze Wehr auf den Beinen war, um „vermutlich von einem Brandstifter“ entzündete Strohballen zu löschen. Kurz darauf konnten bei einem Großbrand auf einem Hof in Krückeberg viele Tiere gerettet werden, wenngleich zahlreiche Sauen und Ferkel verendeten. „Es war so kalt, dass Schläuche kaputt froren, beim Zusammenrollen einfach brachen“, erinnert sich der damalige Ortsbrandmeister Claus. „Als Sturm Kyrill tobte, saßen wir alle in der Fahrzeughalle und mussten immer wieder los“, berichtet Christian Milde aus der jüngeren Geschichte.

„Zu den Diensten und Einsätzen kommt, dass es kaum eine Veranstaltung im Ort gibt, bei der die Feuerwehr nicht mitwirkt: Osterfeuer, Gassenfest, Umwelttag, Laternenumzug“, sagt Heinz Haupt. „Das Zugpferd ist die Feuerwehr“, fasst Christian Milde zusammen und verweist dabei auch auf die hohe Anzahl fördernder Mitglieder. Sie alle sind eingeladen, wenn am Samstag im Gasthaus Eickmeyer ab 18 Uhr das 75-jährige Bestehen der Feuerwehr Zersen gefeiert wird – mit Festakt und mit Tanz.

Gebäude und Ausrüstung der Wehren waren in den 60er Jahren längst nicht so modern wie heute. Die Einsätze dadurch schwieriger.



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