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Gudrun Sandmann geht nach 47 Dienstjahren in der Löwen-Apotheke in den Ruhestand

Vom Pillendrehen und Zäpfchengießen

HESSISCH OLDENDORF. Pillen drehen – nein, das gehörte nicht mehr zu den Aufgaben von Gudrun Sandmann in der Privilegierten Löwen-Apotheke am Marktplatz. Gelernt hat sie es aber noch. Das ist lange her… Fast 50 Jahre war die Hessisch Oldendorferin in ein und demselben Betrieb tätig, nun geht sie in den Ruhestand.

veröffentlicht am 13.09.2018 um 15:36 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 20:40 Uhr

Gudrun Sandmann (re.) und ihre Kollegin Astrid Dohme-Rügge 1992 bei Laborarbeiten. Foto: privat
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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Doch der Reihe nach: Am 1. August 1971 begann Gudrun Schwedt in der ältesten Apotheke ihrer Heimatstadt eine Ausbildung zur Apothekenhelferin, lernte dabei auch noch Zäpfchen zu gießen. Nach dem Abschluss wurde sie übernommen und kümmerte sich in den Folgejahren um Warenwirtschaft und Lehrlingsausbildung. „Was ich eigentlich gerne machen wollte, war Handverkauf, Rezepte zu beliefern und Kunden zu beraten, doch das konnte ich nur als Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)“, verrät sie. Also schloss sie 1979 in Bückeburg eine entsprechende Ausbildung an.

„In dieser Zeit habe ich gelernt, Kapseln, Salben und Tinkturen herzustellen und eben auch Pillen zu drehen, was aber später in der Praxis nicht mehr benötigt wurde“, erzählt sie und fährt fort: „Da ich in meinem Arbeitstagebuch festhielt, dass ich ‚Hintenhoch für Vierbeiner‘ in Flaschen mit Korken abfüllen musste – eine ganz besondere Rezeptur, wussten die Leute an der PTA-Schule gleich: Die kommt aus Hessisch Oldendorf.“ Zwei Stellen wurden ihr nach dem Abschluss angeboten, sie entschied sich für die Löwen-Apotheke, wo sie unter Paul Elten in die Lehre ging. Als PTA war sie dann 25 Jahre bei dessen Sohn, Dr. Holger Elten, und weitere zwölf Jahre bei Dr. Andreas Beißner angestellt.

„Als ich hier angefangen habe, sah alles noch ganz anders aus: Der Eingang befand sich mittig – dort, wo jetzt das Schaufenster ist; an den Wänden standen Medikamentenschränke mit Glastüren und die Auslage schmückten 4711- und Tosca-Flaschen in Geschenkkartons“, erinnert sich Gudrun Sandmann. Gerne habe sie seinerzeit in der sogenannten Drogenkammer gearbeitet. „Da roch es so gut, denn dort bewahrten wir eine Vielzahl an Teesorten auf, aus denen wir je nach Rezept Teemischungen erstellten“, fügt sie hinzu.

Dr. Andreas Beißner beim Abschied von seiner Mitarbeiterin Gudrun Sandmann. Foto: ah
  • Dr. Andreas Beißner beim Abschied von seiner Mitarbeiterin Gudrun Sandmann. Foto: ah

Damals habe man Medikamente noch mündlich bestellt. „Sie wurden ins Auftragsbuch eingetragen und ich habe sie dann per Fernschreiber bestellt“, sagt sie und ergänzt: „Heute geht ohne Computer nichts mehr, darüber läuft die gesamte Warenwirtschaft.“

Komplizierte Rezepturen sind in den Hintergrund getreten, der Arbeitsalltag einer Gudrun Sandmann wird vorwiegend von der Abgabe von Fertigarzneimitteln bestimmt. „Auch wenn das so ist: Die Beratung der Kunden über diese Medikamente und deren Neben- und Wechselwirkungen oder auch die Messung von Körperfunktionswerten sind verantwortungsvolle Aufgaben, die mir immer sehr viel Freude bereitet haben“, betont sie.

Künftig wird sie nicht mehr in der Löwen-Apotheke anzutreffen sein. „Nach 17 228 Tagen geht Gudrun Sandmann in den Ruhestand“, hat Apotheker Dr. Andreas Beißner errechnet, der sich mit seinem Team mit Präsentkorb und Blumenstrauß von der langjährigen Mitarbeiterin verabschiedet. Sie sei sehr genau und sehr sorgfältig, habe mit jahrelanger Erfahrung Rezepturen hergestellt und die Kunden beraten, lobt er und ergänzt: „Ich bin dankbar für ihre Genauigkeit, davon haben wir alle profitiert.“ Und wie ist der Abschied für Gudrun Sandmann – nach so vielen Jahren in einem Betrieb? „Der Kundenkontakt wird mir fehlen“, sagt sie.



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